Osnabrück

Dreadlock-Debatte: Klimaaktivisten irritieren mit impertinenter Intoleranz

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 24.03.2022 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Wegen ihrer Frisur ausgeladen: Musikerin Ronja Maltzahn. Foto: dpa
Wegen ihrer Frisur ausgeladen: Musikerin Ronja Maltzahn. Foto: dpa
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Fridays for Future ruft für diesen Freitag weltweit zu Demonstrationen auf. Bei einer Kundgebung in Hannover darf die Sängerin Ronja Maltzahn aber nicht auftreten - wegen ihrer Frisur. Was für ein Armutszeugnis.

Ausgerechnet auf einer Veranstaltung für Frieden und ein besseres Weltklima, soll eine weiße Musikerin nicht spielen dürfen, weil sie Dreadlocks trägt. Ist das zu fassen? Dreadlocks seien in den USA ein Widerstandssymbol der Bürgerrechtsbewegung schwarzer Menschen geworden, wenn eine weiße Person so eine Frisur trage, sei das eine nicht hinnehmbare „kulturelle Aneignung“, heißt es in der Begründung des Veranstalters, der „Fridays for Future“-Gruppe Hannover.   

Man rauft sich die Haare, angesichts von soviel „Cancel Culture“. Der Kampf gegen Diskriminierung und Ausgrenzung schießt hier eindeutig übers Ziel hinaus. Eine Gesellschaft, die sich als offen und liberal versteht, darf sich nicht den Mund verbieten lassen – egal von wem. Wollen wir in einer Gesellschaft leben, die Menschen vorschreibt, welche Frisuren sie zu tragen haben oder Kindern verbietet, sich als Indianer zu verkleiden? Soll niemand mehr politisch anecken dürfen? Das ist im Kern autoritär.

In den 1980er Jahren haben Punks mit ihrem „Irokesenschnitt“ das das bürgerliche Lager zu Weißglut gebracht. Heute verprellen vermeintlich politisch bewusste und fortschrittliche Geister die Mitte der Gesellschaft mit Debatten, die Otto Normalbürger nur noch mit dem Kopf schütteln lassen.

Kulturelle Aneignung - oft Ausdruck von Respekt und Bewunderung - ist ein Kennzeichen menschlicher Entwicklung. Menschen tauschen sich aus und lernen voneinander. Der eine erschüttert vermeintliche Gewissheiten des anderen, im Austausch entsteht etwas Neues. Wissenschaft, Literatur und die bildenden Künste sind voll davon. Ohne Austausch lebten wir alle noch in Höhlen.

Von einer kleinen Gruppe von Aktivisten auf die gesamte „Fridays for Future“-Bewegung zu schließen, wäre ungerecht. Aber finden sich nicht ausgerechnet in den Reihen jener, die der Vielfalt eine Stimme und der Toleranz eine Bühne geben wollen, zu viele, die mit ihrer Toleranz schnell am Ende sind, wenn es nicht in ihr Weltbild passt? Keine Toleranz für Intoleranz. Sollte sich die Klimabewegung weiter radikalisieren und ideologisieren ist das sicher nicht gut fürs Klima.

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