Haselünne
Berentzen: Alkohol könnte für Verbraucher teurer werden
Zwei Jahre Pandemie, jetzt der Ukraine-Krieg: Berentzen-Vorstand Oliver Schwegmann sieht das Haselünner Unternehmen gut aufgestellt. Die Limo-Marke Mio Mio soll weiter ein Zugpferd sein. Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges machen aber auch vor den Schnaps-Brennern nicht halt.
Weizen wird nicht nur unter anderem für Brot und Nudeln oder zum Bier brauen gebraucht, sondern auch zum Brennen von Alkohol. Dass mit Russland und der Ukraine zwei der wichtigsten weltweiten Lieferanten ausfallen, das wird auch den Haselünner Berentzen treffen, ist Vorstand Oliver Schwegmann überzeugt. „Der Rohalkohol wird sich verteuern“, sagte er am Donnerstag bei der Vorstellung der offiziellen Jahreszahlen des Unternehmens aus dem Emsland. Mehr als die Hälfte des Umsatzes, der 2021 bei rund 146,1 Millionen Euro lag, macht Berentzen mit alkoholischen Getränken.
Doch nicht nur Rohstoffe wie Weizen haben sich verteuert, auch an anderen Stellen trifft die Preisexplosion das Unternehmen. „Die Energiepreise sind für uns ein ganz wesentliches Thema. Das betrifft die energieintensive Flaschenherstellung ebenso wie die Produktion von Metallverschlüssen“, so Schwegmann. Auch die Papieretiketten würden teurer, hinzu kommen die hohen Kraftstoffpreise für die Logistik.
Die Konsequenz: Auch Berentzen habe die Preise anheben müssen. Welche Auswirkungen das auf den Endverbraucher hat, weiß Schwegmann nicht. „Das ist Sache des Handels, da reden wir nicht rein.“ Dennoch geht er davon aus, dass damit auch eine Verteuerung für den Verbraucher einhergeht.
Mit dem zurückliegenden Geschäftsjahr ist der Manager soweit zufrieden. Bereinigt um den Wegfall der Lohnfüllung für Pepsi – ein Geschäft mit hohem Umsatz aber geringen Margen – sei der Umsatz der Berentzen-Gruppe im Jahr 2021 sogar leicht gestiegen. Deutlich zugelegt hat das Konzernergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT), das 2021 bei 6,7 Millionen Euro lag.
Damit sieht Schwegmann den Kurs des Haselünner Unternehmens bestätigt. „Wir haben unser Portfolio bereinigt und wollen mit den Kernprodukten wachsen. Das ist ein gutes Fundament für ein gesundes Geschäft.“ Sowohl mit den Kernmarken Berentzen und Puschkin (+5 Prozent) als auch mit Premium-Marken im Handel habe die Unternehmensgruppe aus dem Emsland gute Umsätze erzielt. Insgesamt lagen die Umsatzeinbußen nur bei 0,3 Prozent.
Im Bereich der alkoholfreien Getränke bleibt die Marke Mio Mio ein Zugpferd. „Das ist unsere schönste Wachstumsgeschichte“, so Schwegmann. Zwar konnte Mio Mio nicht ganz an die Vorjahresdynamik anknüpfen, aber ein Umsatzwachstum von 10 Prozent bleibt. „In der Marke steckt noch deutlich mehr. In diesem Jahr nehmen wir uns ein deutlich zweistelliges Wachstum vor“, sagte der Berentzen-Vorstand.
Insgesamt, so Schwegmann, habe man auf die richtigen Themen gesetzt. Und 2022 soll auch wieder investiert werden, sowohl in Personal als auch in Marketing. Wie es weitergeht, das sei schwer zu prognostizieren, sagt Schwegmann. Man könne nur auf Sicht fahren. „Als Absatzmarkt sind Russland, wo wir das Exportgeschäft komplett eingestellt haben, und die Ukraine zu vernachlässigen“, so der Berentzen-Vorstand. Noch habe man auch die Rohstofflieferketten im Griff. Würde Weizen jedoch knapp, geht Schwegmann davon aus, dass die Rohalkoholproduktion gedrosselt wird.
Dennoch ist der Berentzen-Vorstand auch optimistisch: „Wir haben uns im Umsatz für 2022 viel vorgenommen und wollen einen deutlichen Sprung machen“, sagte er. Zwischen 154 und 162 Millionen Euro soll der Umsatz liegen. Mit den wieder geöffneten Clubs, Veranstaltungen und dem guten Wetter werde auch die Corona-bedingt gedämpfte Nachfrage der vergangenen zwei Jahre wieder deutlich anziehen, ist Schwegmann überzeugt.