Aurich/Norden

Ukrainische Flüchtlinge werden auf Russisch begrüßt

Heino Hermanns
|
Von Heino Hermanns
| 23.03.2022 18:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Armando Iglesias würde es am liebsten sehen, wenn die Ukraine Mitglied der Europäischen Union werden würde. Foto: Romuald Banik
Armando Iglesias würde es am liebsten sehen, wenn die Ukraine Mitglied der Europäischen Union werden würde. Foto: Romuald Banik
Artikel teilen:

Hilfe und Unterstützung erhalten die ukrainischen Flüchtlinge vom Kreis Aurich in Utlandshörn. Begrüßt werden sie jedoch mit einem russischen Willkommens-Schild. Und es gibt weitere Kritikpunkte.

Aurich/Norden - Ein Schock war die Ankunft in der Erstunterkunft Utlandshörn für einige Ukrainer. Denn begrüßt wurden sie von einem Schild, auf dem „Herzlich Willkommen“ stand – in russischer Sprache. Auch eine Dolmetscherin konnte nur Russisch. Das berichtet Armando Iglesias im Gespräch mit den ON. Der 33-jährige Ukrainer lebt seit 2019 in Deutschland, absolviert derzeit in Emden den Bundesfreiwilligendienst. „Das ist die Sprache der Aggressoren, der Terroristen, vor denen meine Landsleute geflohen sind“, sagt Iglesias. Natürlich könnten die meisten Ukrainer Russisch. Aber schon seit Jahren werde es nicht mehr gelernt.

Armando Iglesias stammt aus der Ukraine und lebt seit 2019 in Aurich. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat sich auch sein Leben verändert. Täglich hat er Angst um seine Familie, die über die gesamte Ukraine verstreut lebt. Und er kümmert sich um die Flüchtlinge, die vor den russischen Raketen in den Westen fliehen. Daher war er auch schon einige Male in der Unterkunft in Utlandshörn, in der die Ukrainer zunächst untergebracht werden, ehe sie auf Wohnungen verteilt werden. Und Iglesias erlebte dabei, dass die russische Sprache dominierte. „Das Willkommensschild ist auf Russisch, und die Dolmetscherin beherrscht auch nur Russisch“, sagt er im ON-Gespräch. Die Frau habe bei der Dokumentation die ukrainischen Namen der Flüchtlinge in die russische Variante geändert und klar gesagt, dass sie kein Ukrainisch spreche.

Ukrainische Namen werden in russische Version übertragen

Iglesias möchte niemanden diskriminieren. Aber er möchte Verständnis dafür, dass seit dem russischen Angriff auf seine Heimat die Sprache der Aggressoren ungute Gefühle bei ihm und seinen Landsleuten auslöst. Der Diplom-Psychologe hat den Ukrainern bei der Registrierung in Utlandshörn geholfen, hat als Dolmetscher fungiert. „Wir haben Krieg in der Ukraine, und es macht uns wütend, dass eine Dolmetscherin die Namen in die russische Version überträgt“, sagt Iglesias.

Die Ukraine ist ein zweisprachiges Land. Insbesondere in der sowjetischen Zeit hat jeder Russisch gelernt, das bis 1991 neben Ukrainisch auch Amtssprache war. Bis zu 30 Prozent der Einwohner gaben vor 20 Jahren bei der Volkszählung Russisch als ihre Muttersprache an. Eine Folge auch der Geschichte des Landes, das von 1920 bis 1991 zwangsweise Teil der Sowjetunion war.

Kreis: Es gibt auch zahlreiche russischsprechende Ukrainer

Eine Tatsache aber, der auch Rechnung getragen werden muss. Das sagt Kreissprecher Nikolai Neumayer auf ON-Anfrage. Von dem Willkommensschild wisse er nichts. Aber alle Hinweisschilder seien grundsätzlich in russischer und in ukrainischer Sprache verfasst worden, eben weil es grade unter den älteren Flüchtlingen viele gebe, die russisch sprechen würden. Es seien auch Dolmetscher für beide Sprachen im Dienst. Im Übrigen habe es bislang noch keine Beschwerden vonseiten der Flüchtlinge gegeben, so Neumayer.

Das sieht Iglesias ganz anders. Er kennt mindestens 25 Landsleute, die sich über die russische Beschriftung ebenso geärgert haben wie er selbst. Mittlerweile habe Russisch auch in der Ukraine nicht mehr den Stellenwert, den es einmal gehabt habe, sagt er. Spätestens mit den Ereignissen von 2014 und der Annexion der Krim durch Russland sei man sehr sensibel geworden. „Niemand lernt mehr Russisch. Russland ist Terroristenland“, sagt er.

Er bestätigt, dass die Informationsschilder in Utlandshörn auch auf Ukrainisch verfasst worden sind. Allerdings sei dabei wahrscheinlich der Google-Übersetzer genutzt worden. Denn im Gegensatz zu den russischen Beschriftungen seien die ukrainischen Texte voller Fehler.

Ähnliche Artikel