Hannover
Weil sie als Weiße Dreadlocks trägt: Fridays for Future lädt Musikerin aus
Ronja Maltzahn wollte eigentlich auf der Fridays-for-Future-Demo in Hannover auftreten. Doch weil sie als Weiße Dreadlocks trägt, wurde die Musikerin ausgeladen.
Die Sängerin Ronja Maltzahn trägt blonde Dreadlocks. Aufgrund dieser Frisur wurde die junge Frau jetzt offenbar von Fridays for Future (FFF) in Hannover ausgeladen. Auf ihrem Instagram-Kanal postete sie die Begründung von FFF. Die Klimaaktivisten teilten ihr mit: „Dreadlocks bei weißen Menschen sind eine Form der kulturellen Aneignung.“ Die „systematische Unterdrückung“ würde Maltzahn aber nicht erleben.
Sollte sich die Musikerin allerdings bis zur Demo eine andere Frisur zulegen, dürfe sie auf der Bühne stehen: „Solltest du dich bis Freitag dazu entscheiden, deine Dreadlocks abzuschneiden, würden wir dich natürlich auf der Demo begrüßen und spielen lassen“, hieß es in der Absage von Fridays for Future.
Maltzahn reagierte enttäuscht: „Schade, dass wir aufgrund von äußerlichen Merkmalen davon ausgeschlossen werden. Wir möchten keinen Menschen aufgrund von seiner/ihrer kulturellen Herkunft diskriminieren, sondern vielmehr kultureller Vielfalt eine Bühne geben, sie wertschätzen und zelebrieren, für Gender-Equality, Achtsamkeit und Toleranz einstehen.“
Sie und ihre Band hätten sich gefreut „ein Zeichen für Frieden und gegen Diskriminierung mit unserer Musik setzen zu dürfen.“
Unter Maltzahns Posting fanden sich bereits viele Kommentare. Unter anderem hat sich der Fernsehmoderator Kena Amoa (51), Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters, geäußert: „So ein Quatsch!!!“, schrieb er. „Wie kann eine Frisur „Kulturelle Aneignung“ sein?“
Viele andere äußerten sich ebenfalls fassungslos. „Das ist wirklich unfassbar und völlig daneben“, schrieb eine Userin.
Mittlerweile hat FFF Hannover mit einem ausführlichen Statement auf die Debatte reagiert, die in den Sozialen Medien hohe Wellen schlägt: „Zunächst ist es uns wichtig, klarzustellen, dass wir hinter unserer Entscheidung stehen“, heißt es in dem Schreiben. Man wolle sich aber bei Ronja Maltzahn entschuldigen.
Die Organisation räumt ein, sie habe der Musikerin nicht vorschlagen dürfen, ihre Haare abzuschneiden um somit doch an der Demo am Freitag teilnehmen zu dürfen. „Dies ist ein Eingriff in die Privatsphäre der Künstlerin, der so nicht hätte passieren dürfen. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, das Frauen in dieser sexistischen Gesellschaft häufig aufgrund ihres Aussehen zurechtgewiesen werden und sich nicht frei so kleiden und zeigen können wie sie wollen, war die Nachricht grenzüberschreitend formuliert.“
Dennoch untermauert FFF erneut seinen Standpunkt: „Beim Tragen der Dreadlocks durch weiße Menschen handelt es sich um kulturelle Aneignung“. Die Frisur sei „Symbol des Widerstandes Schwarzer Menschen“. Weiter heißt es: „Wenn eine weiße Person also Dreadlocks trägt, dann handelt es sich um kulturelle Aneignung, da wir als weiße Menschen uns aufgrund unserer Privilegien nicht mit der Geschichte oder dem kollektiven Trauma der Unterdrückung auseinandersetzen müssen.“
Auch Maltzahn äußerte sich in ihren Instagram-Stories erneut zur Debatte und berichtete über ein nettes Telefonat mit der Klimaorganisation. Sie habe „keinen Konflikt anzetteln“ wollen und stehe eigentlich für die Werte von FFF mit ihrer Musik ein. „Ich drücke die Daumen, dass es für diese eigentlich tolle Organisation nicht zu viel blöden Pressewind geben wird.“