Aurich
Kunstschule: Versäumnisse eines Architekten
Uneins ist sich die Politik darin, wie es mit dem Umzug von Kunstschule und Mach-Mit-Museum weitergehen soll. In die Kritik gerät auch der zuständige Architekt.
Aurich - Für Unruhe sorgen weiterhin die Umzugspläne für das Mach-Mit-Museum und die Kunstschule Miraculum. In der Sondersitzung von Bauausschuss und Kulturausschuss des Rates gab es keinen Beschluss, wie bei dem Projekt weiter vorgegangen werden soll. In der Diskussion waren sämtliche Meinungen vertreten: Einige wollten das Bauprojekt in der Osterstraße komplett stoppen, andere sahen eine klare bestehende Beschlusslage für den kompletten Umzug beider Einrichtungen an einen Standort, andere schlugen Kompromisse vor.
Sondersitzung des Stadtrates
Eine Sondersitzung des Stadtrates kann laut der niedersächsischen Kommunalverfassung nur auf zwei Wegen einberufen werden. Entweder wird eine solche Sitzung von einem Drittel der Abgeordneten verlangt. Oder aber der Verwaltungsausschuss beschließt, eine Sondersitzung des Rates einzuberufen. Die FDP-Fraktion verfügt über drei Mandate im Rat, der 41 stimmberechtigte Mitglieder hat. Daher geht der FDP-Antrag für eine Sondersitzung ins Leere. Es bleibt der Weg über den Verwaltungsausschuss, der am kommenden Montag wieder tagt. Sollte dort eine Sondersitzung des Rates beschlossen werden, könnte diese nach Auskunft des Ratsbüros frühestens am 7. April stattfinden.
Die FDP-Fraktion hat nun eine „eilige Sondersitzung“ des Stadtrats am 30. März beantragt. Nach Ansicht von Fraktionschefin Sarah Buss bedarf es einer Diskussion und einer „finalen Entscheidung“ im Stadtrat, nicht in den untergeordneten Ausschüssen. Am Montag war noch verabredet worden, dass am kommenden Montag der nicht öffentlich tagende Verwaltungsausschuss die Entscheidung über das weitere Vorgehen treffen soll.
Entscheidung muss schnell getroffen werden
Festlegen muss sich die Politik tatsächlich spätestens in der kommenden Woche. Denn ansonsten, das betonte Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß am Montag, sei es zu spät. „Wenn wir am Montag keine Entscheidung treffen, haben wir eine getroffen“, sagte sie. Denn wegen der Fördermittel müsse der erste Bauabschnitt bis Ende 2024, der zweite bis Ende 2025 abgerechnet sein. Schon jetzt allerdings ist das Vorhaben in Verzug. Umziehen sollen die beiden Einrichtungen in die Gebäude Osterstraße 40 bis 44, die teilweise unter Denkmalschutz stehen. Um genug Platz zu haben, soll dort auch ein Anbau entstehen. Das Problem. Wegen der stark gestiegenen Baukosten reichen die bisher veranschlagten Mittel in Höhe von 3,44 Millionen Euro nicht mehr aus. Deswegen hatte Architekt Christian Oberteicher (Firma DBCO, Münster) zunächst noch größer, mit einem Café, geplant, um den geförderten Anteil des Baus im Rahmen zu halten.
Nun legte er der Politik eine abgespeckte Variante vor, die in zwei Bauabschnitten realisiert werden könnte. Begonnen werden könnte mit dem Gebäudebestand, der unter Denkmalschutz steht. Der geplante Anbau wäre der zweite Bauabschnitt. Dessen Größe soll nach den Vorstellungen von Busch-Maaß davon abhängen, wie viel Geld am Ende des ersten Bauabschnittes noch da ist. Im besten Fall könnte die gesamte verfügbare Freifläche überbaut werden. Im schlimmsten Fall gäbe es überhaupt keinen Anbau. Dafür hätte dann die Kunstschule eine Freifläche, die nach hinten an das künftige Parkhaus und an der Seite an eine Lohne angrenzt.
AWG: „Ein fauler Kompromiss“
Glücklich ist die Stadtbaurätin mit der Arbeit des Architekten nicht. Als er beauftragt worden ist, war sie selbst noch nicht im Amt. Es sei aber die Aufgabe eines jeden Architekten, immer auch eine kostengünstige Variante anzubieten. Statt der größeren Pläne inklusive Café hätte Oberteicher Mitte vorigen Jahres auch eine abgespeckte Variante präsentieren müssen.
Das ist nicht geschehen. Daraufhin hatte Bürgermeister Horst Feddermann die Pläne inklusive Café in Auftrag gegeben. Rechnet man nämlich die Café-Fläche aus dem Bauprojekt raus, reichen die veranschlagten 3,44 Millionen Euro für den Umbau für die beiden Kultureinrichtungen. Aurich bekommt gut drei Millionen Euro Fördergeld. Nicht förderfähig ist allerdings der Umbau zum Café. Dafür kalkulierte die Stadt Kosten von 850.000 Euro ein – und im Gegenzug Pachteinnahmen. Ein Plan, der der Politik nicht gefallen hat. Deswegen wurden nun die abgespeckten Pläne präsentiert.
Das Problem beim Abspecken von Bauplänen ist allerdings, dass am Ende nicht mehr so viel Fläche zur Verfügung steht wie erhofft. Museum und Kunstschule würden sich nun durch den Umzug nicht vergrößern. An dieser Stelle setzt auch die Kritik an, zum Beispiel von Richard Rokicki (AWG). „Das ist ein fauler Kompromiss“, sagt er im ON-Gespräch. Aus eigener Erfahrung als Maurermeister wisse er, dass es immer zu Verzögerungen und Baukostensteigerungen kommen könne. Das gelte in diesen unsicheren Zeiten umso mehr. Eine pünktliche Abrechnung der Fördergelder sei eher unwahrscheinlich. „Es ist kein guter Zeitpunkt, den Umzug zu verwirklichen.“