Aurich

Aufnahme von Geflüchteten: „Manche gehen da sehr blauäugig ran“

Franziska Otto
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Von Franziska Otto
| 19.03.2022 16:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Frau trägt ihr Kind am Bahnhof von Lwiw. Foto: DPA
Eine Frau trägt ihr Kind am Bahnhof von Lwiw. Foto: DPA
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Wer ukrainische Geflüchtete bei sich aufnehmen will, muss sich der Verantwortung bewusst sein, sagt der Kreis-Migrationsbeauftragter. Zu viele Menschen seien da sehr blauäugig.

Aurich - Die Hilfsbereitschaft der Menschen seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist gewaltig. Zahlreiche Menschen melden sich beim Landkreis Aurich und wollen Geflüchtete aufnehmen, sagt der Migrationsbeauftragte des Kreises, Bernd Tobiassen. Jedoch wüssten nicht alle, worauf sie sich eigentlich einlassen. „Manche gehen da sehr blauäugig ran“, sagt Tobiassen.

Wenn man Geflüchtete bei sich aufnimmt, übernehme man auch eine gewisse Verantwortung für die Menschen, sagt Tobiassen. Ein Sofa, auf dem jemand übernachten kann, reiche nicht. „Man muss sich klar sein, dass diese Menschen Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre hier bleiben.“ Viele hätten zwar die Hoffnung, nach kurzer Zeit wieder in die Ukraine zurückkehren zu können. Aus Erfahrung aus zum Beispiel dem Bosnienkrieg wisse er allerdings, dass viele Geflüchtete für immer in Deutschland blieben. Deswegen sei für die Unterbringung eine geschlossene Wohneinheit am besten für die Unterbringung geeignet.

Den Geflüchteten Umzüge ersparen

Geflüchtete im eigenen Haus unterzubringen wie bei Hilde Ubben sei auch möglich, sagt Tobiassen. Jedoch solle man sich das gut überlegen. Schließlich könne es sein, dass man einfach nicht gut miteinander klar komme. Der Kreis würde in einem solchen Fall zwar eine Lösung finden, sagt Tobiassen. Man solle es aber den Geflüchteten ersparen, nach kurzer Zeit wieder umziehen zu müssen.

Bei der Versorgung der Geflüchteten unterstützt der Kreis die Freiwilligen. Jedoch ist es dafür notwendig, dass sie registriert werden. Geschieht das in Utlandshörn, bekommen sie eine Aufenthaltsgenehmigung und damit auch eine Arbeitserlaubnis, sagt Tobiassen. Jedoch müssen sie im Landkreis Aurich bleiben. Deswegen rät der Kreis freiwilligen Helfern, Geflüchtete erst nach Laatzen zu bringen. Schließlich könne es sein, dass die Ukrainer gar nicht in den Kreis Aurich, sondern in andere Teile Deutschlands zu Verwandten wollen.

Schnelle und einfache Hilfe

Bei der Registrierung solle der größte Teil der Bürokratie abgearbeitet werden, sagt Tobiassen. Dabei werde zum Beispiel erfasst, welche Ausbildung oder welchen Studienabschluss der Geflüchteter hat und ob er damit in Deutschland arbeiten kann. Auch der Empfang von Sozialhilfen werde so in die Wege geleitet. „So einfach war es noch nie“, sagt Tobiassen. Unterstützung gebe es für die Geflüchteten zudem bei der Beratungsstelle des Deutschen Roten Kreuz Aurich.

Wer Geflüchtete bei sich aufnehmen will, kann sich per Mail unter ukraine@lk-aurich.de beim Landkreis melden. Der Kreis prüft dann die Gegebenheiten vor Ort.

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