Meinung
Bürokratie bei Flüchtlingshilfe: Menschlicher Faktor bleibt außen vor
Flüchtlingshelfer aus Südbrookmerland kehrten in dieser Woche mit einem leeren Bus zurück. Mitverantwortlich dafür sind Vorschriften, die den menschlichen Faktor nicht berücksichtigen.
Verärgert und frustriert kehrten in dieser Woche hilfsbereite Südbrookmerlander mit dem Bus in ihre Gemeinde zurück – ohne Flüchtlinge an Bord. Sie hatten 49 Menschen von der ukrainisch-polnischen Grenze abgeholt und wollten sie eigentlich bei sich aufnehmen. Doch Verwirrung um das richtige Vorgehen machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Die Geflüchteten, vor allem Frauen und Kinder, wurden zur Behörde nach Laatzen gebracht – und blieben dort. Sie werden jetzt auf Unterkünfte im ganzen Land verteilt.
So sollte Flüchtlingshilfe nicht laufen. Der Wunsch der Helfer aus Südbrookmerland ist vollkommen nachvollziehbar: Der Gedanke war, geflüchtete Menschen an der Grenze aufzulesen und bei sich unterzubringen. Platz genug stand zur Verfügung. Nach den Berichten der Helfer baute sich schon während der Busfahrt Kontakt und Vertrauen zu den Geflüchteten auf – also die nötige Nähe. Es ist also naheliegend, diese Menschen direkt mit nach Ostfriesland zu nehmen. Die Alternative, eine freie Unterkunft an den Landkreis zu melden und auf eine Zuweisung zu warten, ist für die Helfer aus Südbrookmerland unnötig unpersönlich.
Der Ablauf wäre ganz einfach
Eigentlich wäre nichts Kompliziertes an dem Ablauf: Die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine werden an der Grenze mitgenommen, nach Ostfriesland gefahren und kommen in den zur Verfügung gestellten Wohnungen unter. Dann werden sie etwa über eine Internetseite oder bei der örtlichen Behörde, in diesem Fall dem Landkreis Aurich, registriert.
Weltfremde Praxis
Doch die hiesige Kreisverwaltung favorisiert ein anderes Verfahren. Sie möchte von den freiwilligen Helfern, dass sie die Flüchtlinge zur zentralen Aufnahmestelle nach Laatzen bringen und dort belassen. Die Geflüchteten werden dort anschließend annähernd gleichmäßig auf die Kreise verteilt. Das klingt vielleicht vernünftig und gerecht. Aber diese Praxis ist weltfremd. Sie blendet einen wichtigen menschlichen Faktor aus. Viele Helfer wollen wissen, wem sie helfen, wen sie bei sich unterbringen.
Wenn der Landkreis also gegenüber den ON diese Woche sogar vor Aktionen wie der aus Südbrookmerland warnt, wird das Ziel aus den Augen verloren: schnelle, unkomplizierte und unbürokratische Hilfe für Menschen in Not.