Aurich
Wegen Maskenpflicht: Hausverbot für den Ministerpräsidenten
Der Inhaber von Deckers Disco in Großefehn hat Ministerpräsident Stephan Weil Hausverbot erteilt. Der Frust der Branche ist wegen einer neuen Regelung im Infektionsschutzgesetz hoch.
Großefehn - Er hat keine Gläser zerschlagen, sich geprügelt oder randaliert – trotzdem wurde Ministerpräsident Stephan Weil vom Inhaber von Deckers Disco, Thomas Gronewold, Hausverbot erteilt. Ein symbolischer Akt als Reaktion auf die wieder eingeführte Maskenpflicht in Diskotheken, die ab Sonnabend gilt. Mit seiner Aktion will er auf die Not seiner Branche aufmerksam machen.
Erst in der vergangenen Woche war die Maskenpflicht für Clubs, Bars und Discotheken vom Oberverwaltungsgericht Lüneburg gekippt worden. Grund dafür war ein Formfehler. So habe die Verordnung im Gegensatz zu Restaurants keine Ausnahmen für die Maskenpflicht zum Beispiel für Essen, Trinken oder das Ziehen an einer Shisha-Pfeife vorgesehen. Das stehe im Gegensatz zu den wirtschaftlichen Interessen der Betriebe, urteilte das Gericht und forderte Nachbesserung.
Länger und schärfer
Die Landesregierung hat nachgebessert – zum Unmut der Betroffenen. Wirklich damit gerechnet hatte Gronewold nicht. „Man konnte das ja nicht abschätzen“, sagte er. Zudem sollten eigentlich zum 20. März, also bereits am Sonntag, der Großteil der Corona-Schutzmaßnahmen fallen. Das Land Niedersachsen entschied sich jedoch für eine Übergangslösung und behält die bisherigen Regelungen bis zum 2. April, inklusive der verschärften Nachbesserung.
Schwere Vorwürfe macht Gronewold Ministerpräsident Weil. „Er sträubt sich gegen Lockerungen und bremst sie aus“, sagte er. Dabei sei es für die Betriebe wichtig, endlich wieder öffnen zu dürfen. Gerade Clubs und Discotheken wurden durch die Pandemie gebeutelt, durften lange Phasen hinweg gar nicht öffnen oder nur mit Maskenpflicht beim Tanzen. Manche ließen ihre Betriebe unter diesen Auflagen lieber ganz geschlossen. „Wir sind eine geprügelte Branche“, sagte Gronewold.
„Wir hängen wieder in der Warteschleife“
Am vergangenen Wochenende konnte Deckers Disco endlich wieder öffnen, Gäste konnten ohne Maske tanzen. Gronewold stellte teilweise neue Mitarbeiter ein, um sich auf die Öffnung vorzubereiten. „Wir mussten jetzt wieder alles absagen und auf Eis legen“, sagte er. Und ob sich daran so schnell etwas ändert, ist nicht sicher. Nach den Beschlüssen der Bundesregierung dürften Clubs, Bars und Discotheken ab dem 2. April wieder regulär ohne Maskenpflicht öffnen. Jedoch kann das Land Niedersachsen bestimmte Regionen zu Hotspots erklären und dafür eigene Regeln aufstellen. Gronewold will für sich und seine Branche endlich Planungssicherheit. „Mir tut einfach mein Personal leid“, sagte er.
Auch die Kreisvorsitzende des Dehoga, Mareike Zägel (Hotel Stadt Aurich) ist frustriert. Erst habe die Branche das Versprechen bekommen, dass bis zum 20. März alle Regeln fallen sollen. Nun will Niedersachsen in die Verlängerung und einer Hotspot-Region drohen wieder verschärfte Maßnahmen. Und das ist nicht das einzige Problem: Denn wann eine Region zu einem Hotspot erklärt werden kann, ist noch nicht definiert. Nach Angaben des NDR solle jedoch keine starre Kennzahl festgelegt werden. Es sei für die Betriebe unter diesen Umständen unmöglich, langfristig zu planen. „Wir hängen wieder in der Warteschleife“, sagte sie.
Trotz der schlechten Nachrichten bleibt Gronewold zuversichtlich. Er will im Falle einer Öffnung bereit sein und befinde sich dafür in engem Austausch mit dem Ordnungsamt. „Wir sind in Lauerstellung“, sagte er.