Aurich
Hamsterkäufe leeren wieder die Regale in Supermärkten
Der Krieg in der Ukraine verunsichert auch die Verbraucher in Deutschland. Mehl, Nudeln und Öl werden auf Vorrat gekauft. Bei einem anderen Produkt ist nicht der Krieg Schuld am Mangel.
Aurich - Hamsterkäufe leeren mal wieder die Regale in den Supermärkten. Mittlerweile werden bestimmte Waren wieder – wie im ersten Lockdown im März 2020 – nur in bestimmten Höchstmengen an die Kunden abgegeben. Einen Unterschied aber gibt es laut Jens Coordes, Betreiber des E-Centers „Parkkauf“ in Aurich. „Vor zwei Jahren wurde das gesamte Sortiment verstärkt nachgefragt. Heute wird vor allem bei den Grundnahrungsmitteln zugegriffen“, sagt er auf ON-Anfrage.
Öl, Mehl, Nudeln: Mit Zetteln an den Regalen bittet Coordes darum, nur bestimmte Höchstmengen zu kaufen, damit andere Kunden auch zum Zuge kommen. Denn sein Lieferant, der Edeka Minden, teile bestimmte Waren derzeit zu. „Ich habe 200 Kartons Öl bestellt und zwölf erhalten“, nennt Coordes ein Beispiel. Zurückzuführen sei das auf den Krieg in der Ukraine – und auf einen Bericht im Fernsehen in der vergangenen Woche. Dort wurde der Bevölkerung empfohlen, Vorräte für zehn Tage vorzuhalten. Damit habe der Sturm auf die Supermärkte begonnen. Unnötig, wie Coordes sagt. Denn es gebe genug für alle. Es könne nur eben sein, dass die gewünschte Marke nicht vorhanden sei.
Appell an Solidarität von Kunden
Das wird auch im E-Center Bruns (Extum) so gesehen. „Es gibt aus unserer Sicht keinen Anlass, zusätzliche Vorräte anzulegen. Wir appellieren an unsere Kunden, nur haushaltsübliche Mengen bestimmter Artikel einzukaufen und solidarisch miteinander zu sein“, sagt Sprecherin Kerstin Behrends auf ON-Anfrage. Man könne eine ausreichende Versorgung mit allen Produkten des täglichen Bedarfs sicherstellen. Dennoch sei die Abgabemenge bei bestimmten Produkten eingeschränkt worden. „Denn unsere Logistik ist auf haushaltsübliche Mengen und nicht auf übermäßigen Erwerb ausgelegt.“
Wegen des Krieges in der Ukraine gibt es derzeit einen Ansturm auf Grundnahrungsmittel. Hamsterkäufe leeren die Regale in den Supermärkten. Der Grund dafür ist, dass sowohl die Ukraine als auch Russland große Weizenexporteure sind und beide in diesem Jahr wohl ausfallen werden. Auch bei Speiseölen wird es laut Coordes wegen des russischen Angriffs auf das Nachbarland Engpässe geben. In Massen gekauft wird derzeit aber auch Klopapier. Das aber hat laut Coordes nichts mit dem Krieg zu tun. „Der Mangel an Toilettenpapier hängt mit dem Mangel an Rohstoff, sprich Holz, zusammen.“ Deswegen habe er seine Mitarbeiter angewiesen, so viel Toilettenpapier wie möglich zu ordern. Mit Folgen: am Donnerstag musste Coordes Platz für einen Extra-Lastwagen schaffen, um die Waren auch unterbringen zu können.
Hamsterkäufe sind nicht nötig
Dennoch mahnt er, dass Hamsterkäufe nicht nötig seien. Die Hersteller würden bei allen Artikeln, die von der Knappheit bedroht seien, in der Produktion Nebenprodukte weglassen, und zunächst nur noch die Hauptprodukte herstellen.
Eine Sichtweise, die auch für die Filialen des Discounters Lidl gelten. Das bestätigt Sprecherin Isabel Lehmann auf ON-Anfrage. Es könne nur bei einzelnen Produkten im Sortiment zu Lieferverzögerungen kommen. Es gebe aber immer Alternativprodukte in den Lidl-Regalen. „Unabhängig von der aktuellen Situation geben wir unsere Waren wie bisher nur in haushaltsüblichen Mengen ab.“ Mit den Lieferanten und den Logistik-Dienstleistern stehe Lidl in enger Abstimmung. „Wir sind bestürzt über das Geschehen in der Ukraine und verfolgen die weiteren Entwicklungen sehr aufmerksam“, so Lehmann.
Bünting (Combi, Famila) hat Produkte russischer Lieferanten ausgelistet, um sicherzustellen, dass kein Nachschub mehr geliefert wird. Hamsterkäufe kann das Unternehmen laut einer Mitteilung noch nicht verzeichnen. Man könne noch nicht abschätzen, wie sich die aktuellen Geschehnisse auswirken werden.