Südbrookmerland
Lehren aus dem Hochwasser
Nach dem Hochwasser am Großen Meer haben die Beteiligten nun über den Einsatz gesprochen. Es sollen Maßnahmen zur Prävention getroffen werden – und der Obersielrichter hat eine klare Forderung.
Südbrookmerland - Gut drei Wochen ist es her, als Tausende Liter Wasser aus den Nebenarmen des Großen Meeres anliegende Grundstücke überfluteten. Feuerwehr und Mitarbeiter des Südbrookmerlander Betriebshofes arbeiteten unter Hochdruck, Gebäude zu schützen. Dazu gab es nun eine Nachbesprechung unter anderem mit der Feuerwehr, dem zuständigen Entwässerungsverband Emden, dem Landkreis Aurich und dem Technischen Hilfswerk. In Zukunft soll von den Beteiligten noch besser auf ähnliche Lagen reagiert werden können.
Die Schwierigkeit bei der Bewältigung solcher Ereignisse liege in ihrer Komplexität, sagt Gemeindebrandmeister Focko Westerbur. Regen allein habe nicht für eine derartige Überschwemmung gesorgt. Es sei eine Kombination aus den Orkanen Ylenia, Zeynep und Antonia sowie der Windrichtung und Sturmfluten gewesen. Das Wasser habe nicht mehr ablaufen können, es sei landeinwärts gedrückt worden. Außerdem sei der Boden im Winter sowieso schon mit Feuchtigkeit vollgesogen. Er habe nichts mehr aufnehmen können, das Wasser staute sich, so Westerbur.
Vernetzung hilft der Vorbereitung
Orkane könnten relativ gut vorhergesagt werden, sagt Westerbur. Behörden und Einsatzkräfte würden dementsprechend frühzeitig gewarnt. Bei dem Hochwasser am Großen Meer sei das nicht möglich gewesen. Deswegen wünscht sich der Gemeindebrandmeister eine bessere Kommunikation zwischen den Einsatzkräften, den Entwässerungsverbänden und Behörden.
Sind die Beteiligten eng miteinander vernetzt, könne zukünftig früher auf mögliche Extremlagen hingewiesen werden, sagt Westerbur. Die Entwässerungsverbände hätten diesen Punkt längst auf dem Schirm und arbeiteten daran. Die Feuerwehr könne sich dann dementsprechend darauf vorbereiten, indem zum Beispiel kritische Stellen bereits präventiv mit Sandsäcken geschützt werden.
Bangen um Fördergelder
Der Obersielrichter Reinhard Behrends hat schon eine Idee, wie die Abstimmung noch optimiert werden könnte. Eine Ampel sei zum Beispiel denkbar, sagte er den ON. So könnten sich Hilfsorganisationen rechtzeitig auf Notsituationen einstimmen. Eine bessere Abstimmung werde künftige Überflutungen aber nicht verhindern. Deswegen sei es nun wichtig, weitere Maßnahmen zu ergreifen, sagte Behrends.
Mit speziellen Pumpen will der Entwässerungsverband zukünftig dafür sorgen, dass es gar nicht mehr zu Überflutungen kommt. Die bisherigen Schöpfwerke waren beim Hochwasser am großen Meer schlicht überlastet. In den kommenden Jahren könnten laut Behrends mehrere Pumpen an den Deichen installiert werden. Durch die Deiche würden Tunnel gegraben. Im Normalbetrieb laufen die Pumpen mit einer niedrigen Drehzahl, um Fische zu schonen. Im Notfall könnte man die Drehzahl erhöhen. Stück für Stück ließen sich so alte Schöpfwerke ersetzen und es müssten keine komplett neuen Werke gebaut werden, sagt Behrends.
Zur Umsetzung des Plans braucht der Entwässerungsverband vor allem eins: Geld. Deshalb überreichte der Verband seinen Plan von Pumpenmodulen bereits dem niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies. Er wolle den Plan überprüfen lassen, sagte Behrends. Er hofft auf Fördermittel – die eigentlich nach der Flutkatastrophe in Ahrweiler für den Binnenwasserschutz versprochen worden seien. Zusätzliches Geld sei jedoch nicht gekommen. „Es ist erschreckend, wie schnell die Leute Ahrweiler vergessen haben“, sagte Behrends.
Hoffnung auf mehr Geld für Schöpfwerke
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