Brookmerland

Neue grüne Sicht auf Kunstrasen

| | 15.03.2022 19:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Renate Erdt und Hans-Reiner Stroman bilden im Rat der Samtgemeinde Brookmerland die zweiköpfige Fraktion der Grünen. Foto: Thomas Dirks
Renate Erdt und Hans-Reiner Stroman bilden im Rat der Samtgemeinde Brookmerland die zweiköpfige Fraktion der Grünen. Foto: Thomas Dirks
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Die Grünen im Brookmerlander Samtgemeinderat haben ihre Vorbehalte gegenüber einem Kunstrasenplatz aufgegeben. Das ist so überraschend wie ihre Begründung.

Brookmerland – Überraschend haben die Grünen im Brookmerlander Samtgemeinderat ihre Vorbehalte gegenüber einem Kunstrasenplatz aufgegeben. Knapp vier Wochen nachdem sie im neu gebildeten Fachausschuss für Klima-, Umwelt- und Artenschutz ein Spielfeld mit künstlichem Rasen betont kritisch gesehen hatten, ist davon nun keine Rede mehr.

Zur Erinnerung: Wie berichtet, fordert die zweiköpfige Fraktion der Umweltpolitiker im Rat der Samtgemeinde, die geplante zentrale Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe „ökologisch auszurichten“. Die Anlagen nördlich des Baggersees sollten nach „höchstmöglichen ökologischen Standards“ geplant, erstellt und betrieben werden, hieß es in einem Antrag, den Fraktionschef Renate Erdt am 17. Februar im Fachausschuss vorgestellte.

Kunstrasenplatz hinterfragt

In ihrem Antrag hinterfragten die Grünen damals auch den von Fußballern seit Jahren gewünschten Kunstrasenplatz. Dessen Notwendigkeit sei zu überprüfen, hieß es in dem Papier. „Man sollte sicher sein, dass man ihn braucht“, sagte Erdt und bemühte Anglizismen: Zu fragen sei, ob ein Kunstrasenplatz ein „Must-have“ oder ein „Nice-to-have“ sei. Gemeint war: Ist ein Kunstrasenplatz dringend erforderlich oder einfach nur schön zu haben.

Sie wolle nicht sagen, dass ein Kunstrasen nicht sein solle, sagte Erdt. Inzwischen aber wisse man, dass Kunststoff nicht nur Segen, sondern auch Fluch für die Umwelt sei. Diese Erkenntnisse seien zu berücksichtigen, forderte die Grünen-Fraktionschefin. „Auch, wenn ich damit einige Sportler ärgere.“

Das tat sie offenbar mehr als von ihr vermutet. Bei allen, die einen Kunstrasenplatz seit Langem fordern, kam das nicht gut an. Dem Vernehmen nach machten vor allem Sportler hinter den Kulissen und bei ihren politischen Interessenvertretern in der SPD und deren Juniorpartner, der Wählergruppe „Moin“, massiv Druck. Offenbar mit Erfolg.

Antrag weichgespült

In der Sitzung des nicht öffentlich tagenden Samtgemeindeausschusses in der vergangenen Woche wurde der Grünen-Antrag weichgespült und in abgeänderter Form mehrheitlich beschlossen. Wie die Verwaltung in einer Pressemitteilung zur Sitzung schreibt, wurde der Beschluss mit folgendem Wortlaut gefasst: „Die Sportanlage am Tjücher Moortun wird soweit möglich und vertretbar nach höchstmöglichen ökologischen Standards geplant, erstellt und betrieben.“ Und weiter heißt es in der Mitteilung: „Aufgrund der in der Vergangenheit mit örtlichen Sportvereinen umfassend abgestimmten Bedarfsplanung wird auf eine weitere Untersuchung über die Notwendigkeit eines Kunstrasenplatzes verzichtet.“

Ihr sei nicht klar gewesen, dass es eine aktuelle „Befragung zur Notwendigkeit“ eines Kunstrasenplatzes gegeben habe, sagte Grünen-Fraktionschefin Erdt auf ON-Nachfrage. „Druck“ habe es nicht gegeben. Scheinbar sei ein Kunstrasenplatz „alternativlos“. „Wir wollen dem nicht im Wege stehen“, ruderte Erdt zurück. Die ökologische Ausrichtung gelte aber nach wie vor auch für den Kunstrasenplatz. Da dieser und das Umkleidegebäude ohnehin als letzte gebaut würden, sei Zeit, noch einmal darüber nachzudenken, wie das geschehen könnte. Wichtig sei es, neue Erkenntnisse zu berücksichtigen und das Geplante immer wieder zu hinterfragen.

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