Aurich
Maskenpflicht: Geteiltes Echo zu Lockerungen an Schulen
Kultusminister Tonne hält am Ende der Maskenpflicht an Grundschulen ab kommender Woche fest. Das sorgt angesichts der hohen Inzidenzen für eine geteilte Meinung an Auricher Schulen.
Aurich - Am Montag könnten die Masken im Unterricht an den Grundschulen im Kreis Aurich wegfallen. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne hält an den geplanten Lockerungen fest. Angesichts der hohen Inzidenzen wirft das Vorhaben jedoch bei Schulleitern und Lehrern Fragen auf. „Wir sind noch in der Diskussion“, sagt Joachim Speckmann als Leiter der Grundschule Mittegroßefehn. Er spreche sich mit den Kollegen und Elternvertretern ab, bevor er Ende der Woche entscheide, welche Corona-Schutzmaßnahmen aufgehoben werden können.
In seinen Augen könnte es sinnvoll sein, die Kohorten-Bildung auf dem Schulhof ebenso bis zu den baldigen Osterferien beizubehalten wie die Maskenpflicht im Klassenzimmer. Vor drei oder vier Wochen hätte er die Lockerungen ohne Bedenken umgesetzt. Nun zögert Speckmann. Denn es sei schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Im Moment tendiert er eher dazu, die meisten Einschränkungen bis nach den Osterferien beizubehalten. Die Hälfte seiner Schüler kenne Unterricht nur unter Corona-Bedingungen. Da spiele eine Woche mehr bei den Maßnahmen keine große Rolle.
Zeit bis Osterferien noch abwarten
Ähnlich bewertet Franz Kampers als Vorsitzender des Kreisverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Situation. Im Moment seien die Zahlen, gerade an den Schulen, so hoch, dass es viele Unterrichtsausfälle und Kürzungen gebe. „Wir sind die Maßnahmen alle leid, aber inzwischen sind die Schulen gut eingespielt. Die Schüler machen mit“, sagt er. Kampers würde mit den Lockerungen daher lieber noch warten, bis „die Welle wirklich abgeebbt“ ist. „Wir sollten flexibel agieren und nicht an einem festen Datum kleben“, so Kampers. Gerade unter den Kollegen sei die Angst groß, sich anzustecken. Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hält einen Wegfall der Maskenpflicht nach Angaben des Vertreters des Bezirksverbandes Weser-Ems, Gregor Plesse, für verfrüht.
An der Grundschule in Moordorf testen sich die Schüler gerade alle täglich. „Wir haben einige positive Fälle“, sagt Leiterin Rebecca Damm. Deshalb müsse sie auch erst Rücksprache mit dem Gesundheitsamt halten, welche Lockerungen überhaupt zum Tragen kommen können. „Die Kohorten werden wir auf jeden Fall bis zum Sommer beibehalten“, sagt Damm. Ansonsten könne sie je nach Vorgabe des Landes nur an die Freiwilligkeit appellieren. „Den Maskenwegfall sehe ich sehr kritisch.“
Upstalsboom: Schüler entscheiden selbst
Uwe Schumacher als Leiter der Grundschule Upstalsboom in Aurich hingegen kann Freitagmittag gar nicht mehr abwarten. „Ich werde überall in der Schule die Beschilderung für die Kohorten wegnehmen und persönlich ein Fest feiern“, sagt er. Denn ab kommender Woche könne endlich wieder der Morgenkreis für alle Schüler zusammen angeboten werden. Das Tragen der Maske werde er ab kommender Woche allen freistellen. „Das dürfen die Kollegen und Schüler selbst entscheiden“, so Schumacher.
Denn eigentlich zähle die Inzidenz als Kriterium schon lange nicht mehr. Dennoch werde sie immer wieder herangezogen. „Die Maßnahmen sollten dem Schutz der Älteren dienen“, erinnert Schumacher an die Beweggründe. Doch da sich zahlreiche Über-60-Jährige freiwillig nicht impfen lassen wollen, würde er nicht recht einsehen, dass die Kinder das noch länger ausbaden müssen. „Die Kinder belasten das Gesundheitssystem und die Krankenhäuser nicht.“ Daher rechtfertige die potenzielle Gefahr einer Erkrankung die Maßnahmen in seinen Augen nicht länger.
Schon im November wurde die verpflichtende Kohorten-Regelung aufgehoben. Die Schüler dürfen sich an der Schule Upstalsboom seitdem wieder frei über den Hof bewegen. „Das war wie ein großes Fest für alle“, sagt Schumacher. Die Maske würde eine hohe Belastung für alle bedeuten. Da die Grundschüler jedoch keine FFP2-Maske tragen müssen, könnten sie ihren Zweck in seinen Augen in einem vollen Klassenzimmer eh nicht erfüllen. „Wir hatten vergangene Woche 13 positive Fälle unter den Schülern – trotz Maske“, sagt Schumacher. „Ich weiß nicht, wo wir noch drauf warten wollen.“