Ihlowerfehn
Neues Wohnen in Ihlow
Klassische Einfamilienhäuser wird es künftig immer weniger geben in der Gemeinde Ihlow. Denn junge Familien haben andere Ansprüche. Und noch eine weitere Gruppe verlangt nach passenden Angeboten.
Ihlowerfehn - Eine neue Art von Baugebieten wird in den kommenden Jahren in der Gemeinde Ihlow entstehen. Denn die Anforderungen haben sich geändert. Das wurde in der Sitzung des Ihlower Bauausschusses am Montagabend deutlich. Weniger Flächenverbrauch, weniger Energieverbrauch und preiswerteres Wohnen und veränderte Wünsche für das Wohnen im Alter müssen künftig stärker berücksichtigt werden. Zwei Projektentwickler stellten ihre Ideen vor. Einer von ihnen, Heiko Kruse („Haus & Projekt“, Aurich), hat ganz konkrete Pläne für das Gelände der ehemaligen Gärtnerei Kuhlmann an der Plaggefelder Straße in Ihlowerfehn. Der andere, Andreas Rüger („Openmainded“, Frankfurt a. M./Moormerland), ist zwar noch nicht ganz so weit. Seine Vorstellungen decken sich aber mit den Erkenntnissen von Kruse und der Gemeindeverwaltung.
Im Kern bedeutet das, dass es Baugebiete nur mit Einfamilienhäusern wohl nicht mehr geben wird. „Ich kann künftig nicht mehr um mein Haus herumlaufen“, so Kruse. Denn es werde vermehrt Doppelhäuser und Reihenhäuser geben. Auch der große Garten für Selbstversorger wird Geschichte sein. Denn junge Leute wollten zumeist kein eigenes Gemüse mehr ziehen. Eine Terrasse und ein kleines Rasenstück würden ausreichen. „Ein Einfamilienhaus für 500.000 Euro kann sich kaum noch jemand leisten“, sagt Kruse.
Junggebliebene Senioren als Zielgruppe
Eine weitere Zielgruppe, die immer größer wird, sind junggebliebene Senioren. Das bestätigt Ihlows Bürgermeister Arno Ulrichs. „Der Druck ist da, wir haben viele Nachfragen nach alternativen Wohnformen im Alter.“ Alleine in Ihlow gebe es momentan etwa 150 Interessenten, schätzt Ulrichs. Jede Woche kämen im Rathaus neue Anfragen an. „Die Kinder sind aus dem Haus, das Grundstück ist zu groß“, beschreibt er die Situation der meisten Anrufer. Dann beginne „die große Suche nach der kleinen Wohnung“. Dabei wollten die Senioren ihre Individualität aber nicht aufgeben. Sie wollten noch nicht ins Alten- oder Pflegeheim.
Ein Trend, den Andreas Rüger bestätigt. Sein Unternehmen hat daher unterschiedliche Angebote. „Wohnen mit Service“ beinhaltet eine rund 50 Quadratmeter große Wohnung, bei der haushaltnahe Dienstleistungen hinzugebucht werden können. Es gibt in solchen Anlagen keine Gemeinschaftsflächen. Solche finden sich im zweiten Angebot, dem betreuten Wohnen. Bei einer solchen Anlage gibt es einen Pflegedienst im Haus und eine seniorengerechte Ausstattung. Schließlich baut „Openmainded“ auch Gebäude für „ambulant versorgte Wohngemeinschaften“. Diese seien vorgesehen für Bewohner mit höherem Pflegebedarf, seien aber deutlich billiger als eine vollstationäre Pflegeeinrichtung. „Insbesondere für Intensivpflege-, Demenz- oder Beatmungspatienten werden solche Plätze gesucht“, sagt Rüger. Er könne sich eines dieser Angebote auf der Brachfläche vor der Kita „Meerhuuske“ in Ihlowerfehn vorstellen. Auf der Brachfläche an der Von-Senden-Straße stehen momentan Container für die Krippe. Die Fläche liegt aber auch für Senioren ideal, so Rüger. Denn mit Combi und Aldi gebe es Einkaufsmöglichkeiten, und rüstige Senioren könnten im Zentrum von Ihlowerfehn wohnen. Konkrete Pläne gibt es aber in diesem Fall noch nicht.
Wohngemeinschaft für Senioren
Das sieht bei Heiko Kruse und dem alten Gärtnereigelände anders aus. Lieber heute als morgen würde er anfangen zu bauen, sagt Kruse auf ON-Nachfrage. Es hänge nun alles am Bauleitverfahren. Bereits 2013 hatte sein Sohn Piet Kruse im Bauausschuss erste Pläne für das große Grundstück vorgestellt. Einiges habe geregelt werden müssen, sagt Kruse heute. Unter anderem konnte er der Kirchengemeinde Ihlowerfehn ein 2500 Quadratmeter großes Stück Land abkaufen, sodass nun über 1,3 Hektar an der Plaggefelder Straße überplant werden konnten. Kruse will gegenüber der Kirche zwei große Gebäude errichten, in denen es Senioren-Wohngemeinschaften für insgesamt 36 Bewohner geben soll. Im weiteren Verlauf der neuen Stichstraße sollen ein- und zweigeschossige Häuser entstehen, in denen insgesamt 27 Familien ein neues Zuhause finden können. Nur eines der Gebäude wird dabei ein klassisches ostfriesisches Einfamilienhaus. Bei den Mehrfamilienhäusern denkt Kruse vor allem an alleinerziehende Menschen mit ein oder zwei Kindern. „Das ist die größte Gruppe nach den Senioren.“ Zwei Gesellschaftsgruppen, die auch in Ihlow ein Zuhause finden sollten, sagt Kruse. Abgesehen davon seien Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser flächenschonend. Auch Ihlow hat nicht unbegrenzt Bauland.“
Mit seinen Plänen konnte Kruse den Bauausschuss überzeugen. Einstimmig wurde empfohlen, das Bauleitverfahren auf den Weg zu bringen.