Norden
Erste Flüchtlinge aus der Ukraine in Utlandshörn
Zunächst hat das Land dem Kreis Aurich nur eine kleine Gruppe an Flüchtlingen aus der Ukraine zugewiesen – das könnte sich bald ändern. Für die Helfer des DRK kamen die Menschen am Montag dennoch überraschend.
Nordenv - Um Punkt 13 Uhr ist am Montagmittag der Bus mit den ersten Flüchtlingen aus der Ukraine auf das Gelände der ehemaligen Küstenfunkstelle Utlandshörn gerollt. Wie Landkreissprecher Nikolai Neumayer bestätigte, werden zunächst 25 Menschen in dem Gebäude am Deich untergebracht. Die Flüchtlinge wurden dem Landkreis Aurich vom Land Niedersachsen zugewiesen, teilte Neumayer mit. Es könnten aber kurzfristig auch noch mehr kommen.
Die Menschen, darunter Frauen, Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und Senioren sollen in den nächsten Tagen in der Einrichtung bleiben. Maximal ist in Utlandshörn ein Aufenthalt von einer Woche vorgesehen, hatte der Kreis mitgeteilt.
Alarmierung kam überraschend
Am Montagmorgen um 8 Uhr ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Norden vom Kreis in Alarmbereitschaft versetzt worden. Das kam für das DRK überraschend, denn eigentlich hatte der Kreis erst ab Dienstag mit einer Belegung gerechnet.
Wie berichtet, hat der Landkreis Aurich eine zentrale Erfassungsstelle für Flüchtlinge aus der Ukraine in Utlandshörn eingerichtet. Dieser Schritt ist nach Angaben des Kreises notwendig, um eine Vermittlung in Wohnungen oder den Bezug von Sozialleistungen zu ermöglichen. Die zentrale Erfassung sei für die zügige Aufnahme von Vorteil. „Mit nur einem Termin können alle verwaltungsrechtlichen Schritte durchgeführt werden“, erklärte Kreisrat Sebastian Smolinski.
Regen zur Ankunft
Ausgerechnet am Montagmorgen strömte der Regen unaufhörlich vom grauen Himmel. Johanna Fokken vom Kreisverband Norden des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) organisierte an diesem Tag den Einsatz des DRK in der Flüchtlingsunterkunft in Utlandshörn. Für die Ankunft der ersten Menschen aus der Ukraine hätte sie sich ein anderes Wetter gewünscht, sagte sie im Gespräch mit den ON.
Tatsächlich kam der Einsatz auch für Johanna Fokken am Montag überraschend. Um 8 Uhr wurde das DRK in Alarmbereitschaft versetzt. Ab 9 Uhr begannen die Mitglieder damit, eine Zeltstation vor der ehemaligen Küstenfunkstelle Utlandshörn aufzubauen. Im ersten Zelt werden zunächst die Daten der Kriegsflüchtlinge aufgenommen und registriert. In einem weiteren Zelt werden die Flüchtlinge auf Corona getestet. In einem dritten Zelt warten die Menschen auf das Ergebnis, bevor sie dann ins Haus gehen können – wenn das Testergebnis negativ ist. Denn das Ziel sei es, so sagte es Johanna Fokken, das Haus coronafrei zu halten.
Kuscheltiere warten auf neue Besitzer
Im Gebäude fällt der Unterschied zur Flüchtlingskrise 2015 direkt auf. Statt Feldbetten dicht an dicht, stehen nun richtige Betten mit bunten Bettbezügen in den Räumen im ersten Stock. Die Mitarbeiter der Kreisvolkshochschule (KVHS) haben die Zimmer und Betten bereits in den vergangenen Tagen und Wochen hergerichtet.
Ein weiterer Unterschied sind die Kinderbettchen und Wickeltische, die in den Räumen ebenfalls mit aufgebaut sind. Sie zeigen eindrucksvoll, dass schon die Kleinsten von diesem Krieg betroffen sind. Auch Kuscheltiere, Kinderwagen und Spielzeug warten bereits darauf, von Kindern in Besitz genommen zu werden. Um die Spenden hat sich die KVHS gekümmert, sagte Fokken. Die wartenden Püppchen und im Regal vorbereiteten Spiele sollen den kleinen Gästen die Situation ein wenig erleichtern.
Auch Kinder unter den Flüchtlingen
Und tatsächlich sind schon in dieser ersten Gruppe von Kriegsflüchtlingen, die das Haus am Montag um 13 Uhr erreichten, zahlreiche Kinder mit dabei – darunter einige Kleinkinder, aber auch Jugendliche.
Die Menschen, die aus dem Bus steigen, wirken erschöpft. Es ist ziemlich still. Einmal weint ein kleines Kind auf. Aber dann ist auch ein Lachen zu hören von zwei Jugendlichen, die sich necken. Ein überraschendes und doch aufmunterndes Geräusch an diesem Montag im Regen in Utlandshörn.
Menschen sollen Unterstützung zur Integration bekommen
Die 25 Flüchtlinge sollen nach Angaben des Landkreises zunächst in den Räumen in Utlandshörn bleiben, bevor sie dann in Wohnungen weitervermittelt werden. Grundsätzlich soll der Aufenthalt in der Unterkunft nicht länger als eine Woche dauern.
In dieser Zeit sollen den Flüchtlingen aber auch Angebote für die kommende Zeit gemacht werden. Das umfasse etwa die Integration in die Gesellschaft, in die Schule oder Arbeit. Darüber hinaus will der Kreis auch Hilfe bei der Bewältigung der Kriegs-Traumata anbieten. Auch sollen den Flüchtlingen laut Landrat Olaf Meinen Impfangebote gemacht werden – nicht nur gegen Corona, sondern auch gegen andere Krankheiten wie Tetanus.
Auch privat untergekommene ukrainische Flüchtlinge sollen sich in Utlandshörn registrieren lassen.
Wenn Bürger den Flüchtlingen helfen möchten oder Fragen haben, können sie sich während der Öffnungszeiten an das vom Landkreis eingerichtete Bürgertelefon unter (04941) 16 33 33 wenden.