Aurich

Willkommenspäckchen für ukrainische Schüler

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 15.03.2022 08:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Unter den Geflüchteten aus der Ukraine sind viele Kinder. Sie sollen schnellstmöglich eine Schule besuchen können. Foto: DPA
Unter den Geflüchteten aus der Ukraine sind viele Kinder. Sie sollen schnellstmöglich eine Schule besuchen können. Foto: DPA
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Die Schulen im Landkreis Aurich bereiten sich unterschiedlich auf die Neuankömmlinge aus der Ukraine vor. Willkommen sollen sie sich überall fühlen. Doch zunächst sei der Landkreis gefragt.

Aurich – Immer mehr Menschen kommen aus der Ukraine im Landkreis Aurich an. Darunter sind viele Mütter mit ihren Kindern. Um den Geflüchteten Stabilität zu bieten, sollen die Kinder und Jugendlichen schnellstmöglich eine Schule besuchen können. Doch noch hapert es an der Umsetzung, wie einige Schulleiter aus dem Landkreis im Gespräch mit den ON verraten. „Bis heute haben wir noch keine ukrainischen Geflüchteten bei uns“, sagt Günter Tautz. Als Leiter der IGS Ihlow rechnet er jedoch jeden Tag damit, da die Gemeinde als eine der ersten im Kreis Geflüchtete aufgenommen habe. Doch noch sei unklar, wie die Schüler zur IGS finden sollen. „Wer sagt ihnen, wie das alles bei uns funktioniert? Stehen sie einfach vor unserer Tür oder werden sie vom Landkreis verteilt?“, fragt sich nicht nur der Schuldirektor. Eine konkrete Aussage vom Schulträger gebe es bisher nicht. Lediglich das Kultusministerium hat eine Mitteilung verschickt, dass die Schulen zweimal in der Woche nach Hannover melden sollen, wie viele ukrainische Schüler sie unterrichten.

Größte Herausforderung dürfte wohl die Sprachbarriere sein. Zudem haben die Kriegsflüchtlinge einen größeren Unterstützungsanspruch, zum Beispiel bei kostenfreien Sprachkursen, als Europäer, die aus anderen Gründen freiwillig nach Deutschland kommen. „Wir müssen im Einzelfall sehen, ob jemand aus der Familie beim Übersetzen helfen kann oder Dolmetscher benötigt werden“, sagt Tautz. An der IGS in Ihlow gibt es kein russisch- oder ukrainisch-sprechendes Personal. Doch Tautz hofft auf die Unterstützung ukrainisch- oder russisch-sprechender Schüler.

Nächste Herausforderung für die Schulgemeinschaft

Zwar habe man aus der Flüchtlingskrise 2015/16 einiges gelernt, anderes sei jedoch immer noch nicht umgesetzt. So fehlen weiterhin personelle Rücklagen, um Krisen bewältigen zu können. Tautz hofft, dass nun in der Politik die Einsicht wachse, dass es mehr psychologisch ausgebildete Fachkräfte an den Schulen brauche. „Wenn die Kinder aus der Ukraine zur Ruhe gekommen sind, werden viele mit traumatischen Erlebnissen zu kämpfen haben.“ Zwar sei das Kollegium nach der Corona-Pandemie müde, immer neue Krisen zu bewältigen. „Doch dass wir uns der Aufgabe stellen, ist unstrittig“, so der Schulleiter. Eine Phase „halbwegs erlebbarer Normalität ist uns allen nicht gegönnt“.

Dr. Dorothee Göckel, Leiterin der IGS Aurich, und ihr Team planen nicht groß voraus, um Kinder, die aus der Ukraine geflohen sind, in die Schulgemeinschaft zu integrieren. Vom Ministerium sei die Schule mit Material auf die Situation vorbereitet worden. Bezüglich der Sprachproblematik ist die Schulleiterin auf die Hilfe gespannt, die den Schulen angeboten würde. An der IGS gebe es russisch-sprachiges Personal, doch ob die ukrainischen Schüler Russisch könnten, sei ebenfalls ungewiss. „Wir haben Kapazitäten und ein sehr flexibles Kollegium“, setzt Göckel auf bewährte Strukturen.

Willkommenspäckchen an der Realschule

An der KGS Großefehn wartet Leiterin Silvia Fleßner auf Auskunft des Landkreises. Eine übergeordnete Organisation sei in ihren Augen schon sinnvoll. So wüsste sie gerne genauer, was auf die Schule zukommen und wo sie bei Bedarf sprachliche Unterstützung erfahren kann. „Auch die Geflüchteten müssen informiert werden, an wen sie sich wenden können“, so Fleßner. Sie selbst fange mit den Kollegen an, zu überlegen, wie sie den Kindern und Jugendlichen helfen kann. „Wichtig ist, dass sie zur Ruhe kommen dürfen und dann eine gewisse Struktur und einen Alltag bekommen“, sagt die Pädagogin. Auch aus schulpsychologischer Sicht müsse sich das Team erst einmal genau angucken, welcher Unterstützungsbedarf überhaupt besteht. „Wir haben durch die Geflüchteten aus Syrien Erfahrungen gesammelt. Doch die Situation jetzt und auch die Sprache sind eine völlig andere“, so Fleßner. „Wichtig ist, dass sich hier alle willkommen fühlen.“

Um den Schülern das Ankommen zu erleichtern, packt das Kollegium der Realschule Aurich Willkommenspäckchen. Denn die Kinder werden wohl kaum Blöcke, Stifte und Scheren mit auf die Flucht genommen haben. „Wir warten, dass die ersten Familien in Aurich ankommen und Schüler zu uns kommen können“, sagt Schulleiterin Kathrin Peters. Zehn der Willkommenspäckchen werden erst einmal vorbereitet, doch wie viele Schüler aus der Ukraine es werden, ist ungewiss. Zu den Vorbereitungen an der Realschule gehöre aber auch, dass sich schon russisch-sprachige Lehrer und ein Achtklässler, der Ukrainisch spricht, gemeldet haben, um als Dolmetscher zu fungieren. Fachkräfte für Deutsch als Fremdsprache sind ebenfalls darauf vorbereitet, sobald wie möglich mit dem Sprachunterricht zu beginnen. „Wichtig ist uns, dass die Geflüchteten einer Klasse zugeordnet werden, um in der Gemeinschaft anzukommen. Doch im Schwerpunkt bekommen sie Deutschunterricht“, sagt Peters.

Hardwig Kuiper als Erster Stadtrat Aurichs verweist als Schulträger in den Detailfragen genau wie seine Kollegin Silvia Ihnken von der Schulverwaltung der Gemeinde Ihlow auf den Landkreis. Dieser ist in Flüchtlingsangelegenheiten zuständig. Dort verweist Sprecher Nikolai Neumayer allerdings auf die Anmeldebögen und Infomaterialien, die in den Schulen zur Verfügung stehen. Besuchen sollen die Schüler die für sie nächstgelegene Einrichtung und werden von dort eventuell verbindlich weiterempfohlen. Bezüglich sprachlicher Barrieren solle zunächst ein Überblick gewonnen werden. In der Folge werde es in Zusammenarbeit mit den Kreisvolkshochschulen entsprechende Maßnahmen geben, so der Sprecher des Landkreises.

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