Aurich
Sorge vor Ausgrenzung: Russische Schüler Teil der Gemeinschaft
Die Sorge vor Ausgrenzung wächst: Schulen im Kreis Aurich gehen unterschiedlich mit den Auswirkungen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine um, denn dort treffen zwei Sichtweisen aufeinander.
Aurich - Eine Schülerin der IGS Aurich hat zuhause berichtet, dass russisch-stämmige Kinder wegen des Krieges in der Ukraine gemobbt würden und deshalb dem Unterricht fernbleiben. Was an dem Vorwurf dran ist, wollte die ON-Redaktion wissen und hat bei der Schulleitung nachgefragt. „Davon ist mir nichts bekannt“, sagt IGS-Leiterin Dr. Dorothee Göckel. Lachend merkt sie an, dass es viele Gründe habe, warum Schüler nicht zum Unterricht kommen würden. Sollte es einen solchen Fall von Mobbing an ihrer Schule geben, würde sie dagegen vorgehen. Doch im Gegenteil: Die Schüler würden versuchen sich zu engagieren. Gerade bereite der neunte Jahrgang eine Plakataktion vor. Auch Schulelternratsvorsitzende Sandra Klöpper hat weder durch ihren Sohn noch Gespräche mit anderen Eltern etwas über die Ausgrenzung von Schülern mit russischen Wurzeln gehört.
Erfreulich hat sich die Situation auch an der Realschule Aurich entwickelt. Schulleiterin Kathrin Peters berichtete von einem Mädchen mit russischem Ursprung, das sehr besorgt war, wie die Mitschüler wohl mit ihr umgehen würden. „Die Angst vor Ausgrenzung konnten wir ihr und allen anderen durch unseren frühen Aktionstag schnell nehmen“, sagt Peters. Dabei sei allen klar geworden, dass nicht die Russen die Aggressoren in der Ukraine sind, sondern allein Putin. Außerdem habe die Schule die Frage aufgeworfen, warum die Familien der russisch-stämmigen Kinder wohl vor Jahren nach Deutschland gekommen sind. „Durch die Diskussion ist ihnen der Zusammenhang mit der Grenzöffnung 1990 erst bewusst geworden“, so Peters. Der Krieg treibt die Schüler weiter um. In ihrer sechsten Klasse wurde die Schulleiterin nach atomaren Sprengköpfen und wann Deutschland auch betroffen sei gefragt. „Wir sind angehalten, uns mäßigend zu äußern“, sagt die Schulleiterin. Sie beschreibe dann, dass die Ukraine in Frieden unter ihren demokratischen Regeln leben möchte und dass Putin sein Volk klein halte.
Sensibler Umgang mit der Sichtweise auf den Konflikt
An der IGS in Ihlow werde der Konflikt zwischen russisch-stämmigen und anderen Schülern schon verbal ausgetragen, berichtet Schulleiter Günter Tautz. Die unterschiedlichen Sichtweisen auf den Konflikt würden sich dabei zeigen. „Die meisten sind schon lange hier und haben kaum einen Bezug zur Heimat ihrer Familien“, sagt Tautz. Dennoch sei die Identifikation sehr hoch. Direktes Mobbing unter den Schülern habe er aber nicht wahrgenommen. Die Befürchtung könne er jedoch nachvollziehen. In ein oder zwei Fällen hätten sich Schüler mit russischen Wurzeln geweigert, an der Friedensveranstaltung der IGS teilzunehmen.
Silvia Fleßner als Leiterin der KGS Großefehn ist es wichtig, sensibel mit dem Thema umzugehen. In der Schule werde eine klare Haltung zum Frieden bezogen. Doch was die Schüler, gerade mit russischen Wurzeln, zuhause hören, weiß sie natürlich nicht. Von Ausgrenzung habe sie jedoch bisher nichts gehört. „Wir sprechen nicht vom Krieg der Russen, sondern von Putins Krieg“, mache da schon einen Unterschied.