Aurich/Hinte
Widerstand gegen Kita-Pläne des Kreises
Der Landkreis Aurich will die Kindertagesstätten übernehmen. Dagegen regt sich nun Widerstand in den Einrichtungen.
Aurich/Hinte - Der Landkreis Aurich will alle Kindertagesstätten im Kreisgebiet übernehmen. Ein Plan, der auf viel Widerstand stößt. In der Gemeinde Hinte wollen die vier gemeindeeigenen Kitas nun die Eltern mobilisieren. Es werden Unterschriften gesammelt, um den Plan von Erstem Kreisrat Dr. Frank Puchert zu stoppen. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung der Kitas hervor.
Bislang seien keinerlei Konzepte über die Zukunft der Kitas oder konkrete Überlegungen des Landkreises Aurich bekannt gegeben worden, heißt es in der Erklärung. Es sei nur aus Zeitungsartikeln zu entnehmen, dass der Landkreis für alle Kitas gleiche Standards einführen wolle. „Für uns als Kindertagesstätten der Gemeinde Hinte steht fest, dass die hohe Qualität unserer Einrichtungen durch ein einheitliches Betreuungsangebot durch den Landkreis so nicht mehr zur Verfügung stehen wird.“ Zusätzliche Angebote, die die Gemeinde Hinte den Eltern und Familien anbiete, würden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dann nicht mehr existieren.
Beschäftigte: „Die Betreuungsqualität wird sinken“
Eine lange Liste haben die Beschäftigten der vier Kitas zusammengestellt mit Dingen, die es unter der Ägide des Landkreises wahrscheinlich nicht mehr geben würde. Dazu gehöre das kostenlose Angebot bei Windeln und Feuchttüchern, kein kostenloses Frühstück und wesentlich höhere Preise bei der Mittagsverpflegung. Vertretungspersonal würde aus einem Springerpool des Kreises kommen. Dadurch werde der Aufbau von Beziehungen zu den Kindern schwieriger. Durch die hohe Anzahl der Kitas, die dem Landkreis Aurich unterstellt wären, sei es zudem nicht mehr möglich, einen persönlichen, individuellen Kontakt zum Entscheidungsträger zu pflegen. „Die Zukunft wird anonym, unpersönlich und die Betreuungsqualität sinkt.“
All dies sei für die Mitarbeiter der Kitas ein unhaltbarer Zustand, den man so nicht hinnehmen werde. Deshalb haben sie begonnen, bei den Eltern Unterschriften zu sammeln. So soll der Kreisverwaltung gezeigt werden, dass man mit den Übernahme-Plänen nicht einverstanden sei.
Ihlower Politik hat sich gegen Kreis-Pläne ausgesprochen
Am 21. Februar hatte Landrat Olaf Meinen im Kreisfinanzausschuss verkündet, dass der Kreis seine originäre Aufgabe wieder wahrnehmen und die Kitas übernehmen werde. Kurz zuvor hatte es eine Art Krisengipfel mit Vertretern der Kreisspitze und sechs Bürgermeistern gegeben, die sich in den vergangenen Tagen und Wochen mehrfach öffentlich über die steigenden Millionenkosten beschwert und Hilfe vom Kreis gefordert hatten.
Die Hinteraner Beschäftigten sehen „ein befremdliches, taktisches Spiel zwischen den politischen Entscheidungsträgern auf Kosten der Kinder, der Familien und den Fachkräften“. Durch die hohe Anzahl der Kitas, die dem Landkreis Aurich unterstellt wären, sei es nicht mehr möglich, einen nahen persönlichen und individuellen Kontakt zum Entscheidungsträger zu pflegen. Die Entscheidungsmacht für zum Beispiel Konzepte, Investitionen oder Baumaßnahmen würde einzig dem Landkreis Aurich obliegen. „Die Zukunft wird anonym, unpersönlich und die Betreuungsqualität wird sinken“, sagen die Fachkräfte in Hinte. Die Kinder würden die Verlierer in diesem Spiel um Macht und Geld sein.
Aus diesem Grund haben die Kitas in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Elternräten eine Unterschriftenaktion (analog in den Kitas und digital als Onlinepetition) ins Leben gerufen, um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen. Es werden laut Mitteilung zusammen mit den Elternräten weitere Aktionen geplant. In der Gemeinde Ihlow war der Plan des Landkreises Aurich bereits Thema in der Politik. Diese hat sich gegen die Übernahmepläne ausgesprochen.