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Steigende Spritpreise: Für wen sich jetzt ein Umstieg auf die Bahn lohnt

Yannick Kitzinger
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Von Yannick Kitzinger
| 14.03.2022 11:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Häufig lohnt sich der Umstieg auf die Bahn - aber nicht für jeden. Foto: imago images/Future Image
Häufig lohnt sich der Umstieg auf die Bahn - aber nicht für jeden. Foto: imago images/Future Image
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Die Spritkosten steigen immer weiter und für eine Tankfüllung bezahlt man mittlerweile weit mehr als 100 Euro. Ab wann lohnt es sich, das Auto stehen zu lassen und stattdessen die Bahn zu nehmen? Ein Kostenvergleich für junge Menschen, Pendler und Familien.

Wer sein Auto nicht zwingend braucht, sollte es dieser Tage besser stehen lassen. Denn unter dem Druck des Krieges in der Ukraine kosten Diesel und Benzin zum ersten Mal in Deutschland mehr als zwei Euro pro Liter. Was also tun, wenn man längere Strecken zurücklegen muss? Wer normalerweise das Auto nimmt, ist vielleicht besser beraten, auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. Vor allem bei weiten Strecken kann die Bahn zur günstigeren Alternativen werden. Allerdings nicht für jeden.

Beim Blick auf die Preistafeln an der Tankstelle zeigt sich momentan überall im Land das gleiche Bild: An einer Marken-Tankstelle in der Hamburger Innenstadt zahlen Autofahrer am Sonntagmittag 2,31 Euro für den Liter Superbenzin. Diesel ist sogar einige Cents teurer. Als Haupttreiber sehen Experten die weiter steigenden Ölpreise, die durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine auf Mehrjahres-Höchstständen notierten.

Vor allem Langstreckenpendler oder Familien, die in den Osterferien mit dem Auto in den Urlaub fahren wollen, müssen dafür nun deutlich tiefer in die Tasche greifen. Wer etwa seinen Golf 4 einmal volltanken will, bezahlt dafür mittlerweile knapp 130 Euro. Im Dezember 2021, als der durchschnittliche Preis für Super noch bei 1,65 Euro lag, waren es rund 40 Euro weniger.

Bei vergleichsweise kurzen Strecken lohnt sich das Zugticket als günstige Alternative zum Auto noch nicht. Eine einfache Fahrt, zweite Klasse, ohne Bahncard im Regionalverkehr zwischen Kiel und Neumünster kostet zum Beispiel 9,10 Euro. Für Hin- und Rückfahrt zahlt man also 18,20 Euro.

Selbst bei den aktuellen Spritpreisen ist eine Autofahrt hingegen nur halb so teuer. Für die gut 34,5 Kilometer lange Strecke zwischen den beiden Städten zahlen Autofahrer rund 5,60 Euro Spritkosten. Also nur etwas mehr als 11 Euro für Hin- und Rückfahrt. (Bei einem Durchschnittsverbrauch von 7 Litern pro Kilometer).

Je weiter die Reise allerdings geht, desto mehr rückt die Bahn als günstigere Ausweichmöglichkeit in den Fokus. Wer etwa aus dem Norden nach Bayern in den Osterurlaub fährt, verbraucht mit dem Auto dabei Sprit im Wert von rund 130 Euro Sprit für die knapp 800 Kilometer lange Strecke zwischen Hamburg und München.

Deutlich günstiger ist dazu im Vergleich die Bahnfahrt. Allerdings nur dann, wenn man früh genug bucht. 17,90 kostet etwa ein Ticket für den ICE zwischen Hamburg und München am 20. April (Stand: 10. März). Für die Strecke zwischen Osnabrück und Berlin sind es am gleichen Tag ebenfalls nur 14,90 (Spritpreis: rund 70 Euro).

Wer unter 27 Jahre alt ist, kann sogar noch günstiger Bahn fahren. Möglich macht das der „Sparpreis Young“. Damit kostet ein ICE- oder IC/EC-Ticket für die einfache Fahrt je nach Verfügbarkeit ab 12,90 Euro in der 2. Klasse. Und unabhängig von Zeit und Geld ist auch aus Sicht des Klimaschutzes das Reisen auf langen Strecken mit der Bahn natürlich grundsätzlich sinnvoller.

Doch zwei große Nachteile gibt es bei der Bahnfahrt. Denn nur wer alleine oder höchstens zu zweit reist und zudem noch einiges an Flexibilität aufgibt, profitiert von den günstigen Bahnpreisen. Denn die gerade aufgelisteten Bahn-Kosten sind die Preise für Tickets der Kategorie „Super Sparpreis“. Das heißt, die Tickets gelten nur für den ausgewählten Zug (Zugbindung) und sind vom Umtausch ausgeschlossen. Für den sogenannten „Flexpreis“ zahlt man statt 17,90 Euro auf der Strecke Hamburg - München nämlich satte 143,60 Euro - und somit sogar etwas mehr als derzeit für den verbrauchten Sprit. Dafür kann man am Reisetag seinen Zug frei wählen und auch kostenfrei stornieren.

Für eine vierköpfige Familie kann das aber schnell sehr teuer werden, wie ein User bei Twitter zeigt. Und auch wer mit mehreren Leuten im Pkw unterwegs ist und sich die Spritkosten aufteilt, zählt für das Zugticket im Vergleich deutlich mehr.

Langfristig könnten die steigenden Energiepreise aber sogar dafür sorgen, dass nicht nur die Fahrt im eigenen Auto, sondern auch Bus und Bahn teurer werden. „Die Verkehrsunternehmen in Deutschland blicken mit Sorge auf die steigenden Kraftstoff- und Strompreise“, sagte Oliver Wolff, der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, gegenüber der Deutschen Presseagentur. Sie müssten erhebliche Mehrkosten schultern. „Wir haben inzwischen ein Preisniveau erreicht, das auch sorgfältigste Kalkulationen zur Makulatur macht.“

Kurzfristig seien höhere Fahrpreise aber nicht in Sicht: Viele Verkehrsverbünde planen ihre Tarifanpassungen in der Regel erst zum Jahreswechsel.

(Mit Material der dpa)

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