Aurich

Auricher Chirurg reist zur ukrainischen Grenze

 | 11.03.2022 19:39 Uhr  | 0 Kommentare  | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mit einem vollausgestatteten Notarztwagen fahren die Brüder Detlef (links) und Jochen Wessels in der kommenden Woche an die polnisch-ukrainische Grenze. Foto: Franziska Otto
Mit einem vollausgestatteten Notarztwagen fahren die Brüder Detlef (links) und Jochen Wessels in der kommenden Woche an die polnisch-ukrainische Grenze. Foto: Franziska Otto
Artikel teilen:

Mit einem vollausgestatteten Notarztwagen wollen die Brüder Jochen und Detlef Wessels zur polnisch-ukrainischen Grenze fahren. Denn medizinische Hilfe wird dort dringend gebraucht.

Aurich - Menschen in der schlimmsten Zeit ihres Lebens helfen – das wollen Dr. Dr. Jochen Wessels und sein Bruder Detlef Wessels. Die beiden wollen sich in der kommenden Woche dem Ihlower Hilfskonvoi von Hendrik de Vries anschließen, der Spenden an die polnisch-ukrainische Grenze bringt. Dafür kauften sich Jochen und Detlef Wessels extra einen gebrauchten Notarztwagen – denn medizinische Hilfe brauchen die Menschen gerade dringend.

Die Idee kam Jochen Wessels in der vergangenen Woche. Der russische Angriff auf die Ukraine habe ihn und seinen Bruder schockiert, sagt der Chirurg. Die gewaltige Hilfsbereitschaft der Menschen hingegen habe ihn inspiriert. Er will seinen Beitrag leisten – jedoch ist das gar nicht so einfach. Hinsichtlich Spenden sei kaum bekannt, was die Geflüchteten an der polnisch-ukrainischen Grenze nun dringend benötigen, sagt Jochen Wessels. Medizinische Hilfe hingegen werde immer gebraucht. Und die könne er liefern.

Eine Zwischenstation auf der Flucht

Viele Menschen in der Ukraine hätten überstürzt aufbrechen müssen, sagt Jochen Wessels. Wichtige Medikamente würden dabei manchmal vergessen oder gingen im Laufe der Reise zur Neige. Und in Zeiten des Krieges sei es nicht immer möglich, sich aus Apotheken Nachschub zu besorgen. Deswegen will er unter anderem Herzmedikamente, Schmerztabletten und Asthmainhalatoren an die Grenze bringen. Der Notarztwagen soll für die Geflüchteten als eine Art Transitstation dienen, wo sie Kräfte tanken können, um ihren weiteren Weg zu bestreiten.

Jochen Wessels (links) und Detlef Wessels stehen im Notarztwagen. Der Innenraum kann in Notsituationen als OP-Saal dienen. Foto: Franziska Otto
Jochen Wessels (links) und Detlef Wessels stehen im Notarztwagen. Der Innenraum kann in Notsituationen als OP-Saal dienen. Foto: Franziska Otto

Der Notarztwagen ist komplett ausgestattet. Im Notfall könne man ihn als kleinen Operationssaal benutzen, sagt Detlef Wessels. Gerade auf der Flucht könne es schnell zu Verletzungen wie Schnittwunden kommen. Im Notarztwagen könne man die Wunden dann behandeln. An den Grenzen gebe es dafür kaum Krankenhäuser. In einer Notsituation könne man ebenfalls den Krankentransport zum nächstgelegenen Hospital übernehmen.

Aktion ist abhängig von Spenden

Den vollausgestatteten Notarztwagen habe man unkompliziert beim Autohaus Cassens in Aurich kaufen können, sagt Detlef Wessels. Über die Kontakte des Inhabers Rudi Cassens habe man den Wagen bei Hospimobil Ambulance in Aurich warten lassen. Unterstützung bekommen die Brüder auch vom Hilfswerk der Zeitungsgruppe Ostfriesland „Ein Herz für Ostfriesland“, zu denen auch die Ostfriesischen Nachrichten gehören. Mit den gespendeten 5000 Euro werden unter anderem Medikamente und Verbandsmaterial beschafft.

Trotz der bereits enormen Hilfsbereitschaft werden weitere Spenden benötigt. Und dabei könne jeder helfen, sagt Jochen Wessels. Viele Menschen hätten zum Beispiel im Auto einen abgelaufenen Verbandskasten. Das Material darin sei noch gut. Auch Medikamente wie Schmerztabletten hätten viele Menschen noch zu Hause. Sowohl Verbände als auch Tabletten könne man in der Praxis von Jochen Wessels am Auricher Marktplatz abgeben.

Am kommenden Donnerstag soll die Fahrt gemeinsam mit dem Hilfskonvoi losgehen. Acht bis zehn Tage, so der Plan, wollen die Brüder an der Grenze bleiben und helfen, wo sie können. In zwei bis drei Wochen wollen sie je nach Situation wieder zur Grenze fahren. Er habe bereits Kollegen angesprochen, ob sie ebenfalls helfen könnten, sagt Jochen Wessels. Er hoffe, dass andere von seiner Aktion erfahren und es ihm gleichtun wollen. Es gebe auch schon positive Rückmeldungen. In Zukunft könnten also auch noch andere Ärzte mit dem Notarztwagen Menschen in Not helfen.