Ihlow
Neues Kinderschutzkonzept für Ihlower Kitas
Die Kitas in der Gemeinde Ihlow haben ein neues Konzept zum Schutz der Kinder vor körperlicher oder seelischer Gewalt entwickelt. Auf einige Punkte achten die Erzieher dabei ganz besonders.
Ihlow - Um Kinder bestmöglich vor seelischer oder körperlicher Gewalt zu schützen, haben die Kitas in Ihlow ein neues Konzept entwickelt. Dieses wurde am Mittwoch im Sozialausschuss der Gemeinde vorgestellt. Wie Melanie Wiegmann, Leiterin der Kita „Meerhuske“ in Ihlowerfehn, erklärte, geht es dabei unter anderem um ein gesundes Verhältnis zwischen Nähe und Distanz. Körperkontakte dürfen nicht erzwungen werden. Außerdem entscheiden die Kinder selbst, wer sie anziehen oder wickeln soll. Für alle denkbaren Situationen gibt es feste Regeln zum Schutz der Kinder. Diese müssen die Mitarbeiter auch unterzeichnen.
Zum Kinderschutzkonzept gehört auch eine Verhaltensampel. „Dabei haben wir uns aber bewusst gegen die Farbe gelb entschieden“, erläutert Wiegmann. Es gebe nur pädagogisch sinnvolles Verhalten (grün) sowie nicht erwünschtes Verhalten (rot). Letzteres ziehe gegebenenfalls auch Konsequenzen nach sich. Wichtig war den Kita-Leitungen bei der Erstellung des Konzepts auch, die Kinder mitbestimmen zu lassen. Aber auch die Eltern sollen mit einbezogen werden. Grenzen hat die Mitbestimmung aber, wenn das Kindeswohl in Gefahr ist. „Ein Kind darf zum Beispiel nicht selbst entscheiden, einfach über die Straße zu laufen“, nannte Wiegmann ein Beispiel.
Genaue Handlungsabläufe bei Verdachtsfällen
Bei der Erstellung des Konzepts wurden dabei alle möglichen Fälle von Kindeswohlgefährdung bedacht. „Wir sind dabei immer vom Schlimmsten ausgegangen“, berichtet Petra Saathoff, Leiterin der Kita „Zwergennest“ in Riepe. Die Erzieher behalten zum Beispiel im Blick, wie gut die Grundversorgung des Kindes ist. „Wie gesund ist das Kind? Hat es einen geregelten Alltag?“, lauten einige der Fragen, die sich die Kita-Mitarbeiter stellen. Bei physischen Verletzungen wie blauen Flecken schauen die Erzieher genauer hin. Wichtig ist den Kitas aber auch die seelische Unversehrtheit. Deshalb achten sie auch auf Auffälligkeiten beim Verhalten der Kinder. Schließlich kann auch der Entwicklungsstand Aufschlüsse auf das Befinden des Kindes geben. Jede Kita hat zudem ihr eigenes sexualpädagogisches Konzept. Generell ist es den Kita-Leitungen aber wichtig, dass das Thema nicht tabuisiert wird.
Sollte es zu Beschwerden kommen, gibt es dafür einen genauen Ablaufplan. Dabei ist es egal, ob sich ein Kind, ein Mitarbeiter oder die Eltern beschweren. Auch für konkrete Verdachtsfälle gibt es Notfallpläne mit bestimmten Handlungsabläufen. Diese sollen für jeden transparent sein. Geregelt ist auch die Rehabilitation nach einem Verdachtsfall – auch wenn sich dieser nicht bestätigt hat. Dann muss erst wieder eine Vertrauensbasis aufgebaut werden, erklärt Petra Saathoff. Alles in einem soll das Kinderschutzkonzept dafür sorgen, dass sich Kinder, Kita-Mitarbeiter sowie Eltern sicher fühlen können.