Marina di Carrara
Italienische Behörden nehmen Luxusyacht unter die Lupe - gehört sie Putin selbst?
Um die 640 Millionen Dollar teure „Scheherazade“ ranken sich wilde Gerüchte. Italienische Behörden versuchen, den mysteriösen Besitzer der im Hafen von Marina di Carrara angelegten Yacht ausfindig zu machen. Einheimische vermuten: Sie gehört Putin selbst.
In Marina di Carrara, einer kleinen italienischen Stadt an der toskanischen Küste, wird zur Zeit eine der größten und teuersten Superyachten der Welt von der italienischen Polizei unter die Lupe genommen. Ihr Name: „Scheherazade“. Ihr mutmaßlicher Besitzer: Wladimir Putin. Vor dem Hintergrund der jüngsten Sanktionen des Westens gegen Russland wollen die Behörden dem Mysterium der Yacht nun auf den Grund gehen.
Mit fast 140 Metern ist die „Scheherazade“ fast so lang wie ein US-Lenkflugkörper-Zerstörer. Ob sie wirklich dem Kreml-Chef gehört, ist nicht klar. Doch das Gerücht hält sich bei den Einheimischen hartnäckig. „Jeder nennt sie ‘Putins Yacht’, aber niemand weiß, wem sie gehört“, sagt Ernesto Rossi aus Marina di Carrara der „New York Times“. „Das ist ein Gerücht, das seit Monaten im Umlauf ist.“
Die EU hatte vor dem Hintergrund des russischen Angriffes auf die Ukraine Sanktionsmaßnahmen gegen russische Oligarchen und Präsident Putin selbst beschlossen. Sollte der Besitzer der Yacht auf der Sanktionslisten stehen, droht die Beschlagnahme.
Der Kapitän des Schiffes, Guy Bennett-Pearce, ein Brite, bestreitet gegenüber der „NYT“ jedoch, dass Putin die Yacht jemals besessen habe oder auch nur auf ihr gewesen sei. „Ich habe ihn nie gesehen. Ich habe ihn nie getroffen“, so Bennett-Pearce. Er betont zudem, dass ihr Eigner auf keiner Sanktionsliste stehe.
Mehr dürfte der Brite allerdings nicht preisgeben, schreibt die US-Zeitung. Der Kapitän habe nach eigenen Angaben eine „wasserdichte Geheimhaltungsvereinbarung“ unterzeichnet, bevor er an Bord der „Scheherazade“ arbeiten konnte. Bennett-Pearce schloss jedoch nicht aus, dass es sich bei der Person um einen Russen handeln könnte, lehnte es jedoch ab, mehr über die Identität des Eigentümers zu sagen.
Italienische Ermittler seien bereits in der vergangenen Woche an Bord gekommen, und hätten und einige der Zertifizierungsdokumente des Schiffes untersucht, so der Kapitän. „Sie suchen intensiv. Sie betrachten jeden Aspekt“, berichtet er. „Da kamen nicht die Polizisten hier aus der Gegend - das waren Männer in dunklen Anzügen.“
Putin gilt als Liebhaber großer Yachten. Immer wieder lässt er sich auf Schiffen von den nördlichen Ausläufern Russlands bis zum Schwarzen Meer im Süden fotografiert. Im vergangenen Mai unternahm er gemeinsam mit Alexander Lukaschenko, dem Präsidenten von Belarus, eine Fahrt auf einer Yacht vor Sotschi am Schwarzen Meer.
Unter den größten Superyachten - laut Times gibt es weltweit lediglich 14, die mindestens 140 Meter lang sind - ist die „Scheherazade“ die einzige, deren Besitzer bislang nicht identifiziert wurde.
Einige Einheimische wollen gehört haben, wie Leute an Bord Russisch gesprochen haben, berichtet das US-Blatt. „Scheherazade“ ist zudem auch der Titel eines Werks des russischen Komponisten Nikolai Rimsky-Korsakov. Im Italienischen sei der Begriff „Putins Yacht“ zur Abkürzung für ein mysteriöses und ultra-luxuriöses Schiff geworden.
Der Erbauer der Scheherazade, die Lürssen Werft mit Hauptsitz im Bremer Stadtteil Vegesack wollte sich gegenüber der Times nicht zum derzeitigen Eigentümer äußern.