Aurich/Hannover

Blücher-Kaserne wird im Mai verkauft

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 09.03.2022 18:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch im großen Gebäude am Tor der Kaserne wurden 2015 Flüchtlinge untergebracht. Foto: Romuald Banik
Auch im großen Gebäude am Tor der Kaserne wurden 2015 Flüchtlinge untergebracht. Foto: Romuald Banik
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Im Mai werden die Kaufverträge für die ehemalige Blücherkaserne unterschrieben. Hunderte Wohnungen sollen dort entstehen. Vorher kommt allerdings auch eine andere Nutzung in Frage.

Aurich/Hannover - Wieder als Flüchtlingsunterkunft könnte demnächst die ehemalige Auricher Blücherkaserne dienen. Das gilt selbst dann, wenn demnächst das Gelände an einen Investor verkauft wird. Das teilt Thorsten Grützner, Sprecher der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), auf ON-Anfrage mit. Seit die Bundeswehr Aurich 2014 verlassen hat, ist die Bima für die Kaserne zuständig.

Im Mai dieses Jahres sollen die Kaufverträge mit einem Investor sowie mit der Stadt Aurich laut Grützner unterzeichnet werden. Der potenzielle private Käufer schließe nicht aus, einen Vertrag zu schließen, um das Objekt für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen.

Kaserne wurde dem Land als Notunterkunft gemeldet

Ein solcher Vertrag müsste dann mit dem Land Niedersachsen als Bedarfsträger geschlossen werden. Seit Mittwoch werden in Niedersachsen alle Ukrainer zentral am Messebahnhof Laatzen registriert und danach auf die Kommunen verteilt. Der Landkreis Aurich hat daher dem Land alle zur Verfügung stehenden Unterkünfte mitgeteilt. Dazu gehört auch die ehemalige Blücherkaserne, wie Kreissprecher Rainer Müller-Gummels auf ON-Anfrage bestätigt.

Die Kreisverwaltung hat eine Bestandsaufnahme aller in Frage kommenden Unterkünfte gemacht. Dabei wurden auch alle Immobilien begutachtet, die bei der Flüchtlingskrise 2015 genutzt worden sind – wie die Blücherkaserne. Wegen der Kapazitäten in der Kaserne – 2015 hätten dort bis zu 1000 Menschen unterkommen können – sei man in Gespräch mit allen verantwortlichen Personen.

Appell: Erst nach Laatzen, dann nach Aurich

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es keine so schnell ansteigende Flüchtlingswelle mehr gegeben. Über zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht aus der Ukraine. Vorwiegend nach Polen komme sie, werden dort auch von privaten Hilfskonvois abgeholt. Solche Konvois starteten in den vergangenen Tagen auch im Landkreis Aurich. Hilfsgüter wurden in Richtung Polen und Ukraine gebracht, Flüchtlinge wurden mit zurückgenommen. Seit Mittwoch fungiert der Messebahnhof Laatzen nun in Niedersachsen als Drehkreuz für Flüchtlinge aus der Ukraine. Dort sollen laut einer Mitteilung des Landkreises Aurich in einem ersten Schritt ankommende Zugreisende, aber auch Personen, die über privat organisierte Hilfskonvois nach Deutschland einreisen, erfasst werden.

Direkt in den Landkreis Aurich reisen können nur Ukrainer, die hier eine private Unterkunft haben. Sind sie auf eine Unterbringung durch die Kommunen angewiesen, müssen sie erst nach Laatzen. Die Kreisverwaltung appelliert daher an alle freiwilligen Hilfskonvois, die Personen in das Auricher Kreisgebiet bringen wollen, zuerst Laatzen anzufahren. Nur so könne eine organisierte und schnelle Aufnahme erfolgen. Die Adresse laute Münchener Straße 2, 30880 Laatzen.

Lage ändert sich täglich

Von dort aus werden die Flüchtlinge dann den Städten und Kreisen zugewiesen. Diese haben, wie der Landkreis Aurich, mögliche Unterkünfte gemeldet. Darunter ist auch die ehemalige Blücherkaserne in Aurich. Diese war schon 2015 zur Unterkunft umgerüstet worden und hätte bis zu 1000 Menschen Platz bieten können. Das könnte wieder geschehen. Denn Stadt und Landkreis Aurich diskutieren diese Option bereits seit Tagen.

Auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Eigentümerin sowie der Investor, der das Gelände kaufen möchte, sind eingebunden. Nur das Land dementiert, dass die Nutzung der Kaserne im Raum steht.

„Das Land Niedersachsen plant derzeit keine Nutzung der Blücherkaserne“, sagt Svenja Mischel, Sprecherin des niedersächsischen Innenministeriums, auf ON-Anfrage am Dienstag. Eine Aussage, die angesichts des anschwellenden Flüchtlingsstroms schon in wenigen Tagen obsolet werden könnte.

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