Norden
Kreis Aurich nennt Details zu Kita-Übernahme
Der Kreis Aurich will die Kitas ab 2023 übernehmen. Damit konkretisierte die Verwaltung ihre Übernahmepläne. Die Stadt Norden hofft auf einen anderen Weg und will dringend mit dem Landrat sprechen.
Norden/Aurich - Der Landkreis Aurich hat vor, die Kitas im Kreisgebiet ab dem kommenden Jahr zu übernehmen. Das teilte Kreissprecher Rainer Müller-Gummels auf Anfrage mit. Demnach sei eine Übernahme im Jahr 2023 realistisch. Dieser mehrmonatige Zeitraum gewährleiste, dass Landkreis und Kommunen ausreichend Zeit bleibt, die notwendigen Fragen gemeinschaftlich zu klären. Die Stadt Norden hofft auf einen anderen Weg und will darüber mit Landrat Olaf Meinen noch vor dem 15. März sprechen.
Bis zu diesem Tag haben die Bürgermeister der Städte und Gemeinden im Kreis Zeit, einen Fragenkatalog zum Kita- Personal, Gebäudebestand, Neu- und Ausbauplänen, pädagogischen Konzepten und Finanzsituation für den Landkreis zu beantworten. Wie berichtet, hatten die Bürgermeister vom Landkreis wegen stetig steigender Kosten eine größere finanzielle Hilfe vom Kreis für die Kitas gefordert. Der hatte daraufhin angekündigt, die Kitas wieder selbst übernehmen zu wollen.
Für Kita „Hooge Riege“ geht es um die Zukunft
Mitten rein in diese Gemengelage kommen in Norden die Pläne zum Aus- und Umbau der Kita Hooge Riege. Für die geht es mit dem Aus- und Umbau um nichts weniger als die Zukunft. Die einzige städtische Ganztagskita in Norden ist nicht nur in die Jahre gekommen, sie genügt nicht mehr den Anforderungen in der modernen Kinderbetreuung. So ist zum Beispiel der Bewegungsraum abgängig, der Sanitärbereich zu klein, die Krippe ist nicht barrierefrei erreichbar, die Außenwand im Keller ist nass und defekt. Es fehlen Gesprächsräume, Platz für Garderoben und eine Mensa, die an die Gruppengrößen angepasst ist. Räume werden derzeit nacheinander genutzt – deshalb ist ein Ganztagsbetrieb für die Krippe nicht möglich. Der Norder Rat hat die Aus- und Umbaupläne in seiner jüngsten Sitzung durchgewunken. Ob diese angesichts der angekündigten Übernahme aber umgesetzt werden, ist offen.
Die Stadt Norden möchte nach Aussagen des Ersten Stadtrates Marcus Aukskel weiterhin selbst die Verantwortung für die Kitas in der Stadt tragen. Anders als etwa der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann, geht Aukskel davon aus, dass bei der Kita-Frage noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. „Ich gehe davon aus, dass, wenn die Emotionen etwas abgeflacht sind, man neu und vernünftig über die Sache spricht“, sagte Aukskel auf Nachfrage. Er kündigte an, noch vor Ablauf der Frist mit einem Gesprächswunsch auf die Kreisspitze zugehen zu wollen.
Nächstes Gespräch für Mitte März geplant
Ob es dieses Gespräch geben wird, ist offen. Denn vonseiten des Landkreises ist das nächste Gespräch zwischen Kreis und Gemeinden zur Kita-Übernahme im Rahmen der Sitzung der Hauptverwaltungsbeamten Mitte März geplant.
Aus Sicht des Landkreises steht die Übernahme der Kitas den Ausbauplänen nicht automatisch im Weg. Der Kreis Aurich sehe auch in der Übergangsphase die Notwendigkeit, den Ausbau von Betreuungsplätzen voranzutreiben, heißt es auf Anfrage. Die Verwaltung geht deshalb davon aus, dass die Kommunen den Ausbau weiter verfolgen. Auch gehe der Landkreis davon aus, dass die Städte und Gemeinden in der Übergangsphase weiterhin notwendige Instandhaltungs- und Sanierungsarbeiten an Kita-Gebäuden durchführen. Davon, wer die Kosten dafür trägt, ist allerdings keine Rede in der Antwort des Kreises. Auch nach der vollständigen Übernahme der Zuständigkeit für die Kitas werde der kreisweite Ausbau von Betreuungsplätzen – dann direkt durch den Landkreis Aurich – nach den Maßgaben der jährlich fortgeschriebenen Bedarfsplanung für Kindertagesbetreuung vorangetrieben, teilte Müller-Gummels mit.
Kita-Leitungen werden in Prozess nicht mit eingebunden
Fraglich, ob da noch viel Spielraum für die Gespräche der Bürgermeister mit der Kreisverwaltung bleibt. Diese sind aber laut Kreisverwaltung weiterhin wichtig. Laut Müller-Gummels will der Kreis, sobald die Fragebögen der Kommunen vorliegen, diese Daten kurzfristig auswerten. Auf dieser Grundlage werde der Landkreis dann ein Gesamtkonzept zur Kita-Übernahme vorstellen. Bereits jetzt werde an Fachfragen und Ideen für Konzepte zur Einbindung in sozialräumliche Prävention, Stärkung der Kindertagesstätten als Teil früher Hilfen für Familien, Stärkung der Rolle der Kindertagesstätten als vorschulische Bildungsinstanz und der pädagogischen Qualitätsentwicklung gearbeitet.
Klar ist aber laut Kreisverwaltung auch: Die Kitas selbst, ihre Leitungen, das Personal, die Eltern werden in den Prozess nicht mit eingebunden sein. Müller-Gummels teilte dazu mit: Verhandlungspartner für den Landkreis Aurich sind die Bürgermeister als Verwaltungsleitung der Städte und Gemeinden. Ein Gesprächsfaden in Richtung Kita-Leitungen als abhängig Beschäftige ihrer jeweiligen Kommune könnte nicht ohne das ausdrückliche Einverständnis der Bürgermeister erfolgen.