Osnabrück
Mutmaßliche IS-Terroristin aus Osnabrück in Aussteigerprogramm
Hat eine Osnabrückerin, die 2014 samt kleiner Tochter zur Terrororganisation IS reiste, dem Islamismus abgeschworen? Mittwoch beginnt der Prozess gegen Romiena S.. Sie nimmt mittlerweile an einem Aussteigerprogramm teil.
Romiena S. muss sehr vom Wahnsinn des selbsternannten Islamischen Staates überzeugt gewesen sein. 2014 reiste die Osnabrückerin gemeinsam mit ihrer damals vier Jahre alten Tochter ins IS-Gebiet. Hier soll sie mit dem Kind einer Steinigung beigewohnt und eine jesidische Sklavin überwacht haben. Das wirft ihr zumindest die Generalbundesanwaltschaft vor.
Mittlerweile, so heißt es aus Sicherheitskreisen, soll S. den Irrlehren der Islamisten abgeschworen haben. Im Oktober 2021 wurde sie gemeinsam mit anderen IS-Rückkehrerinnen am Flughafen Frankfurt verhaftet, ihre mittlerweile drei Kinder wurden ihr weggenommen. Mittwoch beginnt der Prozess vor dem Oberlandesgericht Celle.
S.s Anwalt Johannes Pausch teilte unserer Redaktion auf Anfrage mit, seine Mandantin nehme an einem Aussteigerprogramm für Islamisten teil. Dieses bieten die Sicherheitsbehörden in Niedersachsen an.
Verfassungsschutz und Landeskriminalamt erklärten auf Nachfrage, das Aussteigerprogramm Neustart betreute derzeit vier Personen mit „Rückkehrerkontext“, wie es heißt. „Ziel der Betreuung ist zum ersten ihre Loslösung von islamistischer Ideologie und Szene und zum zweiten die Schaffung eines stabilen nicht-extremistischen sozialen Umfeldes.“ Zwei solcher Betreuungen seien in der Vergangenheit bereits erfolgreich abgeschlossen worden.
Ansonsten tun sich Verfassungsschutz und LKA mit konkreten Zahlen zu IS-Rückkehrern schwer. Aus Hannover heißt es, den Sicherheitsbehörden lägen „Erkenntnisse zu einer Personenanzahl im hohen zweistelligen Bereich vor“, die von Niedersachsen aus ins IS-Gebiet gereist sein sollen. „Eine mittlere zweistellige Anzahl von Personen ist bisher zurückgekehrt“, eine niedrige zweistellige Zahl an IS-Anhängern soll im Krisen- und Kriegsgebiet ums Leben gekommen sein.
Die allermeisten der Rückkehrer sind nach Angaben der Sicherheitsbehörden auf freiem Fuß: Rund 90 Prozent befänden sich außerhalb von Haftanstalten, so die Rückmeldung aus Hannover. Eine niedrige zweistellige Zahl falle in die Kategorie der sogenannten islamistischen Gefährder. Ihnen trauen die Behörden Anschläge zu.
Eine einstellige Anzahl an Personen mit letztem Wohnsitz in Niedersachsen soll sich derweil noch in Gefängnissen oder Flüchtlingslagern in der Türkei oder Syrien aufhalten. Aus einem ebensolchen waren auch Romiena S. und ihre Kinder von der Bundesregierung ausgeflogen worden.
Die Familie blieb bis zuletzt an der Seite der Terrororganisation und geriet dann in Gefangenschaft. S. erwarten nun mehrere Jahre Gefängnis in Deutschland.