Hamburg
Oligarchen und ihre Yachten: Was ist eigentlich eine Superyacht?
Luxusyachten sind das ultimative Spielzeug für Reiche. Mehrere Millionen Euro kostet ihr Unterhalt im Jahr. Aber nur wenige der Superyachten gehören tatsächlich russischen Eignern.
Es ist ein verstörender Kontrast: Auf der einen Seite Bilder von Bomben und Flüchtlingsleid aus der Ukraine, auf der anderen die von funkelnden Yachten und azurblauem Mittelmeerhimmel. Aber es sind zwei Seiten derselben Medaille, denn vor allem in Italien und Frankreich schreitet die Beschlagnahme von Oligarchen-Yachten weiter voran. Grundlage ist die EU-Sanktionsliste, auf der immer mehr kremlnahe Milliardäre mit ihren Luxusgütern stehen.
Mit den Sanktionen soll Druck auf die Eliten ausgeübt werden, und wie es aussieht, gelingt das auch: Immer mehr Oligarchen haben inzwischen dafür gesorgt, ihre Schiffe in Sicherheit zu bringen, etwa auf die Malediven. Hier gibt es kein Auslieferungsabkommen, die Yachten sind hier vor dem Zugriff der EU-Behörden vorerst sicher.
Aber was ist das eigentlich, eine „Superyacht“, und wieviele russische Eigner gibt es überhaupt? “Weltweit schwimmen aktuell rund 10500 Yachten mit Längen von mehr als 24 Metern und mehr – diese Yachten nennen wir „Superyachten“, sagt Martin Hager, Chefredakteur des Superyacht-Fachmagazins „Boote Exclusiv“. „Von den 200 größten Yachten der Welt mit Längen zwischen 86 und 180 Metern gehören rund 30 russischen Eignern. Der Anteil ist also überschaubar. Viele Eigner großer Yachten kommen aus den USA und aus dem mittleren Osten.“
Eine Superyacht zu besitzen, ist auch für viele Milliardäre ein großer Luxus. Martin Hager etwa nennt es „das exklusivste Spielzeug, das man haben kann.“ Die Unterhaltskosten sind selbst für Milliardärsverhältnisse enorm: "Eine 45 Meter-Yacht kostet im Unterhalt rund 1,7 Millionen Euro im Jahr, bei einer 75 Meter-Yacht sind es dann schon 3,7 Millionen Euro."
Die Kosten steigen mit der Größe der Yacht, denn je größer ein Schiff ist, um so mehr Crew braucht es, um so mehr Treibstoff passt in den Tank, und auch die Liegeplatzpreise steigen mit der Größe an. In den von Hager genannten Preisspannen sind immerhin alle ständigen Kosten schon enthalten, inklusive Crewgehälter, Hafengebühren und Satellitenkommunikation.
Die Behörden, die sich jetzt mit der Umsetzung der EU-Sanktionen befassen müssen, stehen vor einigen Herausforderungen: "Viele Großyachten sind in Steuerparadiesen zugelassen und werden über Managementfirmen betrieben“, sagt Hager. So haben etwa auch die Hamburger Behörden Schwierigkeiten, die bei Blohm+Voss im Dock liegende Yacht „Dilbar“ eindeutig dem russischen Oligarchen Alischer Usmanow zuzurechnen, der auf der EU-Sanktionsliste steht.
Auch jenseits der Besitzverhältnisse, die vor einer Beschlagnahme geklärt werden müssen, gibt es derzeit noch viele Unklarheiten. "Wenn Yachten beschlagnahmt werden, ist auch die Frage: Was passiert mit der Crew? Bekommt die Mannschaft noch ein Monatsgehalt und wird dann freigestellt?“
Denn Yachten sind nicht nur Luxusgüter, sondern auch Arbeitsplätze. Auch hier gibt es – wie etwa in der Handelsschifffahrt – oftmals gemischte Crews aus Ukrainern und Russen. Was aus ihnen nun wird? Unklar. Allerdings ist der Fachkräftemangel auch im Luxusyachtsegment groß, die Chancen auf eine andere Anstellung stehen für sie nicht allzu schlecht.
Gute Leute sind in diesem Bereich schwer zu finden, dasselbe gilt übrigens für die Yachten selbst: Nicht nur der Gebrauchtbootmarkt für kleine Segelyachten und Motorboote ist leer, auch der Markt für Superyachten hat im Zuge der Pandemie mächtig angezogen: Experte Hager sagt: “Auch im Luxussegment ist der Bootsmarkt wie leergefegt. Corona hat gezeigt, dass es sich auf einer Yacht bei höchstem Komfort gut und isoliert leben und urlauben lässt." Jedenfalls so lange, wie man auf keiner Sanktionsliste steht.