Berlin

Der „neue“ Olaf Scholz? Wie In- und Ausland über den starken Kanzler staunen

Tobias Schmidt
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Von Tobias Schmidt
| 04.03.2022 13:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bundeskanzler Scholz bei der Bundeswehr Foto: Michael Kappeler
Bundeskanzler Scholz bei der Bundeswehr Foto: Michael Kappeler
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Bis vergangene Woche wurde Kanzler Olaf Scholz immer wieder ein altes Zitat um die Ohren gehauen: „Wer Führung bestellt, bekommt Führung.“ Impfpflicht, Ukraine, Putin? Statt Führung liefere Scholz Worthülsen und Helme, hieß es. Bis zum 27. Februar, als Scholz zum Bundestag sprach. Diesen Freitag besuchte er die Bundeswehr. Nun reiben sich alle die Augen über den „neuen“ Kanzler. Dabei ist Scholz derselbe wie vorher.

„Berliner Geflüster“: In unserer Hauptstadt-Kolumne berichten unsere Berliner Korrespondenten Rena Lehmann und Tobias Schmidt jedes Wochenende über Kurioses und Bemerkenswertes aus der Berliner Blase. Sie blicken hinter die Kulissen von Bundestag, Kanzleramt und Rotem Rathaus. 

Er ducke sich weg, weiche aus, entscheide nix: So die weit verbreitete Meinung über Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bis Ende Februar. Der Versuch, bei der Corona-Impfpflicht oder den Energiepreis-Entlastungen nichts übers Knie zu brechen hatte ebenso für diesen Eindruck gesorgt wie das Zögern bei Nordstream 2 und das Nein zu Waffenlieferungen an die Ukraine.

„Germany’s ‘Invisible’ Chancellor Heads to Washington“ titelte die „New York Times“ vor seinem Antrittsbesuch bei US-Präsident Joe Biden.

„Deutschlands „unsichtbarer“ Kanzler reist nach Washington.“

„Ukraine-Krieg - Eine Schande, Kanzler!“ titelte die „Bild“-Zeitung am 26. Februar.

Tags drauf, ein Sonntag, hielt Scholz seine knapp 30-minütige „Zeitenwende“-Rede. Raketen für Kiew. 100 Milliarden Euro für die Truppe. Ein Beschluss, Wladimir Putin für den Angriff bezahlen zu lassen, und zwar auch mit harten Folgen für Deutschland.

Es stimmt, der internationale Druck war gewaltig gewachsen. Deutschland musste handeln. Und ja, die historischen Wenden wurden in wenigen Tagen im kleinsten Kreis festgelegt. Aber wie ein Getriebener wirkte Scholz in seiner Rede nicht. „Nüchtern und entschlossen“ beschrieb er seine Reaktion auf den Krieg. Keine Spur von Nervosität, von Zweifel. So, wie man ihn kennt, nur eben in einer dramatischen Lage.

Wäre das auch Armin Laschet zuzutrauen gewesen? Während über den gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten auf Twitter und WhatsApp gemeine Bilder von seinem Flut-Gelächter ausgegraben werden, sitzt Olaf Scholz allein bei Maybrit Illner.

Um sich zu erklären, um Gerhard Schröder die Rote Karte zu zeigen. Mit dem Besuch beim Einsatzführungskommando betont er seinen Führungswillen.

Das kommt an: „Aus dem vorsichtig tastenden Novizen im Amt ist mit einem Mal ein richtiger Kanzler geworden“, schreibt der „Spiegel“. Statt zu schwurbeln benenne Scholz klar, was der denke und will. „Kurz gesagt, er führt.“

Auch in den USA sind sie schwer beeindruckt. Das „Wall Street Journal“ jubelt, der „neue Kanzler“ habe nach Putins Attacke eine jahrzehntelange links-mittige Verteidigungs- und Energiepolitik beendet.

Mit klarem Bedauern wird festgestellt: „President Biden is no Olaf Scholz.“ Eben noch unsichtbar, jetzt stärker als Biden.

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