Hamburg
Humane Papillomviren: Fünf Gründe für die HPV-Impfung
In Deutschland sind viel zu wenige Mädchen und Jungen gegen Humane Papillomviren geimpft. Neben dem Schutz vor Gebärmutterhalskrebs sprechen einige andere Gründe für die Impfung. Hier sind die fünf wichtigsten.
Zurzeit ist viel von der „Impfung gegen Krebs“ die Rede. Gemeint ist damit aber nicht die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV-Impfung), sondern die neuartige mRNA-Impfung, die die Biotechnologiefirma „Biontech“ aktuell zum Beispiel an Haut- und Darmkrebspatienten testet.
Besser wäre es anders herum. Denn anders als die mRNA-Impfung, die erst zum Einsatz kommt, wenn das Karzinom oder das Melanom bereits da ist, wirkt die HPV-Impfung tatsächlich vorbeugend. Wie eine richtige Impfung halt, und zwar nicht nur gegen Gebärmutterhalskrebs.
Das Problem ist nur: Viel zu wenige Mädchen und Jungen nutzen in Deutschland das Angebot der HPV-Impfung. Im vergangenen Jahr waren gerade einmal 43 Prozent der 15-jährigen Mädchen geimpft; bei den Jungen waren es noch weniger.
Im besten Fall lassen sich Mädchen und Jungen im Alter zwischen neun und 14 Jahren und vor dem ersten Geschlechtsverkehr impfen. Diese fünf Gründe sprechen dafür:
94 Prozent. So hoch ist die Schutzwirkung der Impfung laut Robert-Koch-Institut (RKI) gegen Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs. Gemeint sind damit Zellveränderungen am Gebärmutterhals, die aufgrund von HPV-Infektionen auftreten. Häufig bilden sie sich von allein zurück, aber nicht immer. Besonders effektiv wirkt die Impfung gegen hochgradige Veränderungen, die selten von allein zurückgehen und häufig zum sogenannten Zervixkarzinom werden. Etwa 6500 Frauen erkranken jährlich daran, mehr als 1600 von ihnen sterben an dem Krebs.
Seitdem die Impfung eingeführt worden ist, also seit 2007, sind weltweit rund 270 Millionen Dosen verabreicht worden. Fälle schwerer Nebenwirkungen sind bislang keine verzeichnet worden. Beobachtet werden die für Impfungen üblichen Nebenwirkungen wie Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen.
HPV-Infektionen können nicht nur zu Gebärmutterhalskrebs führen. Bei Frauen kommt es zum Beispiel auch zu Krebsleiden an Anus, Vagina und Vulva. Und auch Männer können von HPV-bedingten Krebserkrankungen betroffen sein: Rund 2500 erkranken pro Jahr, die meisten von ihnen leiden an bösartigen Tumoren im Mund-Rachen-Raum, aber auch zu Anus- und Peniskrebs können HPV-Infektionen führen. Bei Frauen wie Männern sinkt durch die Impfung zudem das Risiko für Feigwarzen.
Längst nicht jede Zellveränderung, die Folge einer HPV-Infektion am Gebärmutterhals sein kann, führt zu Krebs. Bleibt sie allerdings länger bestehen oder entwickelt sich sogar weiter, raten Ärzte zur Operation. Bei der sogenannten „Konisation“ wird ein etwa kirschgroßes, kegelförmiges Gewebestück von Muttermund und Gebärmutterhals entfernt. Ungefähr 60.000 Mal wird dieser Eingriff hierzulande pro Jahr durchgeführt. Zwar achten Operateure insbesondere bei Frauen mit Kinderwunsch darauf, das Gewebe schonend zu entfernen. Dennoch kann sich der Eingriff auf spätere Schwangerschaften auswirken. Insbesondere das Risiko von Fehlgeburten steigt.
Frauen zwischen 20 und 34 Jahren können zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge einmal pro Jahr einen sogenannten Pap-Abstrich zur Zellveränderung beim Frauenarzt machen lassen. Ab dem 35. Geburtstag bieten die Kassen alle drei Jahre eine Ko-Testung aus Pap- und HPV-Test an. Ein auffälliger Befund bedeutet dann aber noch lange nicht, dass sie Krebs haben oder an Krebs erkranken. Der Befund allein und die Tatsache, dass sich daran meist eine längere Zeit des Abwartens anschließt, belastet viele Frauen allerdings stark. Weil durch die Impfung positive Befunde nur noch sehr selten vorkommen (sie schützt nicht vor allen HPV-Stämmen), ist sie somit auch gut für die Psyche.