Norden
Kreis rechnet vor allem mit Müttern und Kindern aus der Ukraine
In der Flüchtlingsunterkunft Utlandshörn ist alles für die Ankunft der ersten Menschen aus dem Kriegsgebiet vorbereitet. Dabei geht es um mehr als nur Betten und Verpflegung.
Norden - Schon einmal hat sich der Landkreis Aurich in der ehemaligen Küstenfunkstelle Utlandshörn auf einen Flüchtlingsstrom vorbereitet. In kürzester Zeit wurden im Jahr 2015 Übernachtungsplätze geschaffen – damals noch mit Feldbetten in großen Schlafsälen. Das soll nun anders werden, wie der Leiter der Kreisvolkshochschule (KVHS) in Norden, Friedhelm Endelmann, den ON sagte. Kamen bei der Flüchtlingskrise 2015 viele alleinstehende Männer nach Deutschland, bereitet sich der Kreis jetzt vor allem auf Mütter mit Kindern vor, sagte Endelmann.
Dafür sind in den Räumen in Utlandshörn nun zunächst Vierer-Einheiten geschaffen worden. Feldbetten soll es zunächst nicht geben. „Die Räume sollen so gestaltet sein, dass kleine Familien dort gut untergebracht werden können“, sagte Endelmann. Steige die Zahl der Flüchtlinge enorm an, könne die Zahl der Betten jederzeit – auch mit Feldbetten – wieder erhöht werden.
Schon neun Kinder aus der Ukraine im Kreis Aurich
Im Landkreis Aurich sind zwar grundsätzlich schon Flüchtlinge angekommen, bisher aber nicht in Utlandshörn. Laut Kreissprecher Rainer Müller-Gummels wurden bisher sechs Frauen, ein Mann und neun Kinder aus der Ukraine im Landkreis Aurich gemeldet. Diese sind aber privat untergekommen. Der Kreis weist noch einmal darauf hin, dass sich Ukraine-Flüchtlinge aktuell unter der E-Mail-Adresse ukraine@landkreis-aurich.de melden sollen, beziehungsweise dort gemeldet werden sollen. Flüchtlinge, die bislang keine Unterkunft haben, müssten sich bei der Landesaufnahmebehörde melden.
In Utlandshörn ist laut Müller-Gummels eine „Dokumentationsstraße“ zur Erfassung der persönlichen Daten, für einen Gesundheitscheck, der Erfassung des Impfstatus und beispielsweise das Stellen von Anträgen geplant. Auch soll es ein Impfangebot und einen ersten Willkommenskurs geben. Die KVHS wird für die Abfrage von Daten und Qualifikationen sowie die Betreuung der Flüchtlinge in der Unterkunft zuständig sein, während die rechtlichen Aufgaben von der Kreisverwaltung erledigt werden. Eine Beteiligung des DRK, wie im Jahr 2015, ist laut Kreisverwaltung bisher nicht geplant.
Flüchtlinge sollen nicht lange in Utlandshörn bleiben
Auch sollen die Flüchtlinge nicht lange in Utlandshörn bleiben. Die Verweildauer soll laut Kreisverwaltung maximal eine Woche betragen. Danach sollen die Menschen möglichst zügig auf private Wohnungen im Kreisgebiet verteilt werden. Daher sucht der Landkreis Aurich dringend Mietwohnungen für die Unterbringung von Ukraine-Flüchtlingen. Diese sollen – wie auch weitere Hilfsangebote – unter der E-Mail: ukraine@landkreis-aurich.de gemeldet werden. Unter dem Link https://www.landkreis-aurich.de/ukraine-konflikt/ wird der Kreis fortan über die aktuellen Ereignisse in der Ukraine informieren, die für Bürger in unserem Landkreis von Bedeutung sind.
Zunächst warten jetzt alle Stellen auf die Entscheidung der Europäischen Union (EU) am 3. März. In der EU wird darüber entschieden, ob die sogenannte Massenzustrom-Regelung aus dem Jahr 2001 wiederbelebt wird. Dann würden die Ukraine-Flüchtlinge zunächst ein Aufenthaltsrecht erhalten und es würde eine Zuweisung durch die Landesaufnahmebehörde auf die Landkreise erfolgen. Erst danach kann der Kreis sagen, wann die ersten Menschen aus dem Kriegsgebiet in den Landkreis Aurich kommen und wie viele es sein werden.
Auch die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen (LAB) wartet auf diese Entscheidung. Zurzeit sind von der LAB 98 Menschen aus der Ukraine in den Einrichtungen in Niedersachsen aufgenommen worden, hieß es aus der Pressestelle. In der LAB geht man aber davon aus, dass dies nur ein Bruchteil der Ukrainer sind, die sich bereits in Niedersachsen aufhalten. Der allergrößte Teil sei bisher privat untergekommen. Erst, wenn klar sei, wie Bund und Länder die Entscheidung der EU umsetzen und wenn klar ist, ob es eine gesonderte Quote zur Aufnahme der Ukraine-Flüchtlinge gebe, kann die LAB mehr zur künftigen Verteilung sagen. Schon jetzt gehen die Mitarbeiter aber davon aus, Flüchtlinge aus Berlin und den umliegenden Bundesländern abzunehmen.