Berlin
Ukraine-Krieg: Die ganze Welt gegen Putin? Von wegen!
Bei der UN-Vollversammlung will der Westen erreichen, dass die ganze Welt Wladimir Putin für seinen Ukraine-Krieg verurteilt. Doch nicht alle ziehen mit. Indien bleibt neutral, China hält weiter zu Moskau. Ein schnelles Kriegsende wird damit unwahrscheinlicher.
Ein starker Auftritt von Annalena Baerbock. Diktator-Vorwürfe von Joe Biden. Aber das Ziel des Westens, Russlands Präsidenten Wladimir Putin wirklich von der gesamten Staatengemeinschaft an den Pranger stellen zu lassen, das bleibt unerreichbar.
Die Dringlichkeitssitzung der UN-Vollversammlung ist dafür der jüngste Beleg. Nato, EU, USA und Berlin sind ja zu Recht stolz auf die enorme Geschlossenheit und Entschlossenheit. Mit seinem menschenverachtenden Angriffskrieg gegen die Ukraine hat der Kreml-Chef eine transatlantische Einigkeit wiederbelebt. Großbritannien ist irgendwie zurück im Club, die Osteuropäer nehmen Flüchtlinge auf. Was für Entwicklungen!
Aber reicht das aus, um Putin zum Einlenken zu bringen, solange nicht alle bedeutenden Akteure mitmachen? Die Atommacht Indien will ihre Beziehungen zu Russland nicht gefährden, zeigt die eiskalte Schulter. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist der russische Dünger wichtiger.
Am bittersten - weil entscheidend - ist die chinesische Haltung. Im Westen gab es durchaus Hoffnung, Peking werde den russischen Krieg nicht einfach achselzuckend tolerieren. Das war eine von vielen Selbsttäuschungen. Statt sich an der Isolierung Putins zu beteiligen, ist Präsident Xi Jinping endgültig zu seinem wichtigsten Verbündeten geworden, das zeigt sich auch in New York.
Dort attackierte Außenministerin Baerbock ihren russischen Kollegen Sergej Lawrow mit großer Härte. Der könne sich selbst etwas vormachen, „aber Sie werden uns nicht täuschen“. Aber wenn der Westen glaubt, Putin stehe ganz alleine da, dann täuscht er sich selbst.