Aurich

Ukraine-Krieg: Schulen gehen auf Fragen der Kinder ein

Kim Hüsing und Rebecca Kresse
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Von Kim Hüsing und Rebecca Kresse
| 02.03.2022 09:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Kinder zünden auf den Stufen zu einer Kirche Kerzen an: Der Ukraine-Krieg wirft auch bei den Jüngsten im Kreis viele Fragen auf. Foto: Gian Ehrenzeller/DPA
Kinder zünden auf den Stufen zu einer Kirche Kerzen an: Der Ukraine-Krieg wirft auch bei den Jüngsten im Kreis viele Fragen auf. Foto: Gian Ehrenzeller/DPA
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Der Ukraine-Krieg prägt vielerorts die Gespräche. In einigen Schulen im Landkreis stellen die Kinder konkrete Fragen und hoffen auf Antworten. Doch dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Aurich/Norden - Szenen des Krieges in der Ukraine sind im Fernsehen und im Internet allgegenwärtig. Für viele ist die Situation, wie sie die Menschen in Osteuropa gerade erleben, unvorstellbar. Auch Kinder und Jugendliche haben viele Fragen und Ängste. Diese werden zu Hause, aber auch in den Schulen im Landkreis Aurich aufgegriffen. Dabei sind die Nachfragen bei den älteren Schülern intensiver als bei den jüngsten, verrät Klaus Saathoff als Leiter der Grundschule in Riepe. „Die meisten fragen, ob in Deutschland auch bald Krieg ist“, sagt Saathoff. Diese Frage sei relativ leicht mit Nein zu beantworten. Bei anderen Fragen müsste jeder individuell gucken, wie er reagiert. Wichtig sei ihm, authentisch und offen mit den Schülern auf Augenhöhe zu reden. So sei es okay, wenn man nicht auf alles eine gute Antwort hat.

Bisher sind die Fragen, wie sie helfen können, bei den Grundschülern in Riepe ausgeblieben. Doch Saathoff könne sich gut vorstellen, dass sich das in den kommenden ein bis zwei Wochen noch ändert. „Wenn wir eine Spendensammlung organisieren, sind die Kinder immer mit Feuereifer dabei. Aber in ihrer kognitiven Entwicklung sind sie noch nicht so weit, dass sie selbst Hilfe anbieten“, so Saathoff.

Notfallseelsorge für Schüler

Am Gymnasium Ulricianum in Aurich überlegt Schulleiter Rüdiger Musolf hingegen, wie aktiv eine Spendenaktion oder ein Spendenlauf organisiert werden könnte: „Ich bin skeptisch, wenn es um Symbolhandlungen wie eine Schweigeminute geht. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass wir als Schule etwas Gemeinschaftsstiftendes machen.“ Angesichts des Tempos des Konflikts konnten schulintern aber noch keine Abstimmungen getroffen werden. In den Lerngruppen würden bereits Gespräche mit Schülern geführt. Die „traurige, entsetze Stimmung“ sei bei den Schülern und Lehrern ebenso zu merken wie in großen Teilen der Gesellschaft. Die Europaschule unterhält auch Kontakte nach Osteuropa. Schüleraustausche finden mit Litauen und Polen statt. Doch bisher gebe es noch keine Rückmeldungen von den Fachkräften, die den Austausch organisieren.

An der Realschule in Aurich surft Leiterin Kathrin Peters im Internet und versucht, eine konkrete Idee zu finden, wie der Ukraine-Konflikt in der Schule thematisiert werden kann. Ab Jahrgang acht würde im Politikunterricht sowieso dreimal in der Woche aktuelles Geschehen besprochen, doch auch für die jüngeren Klassen möchte Peters ein Angebot vorhalten. Im Austausch mit dem Kollegium möchte auch sie etwas Handfestes auf die Beine stellen. Beispielsweise könne sie sich eine Beteiligung an der Auricher Jugend-Demo am Wochenende vorstellen. „Der Wunsch, das Thema aufzugreifen, kam aus dem Team“, sagt Peters. In anderen Landkreisen gäbe es Notfallseelsorge am Telefon, in Aurich wird noch nach einem Weg gesucht. Denn auch Teile ihrer Schüler hätten große Sorgen, wie es ihren Verwandten in der Ukraine, aber auch in Russland gerade ergeht. „Vielleicht können wir zusammen mit den Kirchen Hilfe anbieten“, überlegt Peters.

So weit ist es an der Grundschule Upstalsboom in Haxtum noch nicht. Denn Schulleiter Uwe Schumacher beschreibt, dass der Konflikt in der Ukraine bisher kein Thema in seinem Unterricht gewesen wäre. „Vielleicht konzentrieren sich die Fragen der Kinder eher auf Zuhause“, sagt er. Gerade russisch-sprachige Kinder an der Schule könnten sich Gedanken machen, auf welcher Seite sie eigentlich stehen. „Ich sehe die Gefahr, aber noch kommen die Ängste im Schulalltag nicht durch“, so Schumacher. Sollte das Thema im Unterricht aufkommen, ist in seinen Augen Fingerspitzengefühl der Pädagogen gefragt. „Für die Kinder ist die Ukraine weit weg.“ Auch bei seinem eigenen sechsjährigen Sohn sei der Krieg nicht wirklich ein Thema.

Am Ulrichsgymnasium in Norden gibt es kein spezielles Konzept, wie mit dem Krieg in der Ukraine in der Schule umgangen wird. Dennoch ist es laut Schulleiter Wolfgang Grätz aber Thema. Immer dann, wenn Schüler den Bedarf haben, über die Situation in der Ukraine zu sprechen, gehen die Lehrer auch darauf ein, sagte Grätz. Und der Bedarf ist in Norden groß. Viele Schüler sind verunsichert – vor allem die, die durch ein Austauschprogramm zu einer Schule in Kiew persönliche Kontakte in die Ukraine haben. Auch im Russisch-Kurs an der Schule ist der Konflikt zurzeit immer wieder Thema. Im Politik-Unterricht werde der Krieg mit in den Unterricht aufgenommen, sagte Grätz den ON.

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