Aurich
Landkreis Aurich will das Unplanbare planen
Eine volle Realschule Aurich, eine leere IGS Aurich: Mit dem neuen Schulentwicklungsplan sollen Lösungen gefunden werden. Aber es gibt einen großen Störfaktor dabei.
Aurich - Mit dem Schulentwicklungsplan 2014 sollte im Landkreis Aurich die Quadratur des Kreises geschafft werden: Es sollte das Unplanbare geplant werden. Denn so sehr Politik und Verwaltung sich auch die Schullandschaft vorstellen – am Ende entscheiden in Niedersachsen immer noch die Eltern, auf welche Schule sie in der fünften Klasse ihre Kinder schicken. Dennoch soll der Plan nun fortgeschrieben werden. Wieder ist Schulgutachter Wolf Krämer-Mandeau (Biregio, Bonn) mit an Bord. Denn er ist der einzige, der ein Angebot für den Auftrag abgegeben hat. Das erklärte Schulamtsleiter Jens Kleen in der Sitzung des Kreisschulausschusses am Dienstag.
Diesmal sollen die Städte und Gemeinden mit eingebunden werden, versprach Kleen. Wiederbelebt wurde auch die Arbeitsgruppe Schulentwicklung des Kreistages. Diese habe sich „bis zum großen Schlagabtausch“ bewährt. Der große Schlagabtausch, das war im Dezember 2014 die Kreistagssitzung, in der der Schulentwicklungsplan verabschiedet worden ist. Mehrere Stunden dauerte die Diskussion seinerzeit. Ein Vorgang, der sich wiederholen könnte. Denn die alten Streitfragen sind noch nicht gelöst, wie sich am Dienstagnachmittag im Kreisschulausschuss bereits andeutete.
Grüne: Kreis muss eigene Schule stärken
Insa Buss (Grüne) sitzt nicht nur im Auricher Kreistag, sondern auch im Ihlower Gemeinderat. Dennoch denkt sie als ehemalige Elternsprecherin vorrangig an das Wohl der IGS Aurich. Diese nämlich verliert seit Jahren Schüler, weil mit einem Einzugsbezirk die IGS Ihlow geschützt wird. Auch Schüler aus Südbrookmerland dürfen nicht mehr an die Auricher Gesamtschule. Durch diese Einzugsbezirke sieht Buss den Elternwillen stark eingeschränkt. Es gebe für die IGS Aurich nun ein neues Haus, aber keine Schüler. Die Realschule Aurich hingegen platze aus allen Nähten. Die Einzugsbezirke müssten daher noch einmal diskutiert werden. Eine Forderung, die sie als Elternvertreterin der IGS Aurich bereits 2016 formuliert hatte. Es gehe um die Frage, wie der Landkreis Aurich seine eigene Schule wieder stärken könne.
CDU-Fraktionschef Sven Behrens stieß ins selbe Horn. Er unterstütze Buss, es gebe viele Fragen bei der Schulentwicklung. Deshalb müsse die Arbeitsgemeinschaft Schulentwicklung möglichst schnell Fahrt aufnehmen. Kreisrat Sebastian Smolinski sagte denn auch zu, dass die Einzugsbereiche bei der Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes noch einmal angeschaut würden. Ein Schritt, vor dem Heinrich Ubben (Freie Wähler) warnte. „Mit den Eltern in Moordorf sollte man sehr sensibel umgehen“, mahnte er.
Inklusion: Gymnasium beteiligt sich kaum
An den Einzugsbereichen liegt es laut Buss auch, dass die IGS die Hauptlast bei der Inklusion trage. Es kämen aus anderen Gemeinden keine Schüler mehr, und in der Stadt Aurich würden Realschule und Gymnasium sich der Inklusion entziehen. Es gelte zwar der freie Elternwille. Aber die Eltern würden beeinflusst.
Dem widersprach Jens Kleen. Die IGS habe acht bis zwölf Prozent Inklusionskinder. „Aber auch die Realschule hat ungefähr acht Prozent und hat ein eigenes Inklusionskonzept.“ Am Auricher Gymnasium gehöre nur ein Prozent der Schüler zu den Inklusionskindern. Ein Umstand, den vor Jahren bereits Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert ändern wollte. Mit der Beschränkung der damals noch vollen IGS Aurich auf sechs Züge sollten Inklusionskinder auch zum Gymnasium gedrängt werden. Ein Plan, der bisher nicht aufging. Denn eben wegen der Einzugsbezirke verlor die IGS Aurich massiv Schüler insbesondere aus Moordorf und Wiegboldsbur. Es gab nun genügend Platz in der IGS und keinen Grund für die Eltern von Inklusionskindern, sich nach anderen Schulen umzusehen.
Trotz mehrfacher Nachfrage gab Smolinski kein Statement zur Freien Christlichen Schule Ostfriesland (FCSO) ab, die in Moordorf eine Außenstelle eröffnen will. Diese Neugründung wird Auswirkungen auf die Schullandschaft haben. Welche genau, werde der neue Schulentwicklungsplan im kommenden Jahr beantworten. Was die Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes für die Schullandschaft bringt, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur, dass Schule nie einem starren Plan folgt. Das wusste Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert schon im Mai 2016. Sein Fazit zur Schullandschaft damals: „Alles ist im Fluss.“
Gespräche über Schullandschaft in Aurich geplant
Sinkende Zahlen lassen Sorgen an IGS wachsen