Osnabrück

Angst vor dem Dritten Weltkrieg: Wie sorge ich in Notsituationen vor?

Stella Bluemke
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Von Stella Bluemke
| 01.03.2022 16:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Angst vor einem Dritten Weltkrieg wächst. Foto: picture alliance/dpa/APA | Helmut Fohringer
Die Angst vor einem Dritten Weltkrieg wächst. Foto: picture alliance/dpa/APA | Helmut Fohringer
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Der Krieg in der Ukraine weckt bei vielen Menschen die Angst vor einem Dritten Weltkrieg. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt Tipps, wie man sich in Krisensituationen verhalten sollte. Eine Übersicht.

Mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine wächst bei vielen Menschen die Angst vor einem Dritten Weltkrieg. Begriffe wie „Angriff“, „Waffen“ und „Atomkrieg“ beherrschen die Berichterstattung. Laut dem Analyse-Tool Google Trends der gleichnamigen Suchmaschine hat das Interesse an den Worten „Atomkrieg“ und „Weltkrieg“ stark zugenommen. Auch Begriffe wie „Notvorrat“ werden öfter gesucht, allerdings ist das Interesse im Vergleich gering. Wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv vom Montag ergab, befürchten 69 Prozent, dass die Nato in den Konflikt hineingezogen wird, weil der russische Präsident Wladimir Putin ein Mitglied des westlichen Verteidigungsbündnisses angreifen könnte.

Das zeigt sich auch in den sozialen Netzwerken. Auf der Videoplattform Youtube geben sogenannte „Prepper“ Tipps, wie man sich auf verschiedene Katastrophen-Szenarien vorbereiten kann. Ihre Videos verzeichnen momentan eine hohe Nachfrage. Eine deutsche Youtuberin stellt im Titel ihres aktuellen Videos die Frage, ob uns jetzt der Dritte Weltkrieg drohe? „Be prepared – Sei vorbereitet“ rät sie. Ihr Kanal mit 132.000 Abonnenten befasst sich mit den Themen Überleben, Selbstversorgung, Ausrüstung und Natur. Das Video hat in den vergangenen Tagen etwa 57.000 Aufrufe generiert. In der Beschreibung listet sie ihre Krisenvorsorge-Ausrüstung auf, darunter eine Gasheizung, Funkgeräte und einen Gaskocher.

„Ein dritter Weltkrieg ist ein wenig wahrscheinliches Szenario“, sagte der Friedensforscher Dan Smith unserer Redaktion. Obwohl Putin seine Abschreckungswaffen in verstärkte Alarmbereitschaft setzen ließ, rechnet das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri, dessen Direktor Smith ist, nicht damit, dass im Ukraine-Krieg nukleare Waffen eingesetzt werden.

Auch Carlo Masala, Militärexperte an der Universität der Bundeswehr in München, sagte im ARD-Brennpunkt: „Wir stehen nicht vor einem Atomkrieg, das muss man sehr deutlich sagen". Die erhöhte Alarmbereitschaft der russischen strategischen Kräfte sei „Putins Signal an den Westen: 'Haltet Euch aus diesem Konflikt raus'“. Das russische System habe vier Eskalationsstufen, aktuell befinden wir uns auf Stufe zwei, schätzt Masala die Lage am Sonntag ein.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt „sich auf Notsituationen, die oft überraschend eintreten, vorzubereiten“. Auf der Webseite gibt das BBK Tipps, was Bürger zur Vorsorge tun können, sollte ein Ernstfall eintreten. „Wer vorbereitet ist, kann sich selbst, Angehörigen und Nachbarn helfen, bis die staatliche Hilfe eintrifft und Schäden mit Schutzmaßnahmen reduzieren“, heißt es. Die Szenarien, die das BBK auflistet, sind Unwetter, Feuer, Wasser- und Stromausfall. Das Wort Krieg kommt nicht vor. In einem 68-seitigen Ratgeber ist alles zusammengefasst.

Das BBK rät dazu, einen Lebensmittelvorrat anzulegen, vor allem Wasser. Der Mensch komme zwar drei Wochen ohne Nahrung aus, aber nur vier Tage ohne Flüssigkeit: „Halten Sie pro Person ca. 14 Liter Flüssigkeit je Woche vorrätig.“ Es wird darauf hingewiesen, dass Lebensmittel auch bei einem Stromausfall ohne Kühlung haltbar sein sollten. Zudem sollte man sie auch kalt essen können.

Um bei einem Stromausfall kochen zu können, empfiehlt das Bundesamt Alternativen, zum Beispiel einen Camping-Kocher. An die speziellen Bedürfnisse von Diabetikern, Allergikern oder Babys sollte ebenso gedacht werden, wie an den Bedarf des Haustiers.

Wassermangel kann in Krisensituationen problematisch werden. Deswegen empfiehlt das BBK bei andauernden Ausfällen der Wasserversorgung Wasser in allen verfügbaren größeren Gefäßen zu sammeln, zum Beispiel in der Badewanne, Eimern und Töpfen. Dabei sollte auch an Wasser für die Toilettenspülung gedacht werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ausstattung der Hausapotheke. Es sollten Erkältungsmittel, Schmerz- und fiebersenkende Mittel, Mittel gegen Durchfall, Übelkeit und Erbrechen sowie gegen Insektenstiche und Sonnenbrand vorrätig sein. Aufgelistet werden auch Fieberthermometer, Pinzette, Desinfektionsmittel und Verbandsmaterial.

Fällt die Energieversorgung aus, wird warme Kleidung wichtig. Sie kann die Heizung eine Zeitlang ersetzen, schreibt das Bundesamt. Zudem sollte man einen Vorrat an Kerzen, Taschenlampen und Batterien anlegen. Um Akkus von Computern und Mobiltelefonen zu laden, empfiehlt das BBK solarbetriebene Batterieladegeräte.

Das BBK gibt auch für den Ernstfall eine Empfehlung, was in das Notgepäck gehört, sollte man die Wohnung verlassen müssen. Ein Rucksack sei hier hilfreicher als ein Koffer, da die Hände frei bleiben. Außer einer Dokumentenmappe, in die beispielsweise Familienurkunden, Sparbücher, Rentenbescheinigungen, Zeugnisse, Verträge und Ausweise hineingehören, sollte das Notgepäck auch Erste-Hilfe-Material, persönliche Medikamente, Verpflegung, Schlafsack und wetterfeste Kleidung enthalten.

In einem Verteidigungsfall oder einer gesteigerten Gefährdungslage empfiehlt das Bundesamt sich über Radio, Fernsehen, Internet und Warnapps über die aktuelle Lage zu informieren und amtlichen Warnungen zu folgen. Die Warnapp des BBK heißt Nina.

Es finden sich auch Hinweise für den Fall, dass radioaktive Stoffe freigesetzt werden. Sie finden sich unter dem Begriff „CBRN-Gefahren“ (chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahrstoffe). In diesem Fall empfiehlt das Bundesamt Kellerräume aufzusuchen und sich über das Radio oder den Fernseher über die Nachrichtenlage zu informieren. In Kellerräumen sei die Abschwächung der Strahlung durch die angrenzende Erdschicht und obere Stockwerke besonders groß.

Funktionsfähige Schutzräume wie Bunker gibt es in Deutschland nicht mehr. Nach Angaben des Redaktionsnetzwerks Deutschland existieren zwar noch etwa 1000 derartige Anlagen; sie werden jedoch seit Jahren vom Bund nicht mehr gewartet und funktionsfähig gehalten. „Experten gehen heute von einem Schadenszenario ohne Vorwarnzeit aus, daher können Schutzräume der Bevölkerung keine ausreichende Sicherheit bieten“, heißt es auf der Webseite des BBK. Daher sei 2007 beschlossen worden, das Konzept aufzugeben.

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