Norden

Protestaktion am Gymnasium: Aus Solidarität mit ihren Freunden

| | 01.03.2022 13:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Gemeinsam protestierten Schüler und Lehrer am Ulrichsgymnasium Norden gegen den Krieg in der Ukraine. Foto: Rebecca Kresse
Gemeinsam protestierten Schüler und Lehrer am Ulrichsgymnasium Norden gegen den Krieg in der Ukraine. Foto: Rebecca Kresse
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Rund 1200 Schüler des Norder Ulrichs-Gymnasiums haben am Dienstag gegen den Krieg in der Ukraine demonstriert. Dafür haben sie einen ganz besonderen Grund.

Norden - Rund 1200 Schüler des Norder Ulrichs-Gymnasiums haben am Dienstagvormittag auf dem Schulhof ein Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine gesetzt. Mit selbstgebastelten Plakaten und zum Teil in gelber und blauer Kleidung versammelten sie sich in der fünften Stunde auf dem Schulhof. Organisiert wurde der Protest von Martina Jürgens. Die Lehrerin organisiert normalerweise den Austausch zur Partnerschule in Kiew, die „Spezialisierte Schule Nr.40“. Durch die enge Bindung an die Schule, Freundschaften zwischen Schülern und Lehrern, geht die Situation in der Ukraine vielen Schülern am Ulrichsgymnasium besonders nah.

Bangen um ihre Freunde und Kollegen: Mitglieder des Russischkurses am Ulrichsgymnasium. Foto: Rebecca Kresse
Bangen um ihre Freunde und Kollegen: Mitglieder des Russischkurses am Ulrichsgymnasium. Foto: Rebecca Kresse

So wie Clara Bomhardt. Sie war 2018 selbst zum Austausch in Kiew, hat die Stadt und ihre Menschen kennengelernt. Noch heute hat sie Kontakt zu ihrer Austauschschülerin. Diese ist am ersten Tag des russischen Angriffs aus der Ukraine nach Tschechien zu Verwandten geflohen, berichtete Bomhardt. Ihre Familie musste sie in Kiew zurücklassen. „Ein Satz von ihr wird mir immer in Erinnerung bleiben. Sie schrieb mir: Die bomben hier die ganze Nacht“, sagte Bomhardt. Elisabeth Ngyen tauscht sich seit dem vergangenen Jahr mit ihren ukrainischen Ausstauschülern aus – wenn auch nur virtuell. Wegen Corona konnte der Austausch nicht persönlich stattfinden. Aber die Schüler kennen sich, verfolgen ihre jeweiligen Leben in den sozialen Netzwerken. Wo bisher ähnliche Bilder gepostet wurden, wie bei den deutschen Schülern, sind es jetzt Bilder vom Krieg und Spendenaufrufe, sage Ngyen.

Schüler haben Gefühl der Hilflosigkeit

Emilia Rudzik hat persönliche Beziehungen in die Ukraine. „Die Cousine meiner Mutter lebt dort“, sagte sie im Gespräch mit den ON. Gemeinsam mit ihren acht und 13 Jahre alten Kindern wollte sie über die polnische Grenze fliehen. „Meine Familie hat extra noch Kontakt zu den Grenzern aufgenommen, um ihnen zu sagen, dass sie nach Deutschland reisen werden und nicht als Flüchtlinge in Polen bleiben“, erzählte Rudzik. Vergebens. Mutter und Kinder wurden anscheinend wieder zurückgeschickt. Die Anspannung bei ihr zu Hause sei sehr groß. Auch in der Schule sei es schwer, sich zu konzentrieren, sagte Emilia Rudzik. „Man versucht, zu helfen, aber es ist nicht genug. Man ist so hilflos und kann den Verursacher des Krieges nicht stoppen“, sagte Emilia Rudzik.

Viele Schüler haben selbst Plakate gebastelt. Foto: Jann Bremers
Viele Schüler haben selbst Plakate gebastelt. Foto: Jann Bremers

Es ist dieses Gefühl der Ohnmacht und der Hilflosigkeit, das viele Schüler am Dienstag auf den Schulhof getrieben hat. Denn der Protest war eine komplett freiwillige Aktion. „Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir in Gedanken bei unserer Partnerschule und unseren Freunden sind“, sagte Martina Jürgens. Es sei der Versuch, emotionalen Beistand zu leisten, sagte sie. Den Kontakt zu ihrer Kollegin in Kiew hat sie nach eigenen Aussagen vor zwei Tagen verloren. Aber sie hat noch einen Facebook-Post gesehen. „Ich weiß also, dass sie noch lebt“, sagte Jürgens erleichtert.

Die Protestaktion gegen den Ukraine-Krieg soll nicht die letzte Aktion der Norder Gymnasiasten gewesen sein. „Es läuft jetzt viel an, und es gibt sicher noch weitere Möglichkeiten, etwas zu tun“, sagte sie.

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