Aurich

Grundstückshandel mit alten Preisen

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 28.02.2022 19:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bis April soll das ehemalige Holert-Gelände samt dem Grundstück Wallstraße 20 bis 24 komplett geräumt sein. Foto: Romuald Banik
Bis April soll das ehemalige Holert-Gelände samt dem Grundstück Wallstraße 20 bis 24 komplett geräumt sein. Foto: Romuald Banik
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Die Stadt Aurich verkauft ein Grundstück an die niedersächsische Landgesellschaft. Der Grundstückspreis wurde mit einer starren Regelung vor langer Zeit ermittelt.

Aurich - Angebot und Nachfrage bestimmen normalerweise den Preis bei Verkäufen. Das gilt bei allen Waren, selbst bei Immobilien. Einen Unterschied gibt es nur, wenn die öffentliche Hand mit im Spiel ist. Dann werden Preise nämlich auf andere Art und Weise gestaltet, wie sich momentan in der Wallstraße zeigt.

Dort will die Stadt Aurich ein Grundstück an die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) verkaufen. Diese will dort sieben Eigentumswohnungen errichten. Für das Grundstück zahlt die NLG 118.000 Euro, das sind 200 Euro pro Quadratmeter. Ein Schnäppchen in der Auricher Innenstadt. Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte Aurich hält 220 Euro für angemessen. Hinzu komme ein Zuschlag von bis zu 20 Euro wegen der Innenstadtsanierung, sagt Gerhard Boekhoff, Leiter des Liegenschaftsmanagements der Stadtverwaltung. Das wären bis zu 240 Euro pro Quadratmeter an der Wallstraße.

Stadt könnte 10.000 Euro mehr einnehmen

Dennoch, so steht es in der Beschlussvorlage für den Grundstücksverkauf, soll die NLG nur 200 Euro zahlen. Denn zugrunde gelegt wird der Preis, der 2017 bei den Verhandlungen festgelegt worden ist. Das waren damals für das Grundstück an der Wallstraße 200 Euro, sagt Boekhoff. Der Preis sei vom Gutachterausschuss errechnet worden nach den Verkäufen, die im Bereich der Wallstraße in den Monaten zuvor erzielt worden seien. Und an diesen fünf Jahre alten Preis fühle sich die Stadtverwaltung nach wie vor gebunden. „Ob es dazu kommt, muss am Ende die Politik bestimmen“, sagt Boekhoff. Aber ein Investor könne auch eine gewisse Verlässlichkeit erwarten von der Verwaltung.

Dennoch: Nach aktuellen Preisen könnte die Stadt mit dem Grundstück rund 10.000 Euro mehr einnehmen. Und das in einer Zeit der knappen Kassen. Außerdem muss die Stadt vor dem Verkauf noch investieren. Denn veräußert wird ein unbebautes Grundstück. „Wir werden jetzt so schnell wie möglich sowohl den alten Reifenhandel als auch das Haus an der Wallstraße abreißen“, sagt Boekhoff. Dafür seien 180.000 Euro veranschlagt.

Abriss der Holert-Gebäude erfolgt bis April

Begonnen werden soll auf dem Holert-Gelände, das zuletzt von der DRK-Kreisbereitschaft genutzt worden war. Wenn die Gebäude weg sind, kann das Haus an der Wallstraße von hinten abgerissen werden. Denn Baufahrzeuge sollen nicht über die sanierte Wallstraße rollen. Der Bauverkehr solle über die Große Mühlenwallstraße abgewickelt werden, so Boekhoff.

Bis April soll der Abriss erfolgen, denn schon im selben Monat soll mit den Bauarbeiten für die Eigentumswohnungen begonnen werden. Im Zuge der Neuentwicklung des Quartiers werden wohl auch noch weitere Gebäude an der Wallstraße der Abrissbirne zum Opfer fallen müssen. Der Stadt gehören dort laut Boekhoff noch ein paar Gebäude, „die wirklich nicht mehr erhalten werden können“. Sie könnten nun aber nicht „in einem Rutsch“ mit abgerissen werden. Denn dafür müsse es erst einen Auftrag vom Planungsamt der Stadt geben.

Zuversichtlich ist Boekhoff, dass sich das Quartier zwischen Wallstraße und Großer Mühlenwallstraße nun schneller entwickeln wird. Der NLG-Neubau werde weitere Neubauprojekte nach sich ziehen. Schon in wenigen Jahren werde das einst angesehene Viertel wieder aufblühen, meint Gerhard Boekhoff.

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