Aurich
Auricher Landwirte spüren Preissteigerung schon jetzt
Hohe Energiepreise treiben die Kosten für Stickstoffdünger in die Höhe. Der Krieg in der Ukraine verschärft die Lage. Landwirte in Aurich überlegen sich deshalb Alternativen für ihre Felder.
Aurich - Überflutete Felder und rapide steigende Düngemittelpreise beuteln derzeit die Landwirtschaft im Landkreis Aurich. Bereits seit vergangenem Herbst steigen die Preise für Ammoniumnitratdünger an. Das hat laut Keno Arens von der Bezirksstelle der Landwirtschaftskammer in Aurich vor allem zwei Gründe: die steigenden Energiepreise und eine Verknappung der Ware. Da Ostfriesland über kein Düngewerk verfügt und das Einbringen tierischen Düngers durch eine Verordnung begrenzt ist, sind die Landwirte auf mineralische Erzeugnisse vom Weltmarkt angewiesen. Die Auswirkungen bekommt auch Janek Frerichs, Landwirt in Plaggenburg, zu spüren: „Wir haben stark mit den hohen Preisen zu kämpfen.“
Der elterliche Betrieb hat die Haltung von 80 Milchkühen aufgegeben und setzt jetzt auf Legehennenhaltung. Den Hühnertrockenkot bringt die Familie Frerichs in eine Biogasanlage und bekommt das Gärsubstrat für die eigenen Felder zurück. „Wir werden den Kalkammon dieses Jahr wohl komplett einsparen“, erklärt Janek Frerichs. Denn für den Stickstoffdünger müsste seine Familie den dreifachen Preis zum Vorjahr zahlen. „Zu den Preisen sehe ich nicht ein, Dünger zu kaufen.“ Zwar werde der Hühnertrockenkot nicht ausreichen, doch sonst rechne sich die Arbeit überhaupt nicht mehr. In anderen Jahren sei es üblich, dass die Preise bis zur Frühjahrsbestellung noch gedrückt werden. Doch durch den Konflikt in der Ukraine gehe er im Moment nicht davon aus.
Viehfutter wird ebenfalls teurer
Heinz-Hermann Hertz-Kleptow, Geschäftsführer des Kreisverbandes Aurich des landwirtschaftlichen Hauptvereins Ostfriesland, schaut ebenfalls mit Sorge nach Osteuropa. Dort wird Dünger hergestellt, der über den Hafen in Brake verteilt wird. Sollten die Preise weiter hoch bleiben, geht er davon aus, dass viele Landwirte auf Stickstoffdünger verzichten oder ihn deutlich reduzieren. „Dadurch sind Ertragsrückgänge zu befürchten“, sagt Hertz-Kleptow. Er nimmt an, dass die Bedeutung von Wirtschaftsdünger wie Gülle weiter steigen wird. Gleichzeitig gilt die Ukraine als großer Getreideexporteur. Sollte die Erntemenge durch den Konflikt gering ausfallen, trete eine Verknappung ein. Diese schlägt sich wiederum auf den Preis nieder. Die Milchviehregion Ostfriesland bekäme die gestiegenen Preise beim Ankauf des Kraftfutters zu spüren: „Das wird einen Strukturwandel nach sich ziehen.“
Heiko Vosberg vom Landhandel in Aurich berichtet, dass ihm die Industrie momentan Dünger zum Vierfachen des Vorjahrespreises anbietet. Kalkammon solle statt knappen 20 Euro jetzt vermehrt 70 Euro pro 100 Kilogramm kosten. Als Grund nennt Vosberg die hohen Energiepreise, da bei der Herstellung des Stickstoffdüngers viel Energie benötigt werde. Der Inhaber des Landhandels hat auf Kontrakte verzichtet, die Situation ist ihm zu ungewiss. Deshalb ist er jetzt auf den Tagespreis seiner Lieferanten angewiesen.
Gülleausfuhr ausgebremst
Solange es jedoch noch so nass auf den Feldern sei, bräuchten die Landwirte in der Region keinen Dünger. Deshalb hofft Vosberg weiter, dass sich die Preise beruhigen. Auch Landwirt Frerichs hinkt mit dem Ausbringen der Gülle um mehrere Wochen hinterher. „Wir würden jetzt Flurschäden verursachen. Das würde am Ende noch mehr Kosten verursachen“, sagt der Landwirt. Seine Familie bewirtschaftet über 30 Hektar Land, sodass sie drei Früchte anbauen muss. Im vergangenen Jahr hatten Frerichs noch 2,2 Hektar Getreide und konnten dieses durch einen Vorkontrakt mit einem leichten Plus verkaufen. Doch durch die sandigen Böden baut der Landwirt lieber Mais an. Dieser wird dann ebenfalls an eine Biogasanlage verkauft.
Saatgut für Getreide und Getreide selbst sind ebenfalls sehr teuer geworden, erläutert Heiko Vosberg vom Landhandel. Im Großhandel gebe es beim Weizen eine über 50-prozentige Steigerung. Das werde sich auch auf Mehlpreise niederschlagen. „Angeblich gibt es zu wenig Getreide. Aber es wird auch viel spekuliert“, sagt Vosberg. Durch den Krieg in der Ukraine sei Panik an den Getreidemärkten ausgebrochen. „Die Preise sind sprunghaft hochgeschossen. Ob das so bleibt, müssen wir abwarten.“ Denn Russland und die Ukraine werden auch gerne als die Kornkammer Europas bezeichnet, sie liefern 30 Prozent der Erzeugnisse auf dem weltweiten Weizenmarkt.