Donezk

Donezk und Luhansk: Was Sie über die Separatistengebiete wissen müssen

DPA User, Anneke Petersen
|
Von DPA User, Anneke Petersen
| 22.02.2022 16:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Artikel teilen:

Im Russland-Ukraine-Konflikt spielen die von ukrainischen Separatisten selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk eine zentrale Rolle. Wo sind die Gebiete? Wie viele Menschen leben dort? Warum sind sie umkämpft? Alle Infos zu den Separatistengebieten im Überblick.

Die Lage im Russland-Ukraine-Konflikt spitzt sich zu: Am Montagabend hat Russlands Präsident Putin die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk als unabhängige Staaten anerkannt. Außerdem ordnete Putin per Dekret an, russische Truppen in den umkämpften Osten der Ukraine zu entsenden. Der Westen kritisierte Russlands Anerkennung der „Volksrepubliken“ scharf, der Schritt sei ein Verstoß gegen internationales Recht.

Am Dienstag besiegelten die pro-russischen Separatisten eine engere Zusammenarbeit mit Russland. Die Parlamente der Gebiete Donezk und Luhansk stimmten in getrennten Sitzungen einem Vertrag über „Freundschaft und Beistand“ zu. 

Im Video: Alle Informationen zu den Separatistengebieten Donezk und Luhansk

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine geht zurück auf einen Machtwechsel in der Ukraine und die Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014. Seitdem spielen auch die Städte Donezk und Luhansk in der ukrainischen Region Donbass an der Grenze zu Russland eine zentrale Rolle. Im April 2014 riefen pro-russische Separatisten in Donbass die „Volksrepublik“ Donezk aus. Kurz darauf folgte die Ernennung der „Volksrepublik“ Luhansk. Sie kontrollieren seitdem die Regionen und fordern die Unabhängigkeit von der Ukraine.

Vom Westen ausgerüstete ukrainische Regierungstruppen kämpfen seit 2014 gegen die von Russland unterstützte Separatisten in der Donbass-Region. Die Ukraine sieht die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk weiter als Teil ihres Staatsgebiets an. Vor der Anerkennung der „Volksrepubliken“ als unabhängige Staaten durch Russland hatten die pro-russischen Separatistenführer in den beiden Regionen Putin um Beistand im Kampf gegen die ukrainischen Regierungstruppen gebeten.

Das unter deutsch-französischer Vermittlung 2015 vereinbarte „Minsker Friedensabkommen“ sieht eine Wiedereingliederung der pro-russischen Separatistengebiete in die Ukraine mit weitreichender Autonomie vor. Der Friedensplan wird derzeit jedoch nicht umgesetzt. UN-Schätzungen zufolge wurden seit Beginn des Konfliktes in der Donbass-Region mehr als 14.000 Menschen getötet.

Die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk befinden sich in der Donbass-Region im Osten der Ukraine. Das von pro-russischen Separatisten kontrollierte Gebiet grenzt direkt an Russland. Die nach den Städten Donezk und Luhansk benannten „Volksrepubliken“ werden mit DNR und LNR abgekürzt. Sie machen laut der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) den kleineren Teil der ukrainischen Bezirke Donezk und Luhansk aus. Unklar sei derzeit, ob die Separatisten künftig die gesamten Bezirke beanspruchen werden.

Seit fast acht Jahren erleben die Einwohner in der Ostukraine bürgerkriegsähnliche Zustände. Ein UN-Bericht vom 28. Juli 2014 beschrieb einen „Zerfall von Recht und Ordnung“ sowie eine „Schreckensherrschaft“, die bewaffnete Gruppen auf die Bevölkerung in der Ostukraine ausüben würden. Zuletzt hatten Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) eine massive Zunahme von Schusswechseln festgestellt.

Die Einwohnerzahlen in den besetzten Gebieten sind seit 2014 stark zurückgegangen. Laut der „Süddeutschen Zeitung“ wohnten vor Beginn des Konfliktes 3,7 Millionen Menschen im Kohle- und Stahlrevier rund um Luhansk und Donezk. Irina Weretschuk, Vize-Premier­ministerin der Ukraine und Ministerin für die Re­in­te­gration der zeit­weilig besetzten Gebiete, gab die Einwohnerzahl kürzlich mit „grob geschätzt zwei Millionen“ an, wie die „FAZ“ berichtet. Rund 1,6 Millionen Menschen sind laut FAZ in andere Teile des Landes geflohen, zusätzlich vermutlich hunderttausende nach Russland und in andere Länder.

Ein Großteil der Bevölkerung in den „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk spricht russisch. Laut „Aljazeera“ ist die Ursache für den großen Anteil russischsprachiger Bewohnern, dass nach dem zweiten Weltkrieg zu Zeiten der Sowjetunion viele russische Arbeiter in das Gebiet entsandt wurden. Den russischsprachigen Bewohnern der Gebiete Donezk und Luhansk gewährt Moskau bereits seit 2019 trotz internationalen Protests die russische Staatsbürgerschaft. Russland hat nach Berichten der „FAZ“ großen Einfluss in den ukrainischen Separatistengebieten. Das Zahlungsmittel in den selbsternannten Volksrepubliken ist der russische Rubel.

Ähnliche Artikel