Osnabrück
Mit diesen Tipps durchstehen Anleger die Krise
Der Russland-Ukraine-Konflikt wirkt sich auch auf die Aktienmärkte aus. Für Anleger steigt das Verlustrisiko. Ein Überblick, was nun zu tun ist – und welche Fehler es zu vermeiden gilt.
Anleger sind in Aufruhr: Durch die Ukraine-Krise haben die Schwankungen an den Börsen deutlich zugenommen. Aktienkurse brachen ein, der Ölpreis schoss in die Höhe, ebenso der Preis für Gold, das als sicherer Hafen in Krisenzeiten gilt.
Gerade in solchen Situationen geraten Anleger schnell in Panik und laufen Gefahr, voreilige Entscheidungen zu treffen. Ein Überblick, was nun zu tun ist – und was man besser lassen sollte:
Kurschwankungen – nach oben wie nach unten − sind an der Börse normal. Das Problem dabei ist, dass viele Anleger damit nicht umgehen können. Viele können zwischenzeitliche Kursverluste nicht aushalten, verspüren Angst und lassen sich dazu verleiten, die Papiere vorschnell zu verkaufen, um Verluste zu begrenzen. Doch wer Aktien in dieser Zeit abstößt, macht damit mögliche aktuelle Buchverluste real. Zugleich gibt es keine Chance mehr, das Minus bei einer Erholungsbewegung wieder auszugleichen. Verkauft ist verkauft.
Anleger sollten sich deshalb durch die derzeitigen Kursbewegungen nicht verunsichern lassen, empfehlen Fachleute. „Trotz aller Unwägbarkeiten: Für Anleger mit einem gut und idealerweise global diversifizierten Portfolio ist es jetzt ratsam, Ruhe zu bewahren und den Reflex, in großem Stile zu verkaufen, unter Kontrolle zu halten“, schreibt Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ Bank, in seinem Blog.
So sollte eine Anlagestrategie immer auf lange Sicht, auf viele Jahre, ausgerichtet sein. „Wenn man sich vergangene Krisen und Kriege anschaut, hat es sich langfristig immer ausgezahlt, über die Sorgen der kommenden zwei oder drei Monate hinwegzusehen und langfristig zu planen“, so Kahler weiter.
Auch das Aktieninstitut weist immer wieder auf historische Daten hin, wonach sich ein langer Atem beim Investment in Aktien in der Regel auszahle. Eine oft zitierte Börsenweisheit lautet zudem: «Politische Börsen haben kurze Beine». Will sagen: Die Politik vermag es nicht, die Kapitalmärkte dauerhaft in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen.
Kurzfristig sollten Anleger entsprechend die Finger vom Aktiendepot lassen. Langfristig können Krisen Anlass sein, um das Depot einer grundsätzlichen Prüfung zu unterziehen. Kann ich mit der Risikoaufteilung gut leben? Oder bereitet es mir in Krisen wie der aktuellen schlaflose Nächte?
Klar ist, Mehrrendite gibt es nur mit Mehrrisiko, sprich je größer der Anteil Aktien im Depot ist. Wer jedoch beim Anblick des aktuellen Verlusts nervös wird, sollte weniger auf die Börse setzen und stattdessen einen größeren Teil in sichere Anlagen investieren, raten Experten. So gilt Gold vielen Anlegern als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten. Es verliert trotz Preisschwankungen seinen Wert nie ganz. Der Nachteil: Für Gold gibt es weder Zinsen noch Dividenden. Die Rendite lässt sich letztlich nur durch Verkauf bei einem steigenden Goldpreis erzielen.
Zudem raten Experten zu einem gleichmäßigen Vermögensaufbau etwa über Sparpläne. Die Sorge vor heftigen Kursbewegungen in Krisenzeiten ist dann unbegründet, weil der sogenannte Cost-Average-Effekt zum Tragen kommt: Wer regelmäßig über einen Sparplan eine feste Summe beispielsweise in ETFs investiert, erhält bei fallenden Kursen mehr Anteile, während er bei steigenden Kursen eine geringere Anzahl an Papieren kauft. Über einen längeren Zeitraum betrachtet zahlen Anleger so häufig einen günstigen Durchschnittspreis für die Anteile.
Zu den vergleichsweise sicheren Anlagen zählen der Fondsgesellschaft DWS zufolge derzeit Aktien aus den USA und Japan sowie den Branchen Gesundheitswesen und Basiskonsumgüter. Ölabhängige Werte sollten zudem von anhaltend hohen Preisen profitieren.
Die Börsenkurse haben sich in der jüngeren Vergangenheit tendenziell gut entwickelt. Vielen erschienen manche Aktien daher teuer. Geben die Kurse jetzt aktuell nach, können Anleger das für sich nutzen: «Bei guten Unternehmen können Schwächephasen ein Anlass zum Nachkaufen sein», sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Viele Anleger schwören in Krisenzeiten auf sogenanntes „market-timing“ und versprechen sich durch Investitionen im richtigen Moment vervielfachte Gewinne. Doch Vorsicht: Selbst die Profis tun sich mit dem richtigen Zeitpunkt für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren schwer.
„In der Rückschau lässt sich mit dem richtigen Timing unglaublich viel Geld verdienen. Aber leider kann niemand seriös den perfekten Zeitpunkt für den Kauf von Aktien für die Zukunft vorhersagen“, sagte Claus Walter, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Freiburger Vermögensmanagement gegenüber „Welt“. Stattdessen erfolgen Aktienkäufe oftmals zu früh, Verkäufe zu spät. Anleger realisieren damit Kursverluste, die sie bei ruhiger Strategie hätten vermeiden können.