Aurich
Aurich: Bauland zum Schnäppchenpreis
Seit Jahren tut sich nichts auf dem ehemaligen Holert-Gelände an der Großen Mühlenwallstraße in Aurich. Nun soll gebaut werden – und die Stadt Aurich verzichtet auf Geld.
Aurich - Zu einem günstigen Preis will die Stadt Aurich Teile des ehemaligen Holert-Geländes an der Großen Mühlenwallstraße verkaufen. Die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) muss für einen Teil des Geländes laut einer Beschlussvorlage nur 200 Euro pro Quadratmeter bezahlen. Für 118.000 Euro erhält das landeseigene Unternehmen so ein 590 Quadratmeter großes Grundstück an der Wallstraße. Mit dem Handel wird ein Plan aus dem Jahr 2017 aufgegeben. Damals wollte die NLG an der Stelle zwei Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 1250 Quadratmetern erwerben. Laut der damaligen Beschlussvorlage, unterzeichnet noch von Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst, wären damals sogar 217 Euro pro Quadratmeter fällig gewesen. Das Grundstück ist im Verlauf der vergangenen fünf Jahre also günstiger geworden.
Wohlgemerkt: Bei beiden Preisangaben handelt es sich um den „sanierungsbedingten Bodenendwert“. Das heißt, die Wertsteigerung der Grundstücke durch die Innenstadtsanierung ist bereits mit einbezogen worden.
Gutachterausschuss nennt höhere Preise
Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte Aurich gibt auf seiner Homepage für ganz Niedersachsen Baulandpreise an. Zum Stichtag 1. Januar liegt das Grundstück, das nun die NLG kaufen will, demnach bei einem Bodenrichtwert von 220 Euro pro Quadratmeter. Explizit wird darauf hingewiesen, dass es sich bei diesem Preis um einen „sanierungsunbeeinflussten Bodenrichtwert“ handelt. Das bedeutet, dass die Wertsteigerung durch die Innenstadtsanierung noch nicht einbezogen worden ist.
Ursprünglich sollte zwischen Großer Mühlenwallstraße und Wallstraße ein eigenes Quartier mit grünem Innenhof und Parkmöglichkeiten unterhalb der Häuser entstehen. Passiert ist noch nichts. Die NLG will auf dem ersten Grundstück nun zunächst Eigentumswohnungen bauen. Auf einer Fläche von 590 Quadratmetern soll ein Gebäude mit sieben Eigentumswohnungen entstehen. Das ist von den großen Plänen der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) übrig geblieben. Ursprünglich sollten rund doppelt so viele Wohnnungen entstehen. Von Parkplätzen im Souterrain war auch die Rede, damit mehr Platz für Grünflächen bleibt. Das ist laut Jacobus Penning, Leiter der Auricher NLG-Geschäftsstelle, nun nicht mehr vorgesehen. Die Autos, sagt er auf ON-Anfrage, kämen nun hinter das Haus.
CDU-Ratsherr von Vorlage erstaunt
Das Grundstück, das nun bebaut werden soll, wird die Fassade an der Wallstraße haben (jetzt Hausnummern 20-24). Es wird ein Haus sein, dass aussehen soll wie drei Stadthäuser. Im zweiten Quartal dieses Jahres, also ab April, soll der Baustart erfolgen. Im kommenden Jahr werden die Eigentumswohnungen mit einer Größe von 65 bis 75 Quadratmeter dann fertig sein.
Ein Zeitplan, der Bodo Bargmann erstaunt. Der CDU-Ratsherr war lange Zeit Vorsitzender des Sanierungsausschusses der Stadt Aurich und kennt die Verhandlungen über das Holert-Gelände. Die neue Vorlage mit dem günstigen Kaufpreis sei bislang noch nicht angesprochen geschweige denn von der Politik diskutiert worden. „Ich war von der neuen Vorlage sehr überrascht“, so Bargmann. Dementsprechend habe er auch noch einige Fragen, ehe er dem neuen Vorschlag der Verwaltung zustimmen könne. Denn der Verkauf nur dieser Teilfläche sei nie erwähnt worden. Auch die Tatsache, dass die Stadt nun wieder für den Abriss der Gebäude sorgen müsse, sei neu.
Bislang war vorgesehen, dass die NLG den Abriss der Gebäude auf dem Holert-Gelände und dem benachbarten Grundstück an der Wallstraße übernimmt. Nun will die Stadt das wieder selbst erledigen, da der größte Teil des Holert-Geländes, auf dem zeitweise auch die DRK-Kreisbereitschaft untergebracht war, vorerst weiter unbebaut bleibt. Das DRK musste schon 2018 sehr zügig das Gelände verlassen, weil damals angeblich Abriss und Neubau unmittelbar bevorstanden. Geschehen ist nichts. Stattdessen „wirkt (die NLG) seit Jahren an der möglichen Entwicklung der Flächen im Bereich zwischen der Wallstraße und der Großen Mühlenwallstraße mit“, wie es in den Beschlussvorlagen 2017 und 2022 heißt. Auf ON-Anfrage war am Dienstagnachmittag von der Stadtverwaltung keine Stellungnahme zu bekommen. Weder zu den Plänen für das gesamte Quartier zwischen Wallstraße und Großer Mühlenwallstraße noch zur Preisgestaltung konnte Auskunft gegeben werden.