Brookmerland

Fragezeichen hinter geplantem Kunstrasen

| | 18.02.2022 20:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
CDU-Ausschussmitglied Heiko Poppinga (von links) hinterfragte die Anträge der Grünen-Vertreter Renate Erdt und Hans-Reiner Stroman kritisch. Foto: Thomas Dirks
CDU-Ausschussmitglied Heiko Poppinga (von links) hinterfragte die Anträge der Grünen-Vertreter Renate Erdt und Hans-Reiner Stroman kritisch. Foto: Thomas Dirks
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Die Brookmerlander Grünen fordern eine ökologische Ausrichtung des neuen Sportplatzes. Im neuen Klima-Ausschuss sorgte das für kritische Töne.

Brookmerland - Mehr Öko auf dem neuen Brookmerlander Sportplatz – in der ersten Sitzung des neu gebildeten Fachausschuss für Klima-, Umwelt- und Artenschutz am Donnerstag in Marienhafe sorgte der Vorstoß der Brookmerlander Grünen für die erwarteten kritischen Anmerkungen.

Wie in dieser Woche berichtet, fordert die zweiköpfige Fraktion der Umweltpolitiker im Rat der Samtgemeinde fordert, die geplante zentrale Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe „ökologisch auszurichten“. Die Anlagen nördlich des Baggersees sollten nach „höchstmöglichen ökologischen Standards“ geplant, erstellt und betrieben werden, heißt es in einem Antrag, den Fraktionschef Renate Erdt im Ausschuss vorgestellte. „Der neue Sportplatz soll ein ökologisches Musterprojekt werden“, sagte sie. In ihrem Antrag hinterfragen die Grünen auch den von Fußballern seit Jahren gewünschte Kunstrasenplatz. Dessen Notwendigkeit sei zu überprüfen, heißt es in dem Papier. „Man sollte sicher sein, dass man ihn braucht“, sagte Erdt und bemühte Anglizismen: Zu fragen sei, ob ein Kunstrasenplatz ein „Must-have“ oder ein „Nice-to-have“ sei. Gemeint war: Ist ein Kunstrasenplatz dingend erforderlich oder einfach nur schön zu haben.

Kunststoff: Segen und Fluch

Sie wolle nicht sagen, dass ein Kunstrasen nicht sein solle, sagte Erdt. Inzwischen aber wisse man, dass Kunststoff nicht nur Segen, sondern auch Fluch für die Umwelt sei. Diese Erkenntnisse seien zu berücksichtigen, forderte die Grünen-Fraktionchefin. „Auch, wenn ich damit jetzt einige Sportler ärgere.“ Konkret wird in dem Antrag gefordert, dass „Materialien höchsten ökologischen Standards“ verwendet werden und Partikelfilter für Mikroplastik zum Einsatz kommen, wenn Kunststoffe verbaut werden.

„Alte geschredderte Autoreifen soll es auf einem Kunstrasenplatz im Brookmerland nicht geben“, versicherte Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (SPD). Heiko Poppinga (CDU) befürchtete zusätzliche Kosten und zeitliche Verzögerungen, sollten die von den Grünen gestellten Bedingungen bezüglich einer ökologischen Ausrichtung erfüllt werden. Auch stellte Poppinga die Frage nach dem „ökologischen Fußabdruck“ der neuen zentralen Sportstätte nördlich des Naherholungszentrums in Marienhafe-Tjüche, mit der immerhin einiges an bisher freier Fläche versiegelt werde. „Wäre es da nicht doch kostengünstiger und ökologischer sinnvoller gewesen, das vorhandene Sportzentrum in Upgant-Schott zu sanieren?“, fragte der CDU-Ratsherr. Ihm pflichtete Ida Bienhoff-Topp bei. Für den Fall, dass die Forderungen der Grünen umgesetzt werden sollten, sah sie die Notwendigkeit „einer völlig neuen Planung“. „Dann müsste alles noch einmal auf den Prüfstand“, sagte sie.

Johann Jungvogel (BWG, links) leitete die erste Sitzung des neuen Ausschusses für Klima, Umwelt- und Artenschutz. Hier erteilte er Verwaltungschef Gerhard Ihmels das Wort. Foto: Thomas Dirks
Johann Jungvogel (BWG, links) leitete die erste Sitzung des neuen Ausschusses für Klima, Umwelt- und Artenschutz. Hier erteilte er Verwaltungschef Gerhard Ihmels das Wort. Foto: Thomas Dirks

Auf dem ökologischen Prüfstand

Auf den ökologischen Prüfstand kämen die neuen Sportanlagen ohnehin, stellte Erdt fest. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung werde vorausgesetzt. Sie glaube nicht, dass eine ökologisch ausgerichtete Anlage teurer werde. Viele von den Grünen geforderte Standards würden ohnehin schon berücksichtigt, sagte Ihmels. „Verzögerungen und Extra-Schritte“ seien nicht zu erwarten. Alle überzeugte das nicht. „Das ist mir zu speziell. Ich bin raus“, sagte Poppinga und stimmte gegen den Grünen-Antrag. Ausschussvorsitzender Johann Jungvogel (BWG) enthielt sich. SPD/Moin und Grüne stimmten dafür.

Zur Erinnerung: Um das Thema Sportstätte wird seit Monaten gestritten. CDU, BWG, BfB und SEB wollen das alte Sportzentrum in Upgant-Schott kostengünstig sanieren lassen. SPD und Moin, die seit der Septemberwahl die Mehrheit im Rat haben, und die Verwaltung favorisieren eine neue zentrale Sportstätte in Marienhafe. Jüngsten Berechnungen der Verwaltung zufolge müssten für die Sanierung des bestehenden Sportzentrums in Upgant-Schott rund 5,7 Millionen Euro aufgewendet werden. Der Bau eines neuen Sportplatzes in Marienhafe soll rund 5,5 Millionen Euro kosten. In beiden Fällen wird mit einer Förderung des Bundes in Höhe von knapp 2,5 Millionen Euro gerechnet.

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