Aurich
Entwässerungsverbände kämpfen mit den Wassermengen
An der Küste drohen Sturmfluten, im Binnenland Starkregen: Die Entwässerungsverbände haben während des Sturmtiefs „Zeynep“ viel zu tun. Die Pumpen sind dabei aber teilweise veraltet.
Aurich - Sturmflut-Gefahr an der Küste, Starkregen im Binnenland: Die Entwässerungsverbände haben zurzeit einiges zu tun. „Es ist ein Kampf im Moment“ sagte Verbandsingenieur Adolf Wilken vom Entwässerungsverband Oldersum am Freitag. Durch den hohen Wasserstand in der Nordsee können die Siele nur begrenzt Wasser aus dem Binnenland ins Meer ableiten. „Und in den Ruhephasen zwischen den Sturmfluten gibt es wieder Regen im Binnenland“, so Wilken. Der Boden ist nach dem Regen in den vergangenen Tagen außerdem voll gesättigt und kann kein Wasser mehr aufnehmen. Auch die Kanäle im Binnenland füllen sich zunehmend. Die Entwässerungsverbände setzen Pumpen ein, um „Land unter“ zu vermeiden. „Das ist aber weniger effektiv als über die Siele“, erklärt Wilken.
Die Entwässerungsverbände hoffen, dass das Sturmtief „Zeynep“ nicht allzu viel Wasser mit sich bringt und zwischendurch die Möglichkeit besteht, durch die Siele Wasser in die Nordsee abzulassen. Außerdem ist auch die Windrichtung entscheidend. Kommen die Sturmböen aus Richtung Nordwest, drücken diese das Wasser ins Binnenland. Die Wassermengen können dann nicht richtig ablaufen. Der Wetterdienst sagte am Freitag Wind aus südwestlicher, später aus westlicher Richtung voraus. „Wir dürfen also berechtigt darauf hoffen, dass es nicht so schlimm wird wie 1962“, meint Reinhard Behrends, Obersielrichter des Entwässerungsverbandes Emden. Denn genau vor 60 Jahren traf eine Jahrhundert-Sturmflut die Nordseeküste.
Pumpen sind generalüberholt, aber alt
Seitdem hat sich bei der Entwässerung einiges getan. Generell sind viele Siel- und Schöpfwerke aber in die Jahre gekommen. „Die jüngsten Pumpen im Siel- und Schöpfwerk Knock sind 50 Jahre alt“, so Reinhard Behrends. Zudem sind viele Schöpfwerke über 100 Jahre alt. Zwar wurden die Pumpen regelmäßig generalüberholt. „Letztlich bleiben sie aber alt. Wir müssen für die Zukunft auch an Neubauten denken“, meint Behrends. Im März sei auch ein Treffen mit dem niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD) geplant. Im Gespräch ist ein „Generalplan Binnenentwässerung.“ Beim aktuellen Sturmtief „Zeynep“ muss aber noch das bestehende System greifen.
Trotz der angespannten Lage gehen die Entwässerungsverbände das Sturmtief ruhig an. „Die Natur sitzt am längeren Hebel“, meint Behrends. Mehr als Abwarten können die Entwässerungsverbände nicht mehr tun. Um sich auf das Sturmtief vorzubereiten, hat der Entwässerungsverband Aurich bereits einige Tage vorher die Wasserstände in der Sandhorster Ehe sowie im Abelitz-Moordorf-Kanal gesenkt. „So haben wir einen kleinen Puffer geschaffen“, erklärt Helmut Schneider, Verbandsvorsteher des Entwässerungsverbands Aurich. Irgendwann seien die Kapazitäten aber voll – dann lässt sich nicht mehr viel machen.
Weniger angespannt ist die Lage im Gebiet des Entwässerungsverbands Norden. Hier fiel teilweise weniger Regen als in den umliegenden Gebieten. Außerdem sieht sich der Verband technisch gut gerüstet, wie Johann Oldewurtel, Rendant beim Entwässerungsverband Norden, sagt. Außerdem kann der Verband Wasser in ein Verbindungsbecken zwischen Leybuchtsiel und Greetsiel pumpen, dass von der Nordsee abgetrennt ist. „Wir müssen also nicht gegen das Hochwasser anpumpen“, so Oldewurtel.