Osnabrück

Steigende Energiepreise: Welche Heizung lohnt sich?

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 17.02.2022 18:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hohe Heizkosten: Weil die Preise immer weiter steigen, drehen in diesem Winter viele die Heizung runter. Foto: Imago Images
Hohe Heizkosten: Weil die Preise immer weiter steigen, drehen in diesem Winter viele die Heizung runter. Foto: Imago Images
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Weil der Krieg in der Ukraine die Energiepreise immer weiter steigen lässt, denken manche Hausbesitzer über Alternativen zur Gas- und Ölheizung nach. Welche gibt es? Und wie günstig lässt sich damit heizen?

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine lässt die Energiepreise massiv steigen. Gas und Öl haben sich stark verteuert, die Folgen sind für Verbraucher unter anderem beim Heizen zu spüren.

Manche Hausbesitzer sehen sich nach Alternativen zur Öl- oder Gasheizung um. „Ob sich ein Wechsel lohnt und welche Möglichkeiten man hat, hängt unter anderem vom Energieverbrauch ab, dem Alter des vorhandenen Heizkessels, von den Brennstoffkosten und der Hausdämmung“, sagt Thomas Zwingmann, Energieberater bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

So sei eine thermische Solaranlage relativ teuer und nur bei größeren Haushalten ab vier Personen finanziell interessant. Die Investitionskosten einer Anlage für die Warmwassererwärmung liegen laut Zwingmann bei ca. 5000 bis 8000 Euro. Soll sie zusätzlich auch zur Heizungsunterstützung dienen, können die Kosten bis zu 12.000 Euro betragen. Allerdings gibt es einen Zuschuss vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die jährlichen Wartungskosten liegen bei 80 bis 120 Euro.

Unabhängig vom Gas sei man damit aber noch nicht. Da Sonnenenergie nicht gleichmäßig übers Jahr verteilt verfügbar ist, sei Solarthermie immer nur ein zusätzliches System, das den Gasverbrauch um etwa 20 Prozent verringern kann. Ein Hauptheizkessel werde weiterhin benötigt.

Eine andere Option ist das Heizen mit Holzpellets, um klimaneutral Wärme zu erzeugen. Der Vorteil: Holz ist ein nachwachsender Brennstoff. „Zudem hat man hier lokale Lieferbeziehungen, ohne weltweit agierende Konzerne“, sagt Zwingmann.

Der Haken: Ein Holzpelletkessel ist in der Anschaffung teuer, mit bis zu 25.000 Euro müssten Verbraucher rechnen, schätzt Zwingmann. Zudem werde für die Pellets ein trockener Lagerraum benötigt. Auch müsse die Asche fünf bis sechs Mal im Jahr entsorgt werden und Betriebsstörungen seien durch festsitzende Pellets möglich. Immerhin: Bei einer Umrüstung von einer Ölheizung zu einer Pelletheizung fördert die BAFA das Vorhaben mit bis zu 45 Prozent der Gesamtkosten.

Ob Holzpelletheizungen schließlich einen Preisvorteil bieten, hängt auch von der Preisentwicklung der Pellets ab. In den letzten Jahren war der Preis zwar stabil. Zuletzt aber hat die starke Nachfrage nach Holz als Baumaterial auch die Preise für Holzpellets nach oben getrieben. Dem Onlineportal heizpellets24.de zufolge lag der Preis für eine Tonne Holzpellets Mitte Juli 2021 noch knapp unter 200 Euro je Tonne. Aktuell sind es rund 345 Euro pro Tonne.

Ein Vier-Personen-Musterhaushalt in einem Einfamilienhaus – bei dem man von einem Verbrauch an Pellets von rund 4.000 Kilogramm pro Jahr ausgeht – müsste demnach aktuell mit Heizkosten in Höhe von rund 1380 Euro rechnen.

Eine Wärmepumpe hingegen befördert Wärme aus der Außenluft, dem Grundwasser oder dem Erdreich ins Haus herein. Damit sie möglichst effizient laufen kann, also mit möglichst wenig Strom möglichst viel Wärme gewinnen kann, müssen die Räume mit einer möglichst niedrigen Vorlauftemperatur ausreichend warm werden. Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, welche das Heizwasser vor Einlaufen in die Heizkörper benötigt. Für einen effizienten Betrieb sollte die Vorlauftemperatur bei höchstens 50 Grad liegen.

„Hierfür müssen die Rahmenbedingungen des Hauses passen, indem zum Beispiel die Heizflächen so groß sind, dass die Vorlauftemperatur der Heizung maximal 50 Grad beträgt", sagt Verbraucherschützer Zwingmann. „Passt das Gebäude zu einer Wärmepumpe, ist die Wärmepumpe eine sehr effiziente Möglichkeit zu heizen, da nur etwa ein Viertel bis ein Drittel der Energiemenge benötigt wird, wie beim Heizen mit anderen Energieträgern.“ Komme zudem der Strom für die Wärmepumpe aus erneuerbaren Energien, habe man damit ein Heizsystem, was im Betrieb komplett ohne CO2-Emissionen laufen könne.

Die Kosten für Luftwärmepumpen liegen laut Verbraucherzentrale inklusive Installation bei 20.000 bis 25.000 Euro. Erdwärmepumpen sind mit 15.000 bis 20.000 Euro etwas günstiger, allerdings kommen hier noch Kosten für die Erdbohrung hinzu, und es muss ausreichend Platz vorhanden sein.

Statt für Gas zahlt der Verbraucher für Strom. Aus dem kann Experten zufolge eine Luft-Wärmepumpe pro Kilowatt Strom dreimal bzw. eine Erdwärmepumpe viermal so viel Energie erzeugen.

Wer zudem mit einer Wärmepumpe heizt, kann unter bestimmten Bedingungen spezielle Stromtarife nutzen – sie sind im Schnitt 22 Prozent (etwa sechs Cent je Kilowattstunde) günstiger als gewöhnlicher Strom für den Haushalt. Allerdings sind zuletzt auch die Preise für Wärmepumpenstrom gestiegen. Dabei verbraucht eine Wärmepumpe in Deutschland durchschnittlich rund 5.500 Kilowattstunden Strom im Jahr. Damit lässt sich ein durchschnittlich gedämmtes Haus mit rund 180 Quadratmetern Wohnfläche komplett beheizen.

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