Aurich
Tritte und Drohungen: Gewalt gegen Polizisten nimmt zu
Gewaltausbrüche gegen Polizeibeamte haben zugenommen. Auch Polizisten der Inspektion Aurich/Wittmund geraten häufig in gefährliche Situationen. Eine Gruppe Angreifer fällt dabei besonders ins Auge.
Aurich - Immer wieder kommt es am Rande von Corona-Demonstrationen zu Gewaltausbrüchen. Polizisten werden beleidigt und bedroht. Auch fernab von der Pandemie fürchten die Beamten häufiger um ihr Leben. Bei den sogenannten Spaziergängen im Landkreis Aurich ist es bisher friedlich geblieben. Gelbe Sterne oder ähnliche Symbole, die mittlerweile per Erlass des Innenministeriums verboten worden sind, wurden bei Versammlungen bislang nicht festgestellt. Doch auch jenseits der Corona-Demonstrationen sind die Polizisten der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund vermehrt mit Gewaltausbrüchen konfrontiert, wie Sprecherin Wiebke Baden schildert. So gebe es regelmäßig körperliche oder bewaffnete Angriffe auf die Beamten. „Im Schnitt kommt es etwa 30 Mal pro Jahr zu entsprechenden Attacken, meist sind die Angreifer dabei männlich und alkoholisiert, aber in Einzelfällen handelt es sich auch um Frauen“, beschreibt die Sprecherin. Beleidigungen und Bedrohungen, die deutlich aus dem Rahmen des Erträglichen fallen würden, gehören sogar zum „täglichen Geschäft“: „Wir verzeichnen im Schnitt etwa 40 bis 50 Strafverfahren wegen Beleidigung oder Bedrohung von hiesigen Mitarbeitern.“
Meist handele es sich um Angriffe im Zusammenhang mit Einsätzen von häuslicher Gewalt, alkoholisierten Ruhestörern oder Veranstaltungen wie Schützenfesten. In der Regel sind es Schläge und Tritte, vereinzelt auch Angriffe mit Flaschen, Schlagwerkzeugen oder Wurfgegenständen, nennt Baden einige Beispiele. Nicht jede Beleidigung werde auch angezeigt: „In Ausnahmesituationen von Menschen kann man nicht alles auf die Goldwaage legen.“ Jedoch müssten die Beamten sich oft sehr vulgäre Beleidigungen unter der Gürtellinie anhören, die völlig inakzeptabel sind. „Nicht selten wird ihnen gedroht, sie auf dem Heimweg abzufangen oder ihr Haus anzuzünden“, so die Sprecherin. Bedenklich zugenommen habe auch die Zahl der Einsätze mit psychisch kranken und zum Teil bewaffneten Personen, die unvermittelt die Polizei oder Dritte angreifen. Genaue Zahlen für das vergangene Jahr kann Baden noch nicht nennen, sie werden derzeit für die jährliche Polizeistatistik eruiert.
Zuspruch aus der Bevölkerung hilft Beamten
Um sich auf Gewaltausbrüche vorzubereiten, werden diese Situationen schon im Studium trainiert und besprochen. „Dazu gehört das Selbstverteidigungs- sowie das deeskalierende Kommunikationstraining“, sagt Baden. Jedoch gebe es immer wieder Fälle, in denen eine Kommunikation aufgrund von Sprachbarrieren, Alkohol- beziehungsweise Drogeneinfluss oder psychischen Störungen des Angreifers nicht zur Beruhigung der Lage beitragen kann. „Dann müssen die Beamten angemessene Zwangsmittel anwenden, bei denen automatisch ihre Eigengefährdung steigt“, beschreibt die Sprecherin.
Nach besonders belastenden Situationen durch Verletzungen oder Waffeneinsatz gibt es für die Beamten Angebote einer internen Beratungsstelle. Wichtig sei zudem das Training zur Gefahrenerkennung: An bestimmten Verhaltensmustern soll eine potenziell drohende Gewalttat erkannt werden, um im Vorfeld angemessen reagieren zu können. „Oftmals hilft aber auch das Gespräch mit Kollegen und Vorgesetzten“, sagt Baden. Hilfreich sei zudem der Zuspruch aus der Bevölkerung und der Politik: „Viele positive Momente und Erlebnisse im Berufsalltag überwiegen“, so die Sprecherin.