Aurich
Pro und Kontra: Bier erst ab 18 Jahren
Die Altersgrenze für Alkoholkonsum könnte demnächst angehoben werden. Zwei Jugendliche aus dem Kreis Aurich sind darüber geteilter Ansicht – und kommen dennoch auf einen gemeinsamen Nenner.
Aurich - Ein Glas Sekt hier, ein Bier dort – für viele Menschen gehört Alkohol spätestens ab dem 16. Lebensjahr dazu. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert, fordert nun, dass Alkohol erst ab 18 Jahren konsumiert werden darf. Die ON haben zwei Jugendliche gefragt: Sollte Alkohol an unter 18-Jährige ausgeschenkt werden? Jana Paskert (17 Jahre, Aurich) ist eher für ein Verbot, Marie Krallmann (16 Jahre, Großefehn) dagegen.
Jana Paskert: Die deutliche Mehrheit der Jugendlichen hat sich sicherlich gut im Griff. Aber manche unter 18-Jährige können die Wirkung von Alkohol noch nicht gut einschätzen. Man sollte sie schützen. Im schlimmsten Fall landen sie mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Ärzte und Pfleger müssen sich um sie kümmern. Für andere Patienten, die Hilfe dringend brauchen, ist dann vielleicht weniger Zeit und Platz übrig. Mit 18 Jahren ist man in der Regel verantwortungsbewusster und kann sich selbst besser einschätzen.
Würden weniger Menschen unter 18-Jahren anfangen zu trinken, würden weniger im Alter alkoholabhängig sein. Alkohol kann auf Dauer verschiedene Krankheiten verursachen. Auch das belastet unser Gesundheitssystem und damit die ganze Gesellschaft.
An das Verbot muss man sich natürlich erst gewöhnen. Beim Tabak war das ähnlich. 2007 wurde die Altersgrenze von 16 auf 18 erhöht. Seitdem ging der Anteil der rauchenden Jugendlichen zurück.
Marie Krallmann: Auch ohne Verbot ging der Alkoholkonsum bei Jugendlichen in den vergangenen Jahren zurück. Sie scheinen also ein Bewusstsein dafür entwickelt zu haben. Jugendliche haben sich selbst besser unter Kontrolle und wissen ebenfalls besser, in welchem Maße sie Alkohol trinken können.
Dass ein Verbot nicht unbedingt etwas bringt, sieht man daran, dass auch unter 16-Jährige schon Alkohol trinken. Das Problem ist eher, wie leicht er zugänglich ist. In Geschäften kann man das Alter zwar kontrollieren, aber man kann auch einfach erwachsene Freunde um Hilfe bitten oder sogar Alkohol im Internet bestellen. Das ist heute viel einfacher als noch vor ein paar Jahren. Vor allem machen Verbote bei Jugendlichen erst den Reiz aus.
Das Verbot würde vor allem Bier und Wein treffen. Im Vergleich haben diese Getränke aber einen relativ geringen Alkoholgehalt. Jugendliche können damit erstmal ein Gefühl für die Wirkung von Alkohol bekommen. Wenn man erst mit 18 anfängt, glaube ich nicht, dass viele dann erst mit Bier und Wein anfangen werden, sondern vielleicht gleich bei Hochprozentigem einsteigen.
Jana Paskert: Viel besser wäre es, wenn man ein Verbot gar nicht erst bräuchte. Es sollte das allerletzte Mittel bleiben. Alkohol ist ein Genussmittel und gehört für viele zu einem Treffen mit Freunden dazu. Ein Verbot wäre für die Extremfälle wohl gut – aber das wäre kaum umsetzbar. Wenn das Verbot käme, wären alle wegen ein paar wenigen betroffen.
Marie Krallmann: Ein Verbot wäre gar nicht nötig, wenn es für Jugendliche mehr Freizeitangebote gäbe. So käme weniger Langeweile auf. Wenn man am nächsten Tag Fußballtraining hätte, ist das Team auf einen angewiesen. Da überlegt man sich zweimal, ob die Flasche Bier wirklich sein muss. Auch in der Schule sollte mehr über die Folgen von Alkohol aufgeklärt werden. Am besten so früh wie möglich, schon in der sechsten oder siebten Klasse. Viele fangen dann an, ihre ersten Erfahrungen mit Alkohol zu machen.