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Äußerung über tote Kinder: Karin Prien deaktiviert Twitter-Account

Gerrit Hencke, DPA User
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Von Gerrit Hencke, DPA User
| 14.02.2022 11:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien wird für einen Tweet über Covid-19 bei Kindern angefeindet. Foto: dpa/Marcus Brandt
Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien wird für einen Tweet über Covid-19 bei Kindern angefeindet. Foto: dpa/Marcus Brandt
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Karin Prien äußerte sich bei Twitter über an Covid-19 gestorbene Kinder und wurde dafür heftig angefeindet. Als Konsequenz zieht die Politikerin sich von der Plattform zurück.

Wegen einer Äußerung auf Twitter entlädt sich ein „Shitstorm“ gegen die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Karin Prien. Jetzt hat Schleswig-Holsteins Bildungsministerin offenbar ihren Twitter-Account deaktiviert und geht so weiteren Anfeindungen aus dem Weg.

Eine Twitter-Nutzerin hatte geschrieben: „Wir haben in den letzten 4 Wochen 17 tote Kinder gehabt. 17 – in VIER Wochen. Und es geht immer schneller. Bis Oktober 21 hatten wir 27 tote Kinder, seit Oktober 38. Also in 4,5 Monaten mehr als in 18 Monaten. Insgesamt sind 65 Kinder verstorben. FÜNFUNDSECHZIG.“

Daraufhin erwiderte Prien am Freitagabend bei dem Kurznachrichtendienst: „Bitte differenzieren: Kinder sterben. Das ist extrem tragisch. Aber sie sterben mit COVID_19 und nur extrem selten wegen COVID_19.“

Diese Antwort zog zahlreiche – teils auch beleidigende – Reaktionen nach sich. Viele warfen der Politikerin Empathielosigkeit vor und verlangten eine Entschuldigung. Der Hashtag #Prienruecktritt trendete. Jetzt hat Prien die Reißleine gezogen.

Von ihrem Standpunkt scheint die Bildungsministerin indes nicht abzurücken. In einem von Ministeriumssprecher David Ermes veröffentlichten Statement zur Deaktivierung des Accounts geht sie auf ihre umstrittene Äußerung nicht weiter ein.

Demnach benötigt Prien Bedenkzeit, ob sie Twitter als Kommunikationsmedium weiter nutzen möchte. Kritik übt sie an der Debattenkultur im Netz. „Bei meinen vielen Terminen im Land, in den Schulen, mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedenster Interessen erlebe ich eine andere Kultur. Auch kritisch und mit anderen Vorstellungen von den richtigen Lösungen, aber zivilisiert und mit Respekt im Umgang und an guten Lösungen interessiert“, wird Prien zitiert. Ermes ließ unter dem Post keine Kommentare zu.

Unterdessen geht die Kritik auch ohne Prien weiter – teilweise reagiert die Twitter-Community mit Humor auf die Deaktivierung des Accounts.

Andere werfen Prien vor, sich der Verantwortung und Diskussion zu entziehen.

Hintergrund der Aussage sind Forderungen nach Lockerungen der Corona-Maßnahmen an Schulen. „Wir müssen raus aus einer Kultur der Angst an den Schulen“, sagte die CDU-Politikerin der „Bild“-Zeitung (Samstag).

Wenn ab Mitte Februar, Anfang März geöffnet werde, müsse auch an Schulen gelockert werden.„Sport und Musikunterricht muss wieder in vollem Umfang stattfinden. Das Testen muss schrittweise enden. Spätestens Ende März reichen wahrscheinlich auch zwei Tests pro Woche“, zitiert das Blatt die Ministerin. Schrittweise müsse die Testpflicht zur „Testmöglichkeit“ werden. Auch die Maskenpflicht müsse nach und nach fallen, zuerst im Klassenraum am Platz, dann im Gebäude.

Priens Begründung: Der Höhepunkt der Omikron-Welle sei in ersten Bundesländern wie Schleswig-Holstein, Berlin, Bremen und Hamburg bereits überschritten. „Das zeigt sich erfreulicherweise auch in den rückläufigen Infektionszahlen bei den 5- bis 18-Jährigen.“

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, hatte hingegen gesagt, die Omikronwelle habe den Schulbetrieb nach wie vor fest im Griff. Die Infektionszahlen dürften nicht durch zu frühe Lockerungen nochmals hochgetrieben und dadurch der flächendeckende Präsenzunterricht erneut gefährdet werden.

Zahlen der Kultusministerkonferenz zufolge waren in der vergangenen Woche in Deutschland etwa sechs Prozent der Schülerinnen und Schüler und rund drei Prozent der Lehrkräfte entweder infiziert oder in Quarantäne. Auch einige Schülervertreter hatten mit einem offenen Beschwerdebrief und einer Internetaktion unter dem Motto #WirWerdenLaut der Politik einen „Durchseuchungsplan“ vorgeworfen.

Sie sprechen sich gegen die Präsenzpflicht aus und fordern kleinere Lerngruppen, PCR-Pooltests und Luftfilter in allen Schulen. Prien hatte sich danach mit Schülervertretern ausgetauscht.

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