Hamburg
Alkohol: Die Erwachsenen sind das Problem, nicht die Jugendlichen
Die Altersgrenze für Alkohol heraufzusetzen, wie der Drogenbeauftragte der Bundesregierung es fordert, wäre ein guter Schritt. Dabei aber darf es nicht bleiben. Es bedarf einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion über den Umgang mit Alkohol.
Burkhard Blienert, der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, hat Recht: Alkohol an 16-Jährige zu verkaufen, ist nicht vernünftig. Im Umkehrschluss heißt das aber nicht, dass der Verkauf an 18-Jährige ein Akt der Vernunft wäre. Aus Sicht der Wissenschaft ist Alkohol die pure Unvernunft: Ein Zellgift mit hohem Suchtpotenzial, das wir im Schnitt literweise in uns hineinkippen.
Trotzdem wäre es ein guter, erster Schritt, die Altersgrenze heraufzusetzen. Daran anschließen muss aber eine kräftige Debatte um den Umgang mit Alkohol in der gesamten Gesellschaft. Alkohol ist viel zu akzeptiert und viel zu präsent - nicht nur in der Werbung, sondern bei quasi jeder kleinen Feierlichkeit, bei Zusammenkünften, selbst auf der Arbeit.
Und das liegt nicht an den Jugendlichen. Die sind, das belegen viele Studien der vergangenen Jahre, hinsichtlich des Rauchens und Trinkens genau genommen sogar vernünftiger als ihre Eltern und ihre Großeltern. Es liegt an den Erwachsenen. Sie sind in der Verantwortung.
Wie groß diese Verantwortung ist, zeigt das Leid der etwa 10.000 Kinder, die in Deutschland jährlich mit Alkoholschäden auf die Welt kommen. Sie zählen zu den häufigsten angeborenen Erkrankungen.
Natürlich sind Schwangere auch selbst verantwortlich für ihr Ungeborenes. Aber sie bewegen sich in einem giftigen Umfeld und in einer Gesellschaft, die von einer Ein-Gläschen-geht-schon-Mentalität geprägt ist und in der selbst der ein oder andere Frauenarzt noch zum Beruhigungssekt rät. Damit muss Schluss sein.