Osnabrück
Wie sich die Zahl der Minderjährigen in der Bundeswehr entwickelt
Sollten junge Leute, die noch nicht volljährig sind, in die Bundeswehr als Rekruten aufgenommen werden? Darüber wird immer wieder diskutiert. Die Zahl der Minderjährigen in der Truppe schwankt seit Jahren. Nun gibt es neue Daten.
Die Bundeswehr hat im vergangenen Jahr wieder mehr minderjährige Rekruten eingestellt – allerdings liegt die Zahl deutlich unter dem Höchstwert von vor einigen Jahren. Insgesamt wurden 1239 Soldatinnen und Soldaten in die Truppe aufgenommen, die bei Dienstantritt noch keine 18 Jahre alt waren. Das geht aus Daten der Bundeswehr hervor, die unserer Redaktion vorliegen. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Anteil der Minderjährigen an den Rekruten damit von 7,0 auf 7,4 Prozent. „Die Zahl der 17-jährigen Rekrutinnen und Rekruten schwankt seit Jahren, ist jedoch in der Gesamtbetrachtung seit 2017 rückläufig“ sagte ein Sprecher der Bundeswehr auf Anfrage. Damals waren es 2126 Minderjährige oder prozentual gesehen 9,1 Prozent.
Von den minderjährigen Rekruten wurden mehr als die Hälfte im fünften Dienstmonat volljährig. Mit deutlichem Vorsprung waren die meisten der Minderjährigen Männer, nur knapp jede fünfte war eine Frau (19,3 Prozent). Das ist ein etwas höherer Frauenanteil als bei den Neueinstellungen insgesamt (17,4 Prozent). Insgesamt nahm die Bundeswehr im vergangenen Jahr 16.697 Soldaten neu in den Dienst – etwas mehr als im Vorjahr (16 442).
Seit Jahren gibt es an der Einstellungspraxis von Minderjährigen viel Kritik. Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD) verwies darauf, dass die UN-Kinderrechtskonvention ein Mindestalter von 18 Jahren für den Dienst in den Streitkräften festsetzt. Sie sagte unserer Redaktion: “Es ist daher sehr kritisch zu sehen, dass die Bundeswehr weiterhin Minderjährige einstellt.“ Auch wenn dies nur mit Zustimmung der Eltern und unter strenger Dienstaufsicht geschehe, die der erhöhten Schutzbedürftigkeit Minderjähriger Rechnung trage. Högl forderte: „Die Bundeswehr sollte die Einstellungspraxis Minderjähriger überdenken, zumindest sollte die Ausbildung und der Dienst an der Waffe erst mit dem Erreichen der Volljährigkeit durchgeführt werden.“
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Bewerber für die Bundeswehr müssen mindestens 17 Jahre alt sein, die Zustimmung der Eltern haben und eine sechsmonatige Probezeit absolvieren. Sie machen auch einen physischen und psychologischen Eignungstest. Die 17-Jährigen sind nicht so einsetzbar wie andere Soldaten, sie dürfen weder für den Wachdienst eingeteilt werden noch an Auslandseinsätzen teilnehmen und Waffen nur zu Ausbildungszwecken benutzen. Das Verteidigungsministerium betont daher stets, dass die bestehende Rekrutierungspraxis der Bundeswehr „vollständig im Einklang mit dem internationalen Abkommen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen steht.“
Noch kritischer sehen die Linke ebenso wie die Initiative „Unter 18 nie!“ das Thema. Beide fordern, keine Minderjährigen mehr in die Truppe aufzunehmen. Sie argumentieren damit, dass Deutschland international ein schlechtes Vorbild abgibt, weil etwa Länder wie Somalia oder Afghanistan auf Deutschland verweisen, um den Einsatz von Kindersoldaten in ihren Armeen zu rechtfertigen. Zudem komme es bei der Bundeswehr immer wieder zu Kinderrechtsverletzungen, so das Argument der Kritiker.
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