Ostfriesland

Weniger Auszubildende setzen auf Tourismus

| 08.02.2022 09:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
„Azubis gesucht“: In Ostfriesland gibt es mehr Lehrstellen als Auszubildende. Foto: DPA
„Azubis gesucht“: In Ostfriesland gibt es mehr Lehrstellen als Auszubildende. Foto: DPA
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In der Region Ostfriesland gibt es weniger Auszubildende in den Bereichen Tourismus und in der Veranstaltungsbranche. Die IHK hebt einen Grund dafür besonders hervor.

Ostfriesland - Wenig Reisen, kaum Konzerte: Um ihren Auszubildenden dennoch eine fundierte Ausbildung bieten zu können, müssen sich Reisebüros und Veranstalter in Aurich gerade einiges einfallen lassen. Denn die Anzahl der Auszubildenden in den Branchen ist deutlich zurückgegangen, obwohl der Nachwuchs dringend gebraucht wird. Gerade in der Reisebranche gab es viele Einschränkungen, nicht immer konnte die Ausbildung wie gewohnt ablaufen. Dies nennt Timo Weise als Abteilungsleiter für Aus- und Weiterbildung der IHK Emden als einen möglichen Grund für weniger Auszubildende in den Branchen. Während im Bereich Tourismus 2019 und 2020 jeweils elf Auszubildende in ihre Berufe eingestiegen sind, waren es 2021 nur vier im Bezirk der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg. Halbwegs stabil geblieben ist die Zahl mit zwölf Auszubildenden im Vergleich zu den Vorjahren (13) bei den Kaufleuten für Tourismus und Freizeit. Hart getroffen hat es jedoch auch die Veranstaltungsbranche. Während dort 2019 sechs junge Menschen ihre Ausbildung begannen, waren es 2020/21 nur zwei.

Timo Weise ist Abteilungsleiter für Aus- und Weiterbildung der IHK für Osfriesland und Papenburg. Foto: W Emden
Timo Weise ist Abteilungsleiter für Aus- und Weiterbildung der IHK für Osfriesland und Papenburg. Foto: W Emden

Dies liege auch daran, dass die Ausbildungsbetriebe eine gewisse Verantwortung und einen Vertrag eingehen. Diese mit Gewissheit erfüllen zu können, ohne in der Pandemie eine Perspektive für die Branche zu sehen, sei schwierig. Im Bereich des Hotelfachs seien die Zahlen dennoch relativ stabil geblieben. Vergangenes Jahr begannen in dem Bereich 88 Auszubildende, 2020 waren es 84 und 2019 sogar 99. Einige Branchen haben ihre Prüfungsinhalte an die geänderten Rahmenbedingungen angepasst. So müssen Veranstaltungskaufleute ein größeres Projekt planen und organisieren. Da dies in den Pandemiejahren jedoch nicht möglich war, konnte die Planung „auf dem Papier“ stattfinden, wie Timo Weise schildert. Eine große Notenverschiebung habe es dadurch nicht gegeben.

Die leicht sinkenden Zahlen seien aber auch der fortschreitenden Akademisierung sowie dem demografischen Wandel geschuldet. Immer mehr Betriebe hätten Schwierigkeiten geeignete Auszubildende für ihre Unternehmen zu gewinnen. „Wir haben mehr unversorgte Plätze als Bewerber“, sagt Timo Weise. Das Kernproblem sei das „Matching“: So müssen für die Betriebe, aber auch die Auszubildenden die Bedingungen stimmen, um zusammenzufinden. In der IHK Ostfriesland sind über 160 Berufe gelistet, hinzu käme das Handwerk. Doch einige Berufe seien weniger bekannt, beispielsweise der Molkereitechnologe. Deshalb sucht Weise zusammen mit den Verbänden und Betrieben nach neuen Wegen, für die Berufe zu werben. Eine Möglichkeit seien hier die Ausbildungsbotschafter in den Schulen. Eine andere die Präsentation auf der Ausbildungsmesse digital. „Gerade in der Gastronomie muss etwas passieren. Wir bekommen immer mehr Anfragen aus den Betrieben, die inzwischen Fachkräfte aus dem Ausland wie dem Kosovo oder Indonesien, anwerben“, sagt Weise. Auch bei den Berufskraftfahrern gebe es einen „akuten Nachwuchsmangel“.

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