Südbrookmerland
Südbrookmerlander Fotografin: „Ein erster Meilenstein für mich“
Die Südbrookmerlanderin Saskia Stöhr ist im Begleitprogramm der weltweit größten Ausstellung für Pressefotografen. Für die 26-Jährige ist das ein erster Meilenstein.
Südbrookmerland - Für viele Fotojournalisten ist eine Ausstellung bei der World Press Photo (WPP) Wettbewerb die Krönung ihrer Karriere – und die 26-jährige Südbrookmerlanderin Saskia Stöhr ist diesem Punkt ein ganzes Stück näher gekommen. Sie darf im Begleitprogramm der Ausstellung am Sonntag, 6 März, ab 11 Uhr ihre Foto-Reportage über wesensgemäße Imkerei vorstellen. Im Interview mit den ON spricht sie über ihre Arbeit und was sie inspiriert.
Wie kam es dazu, dass Sie im Begleitprogramm der WPP ihre Reportage vorstellen dürfen?
Ich wurde vom Geschäftsführer von „Mediavanti“ in Oldenburg angeschrieben. Er suchte Leute, die im Rahmenprogramm mitmachen können. Er hatte ein ganz spezielles Thema vor Augen – alles rund um die Imkerei. Dabei ist er auf meiner Internetseite gelandet und hat meine Reportage über wesensgemäße Imkerei gefunden.
Wie bedeutend ist diese Ausstellung für Sie?
Das ist ein erster Meilenstein für mich. Es ist das erste Mal, dass ich in der Öffentlichkeit über eine meiner Reportagen sprechen darf. Die WPP-Ausstellung ist der größte Foto-Wettbewerb weltweit für Pressefotografen. Dass ich dort auftreten darf, ist für mich eine großartige Gelegenheit, meine Arbeit zu zeigen – wie läuft der Prozess ab, von der Idee bis zur finalen Reportage.
Im besten Falle knüpft man dort auch noch für die Karriere wichtige Kontakte.
Auf jeden Fall. Man hat dort natürlich noch einmal eine größere Reichweite als über die eigene Internetseite. Zum Kontakteknüpfen ist das sicherlich eine gute Gelegenheit.
Was begeistert Sie an ihrem Beruf?
Die Leidenschaft kam dafür schon früh. Nach der Schule machte ich eine Ausbildung bei „Foto Ehrhardt“ in Aurich. Ich schaffe gern tolle Erinnerungen für das Fotoalbum. Das machte mir viel Spaß – aber ich merkte, das ist noch nicht alles. Bei Aufträgen auf Hochzeiten entdeckte ich für mich den Reiz, mit meinen Fotos eine Geschichte zu erzählen. Außerdem kann ich so Bewusstsein bei den Menschen für verschiedenste Themen schaffen. Die Fotografie ist wie ein Sprachrohr. Jetzt studiere ich Fotojournalismus und Dokumentarfotografie in Hannover und arbeite nebenbei als Fotografin.
Wie finden Sie Ihre Motive?
Das ist ganz unterschiedlich, je nachdem, was ich fotografiere. Bei einer Foto-Reportage, wie bei der wesensgemäßen Imkerei, ähnelt es einer Spurensuche. Ich begleite die Personen, bei dem, was sie machen. Man muss den Betrachter in die Geschichte ziehen und alles zeigen. Wo spielt die Geschichte? Wer ist der Protagonist? Auch Details sind entscheidend, zum Beispiel was für Werkzeuge die Imkerin benutzt.
Ich stelle es mir schwierig vor, das nur mit Bildern zu machen.
Absolut. Es ist eine Kunst für sich. Man kann nicht alle Themen komplett ohne Text erzählen. Ich denke auch, dass Bild und Text immer zusammengehören. Aber die Bilder sollten trotzdem für sich sprechen können. Das ist das Besondere an der Fotografie, dass die Bilder eine Geschichte transportieren.
Wie hat Corona Ihre Arbeit verändert?
Zu Beginn der Krise hatte ich ein richtiges Corona-Loch. Sowohl in meinem Studium als auch in meiner Arbeit. Ich hatte viel weniger Aufträge. Andere wurden wiederum kurzfristig abgesagt, weil wieder neue Corona-Regeln aufgestellt wurden. In dieser Zeit fotografierte ich nur noch selten – ich wollte Kontakte, so weit es geht, vermeiden. Die Arbeit fehlte mir sehr. Gefühlt kam ich überhaupt nicht voran.
Derzeit leben Sie in Hannover. Wollen Sie dort langfristig bleiben?
Das kann ich noch nicht sagen. Für die Fotografie bietet die Stadt viel. Es hängt davon ab, ob ich einen Job finde. Ich würde gerne bei einem Magazin arbeiten, das hauptsächlich Themen rund um die Umwelt und Natur behandelt. Die Stadt bietet dort viele Möglichkeiten, allerdings gibt es auch einen größeren Kreis an Fotografinnen und Fotografen, von denen man sich mit seiner Arbeit abheben muss.
Könnten Sie sich vorstellen, auch zurück nach Ostfriesland zu kommen?
Ja, ich bin sehr heimatverbunden. Ich habe es genossen, in der Natur großzuwerden. Früher oder später zieht es mich bestimmt aufs Land zurück.
Denken Sie, dass Ihre Karrierechancen auf dem Land genauso gut sind wie in einer Großstadt?
Das ist schwierig zu sagen. Es kommt drauf an, wo ich später einmal lande. Bei Zeitungen auf dem Land gibt es sicherlich auch eine große Nachfrage. Aber ich denke, dass bei größeren Magazinen die Aufträge wahrscheinlich vielfältiger sein werden. Aber ich bin für alles offen und sehr gespannt, wo die Fotografie mich noch hinziehen wird.