Osnabrück
Länger arbeiten? DGB warnt vor Rentenkürzungen
Rentenalter rauf? Ist das die Lösung für die demografischen Herausforderungen in der Rentenversicherung? Arbeitgeber beharren auf einer längeren Lebensarbeitszeit. Die Gewerkschaften halten dagegen.
In der Debatte um die wachsende Zahl der Rentner und die Finanzierung der Rentenversicherung warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund eindringlich vor einer weiteren Erhöhung der Regelaltersgrenze und vor Rentenkürzungen. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sagte unserer Redaktion, die Ampel-Koalition stehe in der Verantwortung, für einen starken Sozialstaat zu sorgen. Dazu gehöre eine gute und ausreichende Rente. „Dieses Versprechen muss auch in einer älter werdenden Gesellschaft gelten und darf keinesfalls mit höheren Altersgrenzen und Rentenkürzungen aufgekündigt werden.“
Die Ampel hat im Koalitionsvertrag eine Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters zwar ausgeschlossen. Doch machen Arbeitgeber- und Industrieverbände immer wieder Druck, die Lebensarbeitszeit zu verlängern. Zuletzt äußerte sich der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) entsprechend.
Piel hielt dem entgegen, viele hart arbeitende Beschäftigte erreichten schon jetzt nicht ihre Altersente, sondern bekämen vorher eine Erwerbsminderungsrente. Für zahlreiche Beschäftigte unter anderem in der Pflege, auf dem Bau oder in Fabriken sei längeres Arbeiten keine Option.
Wer hart arbeitet, hat nach Worten von Piel außerdem eine deutlich geringere Lebenserwartung und bezieht deshalb auch kürzer Rente. Die Gewerkschafterin warnte: „Auch wenn es eine überschaubare Zahl von Menschen gibt, die tatsächlich länger arbeiten können, bedeutet die höhere Altersgrenze für alle anderen nur eine umso größere Rentenkürzung.“
Piel reagierte damit auf Forderungen von BDI-Präsident Siegfried Russwurm. Er hatte Anfang der Woche kritisiert: „Die Politik will keine längere Lebensarbeitszeit, will keine Sozialversicherungsbeiträge über 40 Prozent, will das Rentenniveau auf mindestens 48 Prozent halten - die Gleichung geht nicht auf.“ Gegenüber den Funke-Zeitungen forderte Russwurm zugleich zukunftweisende Reformen und betonte: „Auch eine verlängerte Arbeitszeit sollte nicht weiterhin von der Politik ausgeschlossen werden.“
Mit Blick auf die Corona-Pandemie müsse man Lehren ziehen, so der BDI-Präsident weiter. „Es geht nicht darum, nur den Vorkrisenzustand zu erreichen. Wir müssen unseren Standort zukunftsfest machen und besser werden.“ Um das Problem zu lösen, könnten die Lebensarbeitszeit und Einwanderung von Experten ein Hebel sein.
Aktuell gilt: Die Altersgrenze für die Regelaltersrente ohne Abschläge wird bis 2029 schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Die Deutsche Rentenversicherung erläutert: „Angefangen mit dem Geburtsjahrgang 1947 wird die Altersgrenze bis 2023 um jährlich einen Monat angehoben. Ab 2024 wird die Altersgrenze beginnend mit dem Geburtsjahrgang 1959 in 2-Monats-Schritten angehoben. Für Versicherte ab Jahrgang 1964 gilt dann die Regelaltersgrenze von 67 Jahren.“