Aurich

Teure Sanierung eines Denkmals

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 27.01.2022 12:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Eingang zur Osterstraße soll mit Kunstschule und Museum deutlich attraktiver werden. Foto: Romuald Banik
Der Eingang zur Osterstraße soll mit Kunstschule und Museum deutlich attraktiver werden. Foto: Romuald Banik
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Das Haus Osterstraße 42/44 ist ein Denkmal, das der Stadt Aurich gehört. Sie muss das Gebäude sanieren – und das wird nicht billig.

Aurich - Das Gebäude Osterstraße 42/44 steht unter Denkmalschutz. Die Pracht vergangener Zeiten ist zwar unter den Sanierungssünden der vergangenen Jahrzehnte verschwunden. Unter den Riemchen an der Fassade schlummert jedoch ein Fachwerkbau, der zu Beginn keineswegs so unscheinbar war, wie er nun wirkt.

Das Haus gehört der Stadt Aurich. Sie ist verpflichtet, das Gebäude dem Denkmalschutz entsprechend zu sanieren. Das kostet nach ersten Schätzungen zwischen 700.000 und 800.000 Euro, wie die Auricher Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß auf ON-Anfrage mitteilt. Geld, das auf jeden Fall ausgegeben werden muss – unabhängig davon, ob in die Gebäude Osterstraße 42/44 sowie 40 die Kunstschule „Miraculum“ und das Mach-Mit-Museum einziehen.

Alter Kostenrahmen wurde bereits gesprengt

Über diesen Umzug stritten sich in der vorigen Woche die Mitglieder des Bauausschusses. Es gab Streit über die explodierenden Kosten. Der Eigenanteil der Stadt ist, wie berichtet, nach jüngsten Berechnungen um 850.000 Euro gestiegen. Denn die allgemein gestiegenen Baukosten haben dazu geführt, dass der ursprünglich vorgesehene Kostenrahmen von insgesamt 3,4 Millionen Euro nicht eingehalten werden kann. Drei Millionen Euro dieser Summe sollen aus Fördermitteln kommen. Diese Summen sollen nicht überschritten werden. Das hatte Bürgermeister Horst Feddermann, der dem Vorhaben stets kritisch gegenüberstand, angesichts einer klammen Stadtkasse festgelegt.

Sollte ein Café entstehen, könnte das Osterstraße 42/44 irgendwann so aussehen. Grafik: DBCO
Sollte ein Café entstehen, könnte das Osterstraße 42/44 irgendwann so aussehen. Grafik: DBCO

Der Vorschlag der Verwaltung aus dem Dilemma: Es wird ein Café mit eingeplant, auf das alle Ausgaben umgelegt werden können, die die anfangs festgelegte Summe übersteigen. Eine Summe allerdings, die von Beginn an nicht haltbar gewesen ist. Der Beginn der Pläne liegt im Jahr 2018. Damals hieß der Auricher Bürgermeister noch Heinz-Werner Windhorst, und der Erste Stadtrat Hardwig Kuiper kümmerte sich um die Finanzen. Windhorst wurde mittlerweile von Horst Feddermann abgelöst. Und Kuiper ist zwar immer noch in das Projekt involviert. Allerdings nur noch inhaltlich in der Funktion als zuständiger Fachbereichsleiter für Kunstschule und Museum. Nicht haltbar war die Kostenvorgabe, weil weder eine Preissteigerung eingeplant worden war noch eine Reserve für eventuelle Risiken, die erst während der Bauphase auftreten.

Inflation war bislang nicht eingeplant

Ein übliches Vorgehen bei solchen Ausschreibungen, wie Architekt Christian Oberteicher (DBCO, Münster) im Bauausschuss darlegte. Ein Vorgehen aber, das nun auch zur Kostenexplosion führte. Denn in der neuesten Kalkulation hat Oberteicher nun zum einen die Inflation mit eingerechnet, zum anderen wurden als Risiko-Reserve 500.000 Euro aufgenommen. Insgesamt soll das Projekt nun 4,2 Millionen Euro kosten. Der städtische Zuschuss, so rechnete es Bodo Bargmann (CDU) vor, sei damit von anfänglich 300.000 Euro vor dem Architektenwettbewerb auf dann 440.00 Euro und schließlich auf 1,2 Millionen Euro gestiegen. „Wir müssen die Reißleine ziehen, wir müssen neu denken.“ Die CDU werde so nicht zustimmen, kündigte Bargmann an.

Schnell Nägel mit Köpfen machen

Ein Kommentar von Heino Hermanns

Drei Möglichkeiten haben die Ratsfraktionen nun. Sie können den Vorschlag der Verwaltung annehmen und ein Café mit zum Museum und zur Kunstschule in der Osterstraße 42/44 einplanen. Sie können, wie es die CDU bereits gefordert hat, die Reißleine ziehen und ein anderes Domizil für die beiden Einrichtungen suchen. Und sie können das Gebäude jetzt schleunigst sanieren und dann ohne Café an Kunstschule und Museum übergeben. Denn alleine für die Sanierung müssen so oder so 800.000 Euro ausgegeben werden. Für ein Haus, das nach der Sanierung leer stehen würde, wenn Kunstschule und Museum der Einzug von der Politik verwehrt werden würde.

Kunstschule Miraculum und das Mach-Mit-Museum klagen seit Jahren über Raumnot. Im neuen Domizil hätten sie viel Platz zur Entfaltung. Das Museum müsste bei Ausstellungen, die aus anderen Museen geliehen werden, keine Abstriche mehr machen. Heida Haltermann brachte es als Vertreterin der Kaufleute im Ausschuss auf den Punkt: Verkleinerung der Flächen für Museum und Kunstschule führt nicht wirklich zu Einsparungen. Es sei besser, „nach vorne zu denken“. Richtig so. Die Stadt sollte trotz des knappen Haushaltes jetzt schnell die Gebäude sanieren und dann komplett an die eigenen Einrichtungen übergeben. Ohne Café, dafür mit der Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.

Als einziger Politiker hatte Werner Kranz (GFA), Mitglied im Ortsrat Kernstadt und selbst erfahren bei der Sanierung alter Häuser, nach den reinen Sanierungskosten für das Gebäude Osterstraße 42/44 gefragt. Eine Frage, die im Ausschuss unbeantwortet blieb und auch von niemandem weiter beachtet wurde. Es handelt sich dabei aber, wie die Antwort von Alexandra Busch-Maaß zeigt, um eine berechtigte Frage. Denn das Geld für die Sanierung könnte die Stadt Aurich nur dann sparen, wenn sie das Gebäude wieder verkauft. Das aber sei unwahrscheinlich, so Kranz in der vergangenen Woche gegenüber den ON. Denn eine Mieterin habe in dem Gebäude lebenslanges Wohnrecht. Damit sei die Immobilie so gut wie unverkäuflich.

Ausmaß der Gebäudeschäden noch unklar

Im Augenblick fehlt dem Haus Nummer 42/44 eine Rückwand ebenso wie ein Treppenhaus. Das Fachwerk ist wegen der luftdicht verklebten Riemchen laut Architekt Oberteicher eine weitere Baustelle, um die man sich dringend kümmern muss. Er schlägt zur Belüftung Bohrungen in den Wänden vor. Nicht ausgeschlossen ist aber, dass das Fachwerk weit stärker angegriffen ist als bislang bekannt. Dann dürften die Sanierungskosten weiter steigen. Deshalb sprach sich Gerhard Boekhoff, Leiter des Liegenschafts- und Gebäudemanagements der Stadt, auch für den Umzug von Kunstschule und Museum an das Ende der Osterstraße aus. Das sei eine günstige Gelegenheit für eine Sanierung angesichts der Fördermittel in Höhe von 90 Prozent, meinte er am Rande des Bauausschusses im ON-Gespräch.

Die Politik hat indes noch keinen Beschluss gefasst. Zurzeit liegt das Thema wieder bei den Fraktionen zur weiteren Beratung.

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